Weltgesundheitstag: Antibiotika-Resistenzen aufhalten

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Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den Weltgesundheitstag unter das Motto Antibiotika-Resistenzen gestellt. Das Problem ist in der Tat ein drängendes. Gegen viele Bakterien, die häufig lebensbedrohende Infektionen verursachen, ist kein Kraut – besser keine Antibiotika – mehr gewachsen. Dies ist auf den weit verbreiteten, oft übermäßigen Einsatz von Antibiotika bzw. ihren unsachgemäßen Gebrauch bei Menschen und Tieren zurückzuführen. Die WHO fordert mehr Verantwortung beim Umgang mit Antibiotika.

 

Heute sterben in den Ländern der Europäischen Union jährlich 25.000 Menschen an schweren Infektionen mit resistenten Bakterien, die meist in Gesundheitseinrichtungen erworben wurden. Diese Zahlen nennt die WHO zum Weltgesundheitstag 2011.

Doch das dürfte fast noch untertrieben sein. So geht die Initiative "Zündstoff Antibiotika-Resistenz" von 40.000 Toten in Europa durch im Krankenhaus zugezogenen Infektionen aus. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) schätzt, dass allein in Deutschland jährlich 400.000 - 600.000 Patienten an Krankenhausinfektionen erkranken, ca. ein Drittel davon wäre vermeidbar. Laut BMG versterben etwa 10.000 Menschen nach aktuellen Schätzungen aus Studien jedes Jahr in Deutschland an Krankenhausinfektionen.

Prof. Stefan Kaufmann, Direktor des Max-Planck-Institutes für Infektionsbiologie in Berlin, sieht das Problem noch größer. Seiner Meinung nach sterben in Deutschland jedes Jahr fast 20.000 Menschen, weil sie sich im Krankenhaus infiziert haben.

Das deutsche Motto des Weltgesundheitstages 2011 lautet „DART – gemeinsam Antibiotika-Resistenzen verhüten und bekämpfen“. „DART“ steht für „Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie“ und wurde im November 2008 gemeinsam vom BMG, dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung verabschiedet und veröffentlicht. Sie enthält Maßnahmen zur Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen in Deutschland und hat die Verminderung von deren Ausbreitung zum Ziel.

Die WHO warnt: Wenn keine wirksamen neuen Antibiotika gefunden werden und sich die Resistenzen weiter ausbreiten, droht der Gesellschaft eine Rückkehr zu Verhältnissen, wie sie vor der Entdeckung der Antibiotika herrschten, als Kinder oft an einer einfachen Lungenentzündung starben und Ärzte gegen Meningitis machtlos waren. Multiresistente Tuberkulose ist ein weiteres Beispiel für diese neu entstehende Bedrohung.

Sie appelliert an die verschreibenden Ärzte, die pharmazeutische Industrie und die Viehwirtschaft, jetzt zu handeln und zu einer verantwortungsbewussten Verschreibungs- und Anwendungspraxis überzugehen, Antibiotika-Gebrauch und -Resistenz zu überwachen und zurückzuverfolgen und die Entwicklung neuer Antibiotika voranzutreiben.

Was die neuen Wirkstoffe betrifft, sind die Aussichten nicht ganz so rosig. Laut Kaufmann waren zwischen 1950 und 1980 noch 200 neue Antibiotika auf den Markt gekommen, von 1980 bis 2010 nur noch 55, darunter gerade noch 7 in den letzten zehn Jahren.

Schon vor Jahren haben Prof. Dr. med. Sören Gatermann und Dr. med. Wolfgang Hell, Medizinische Mikrobiologie Medizinische Fakultät der Ruhr Universität Bochum gewarnt: Gegen einige Bakterienstämme ist die Medizin schon heute machtlos. Es fehlt an wirksamen Antibiotika. Mit den üblichen Strategien ist es nicht mehr getan. Neue Wirkungsmechanismen sind gefragt. Hoffnung versprechen Präparate, die an bisher unbekannten Strukturen in der Bakterienzelle angreifen. Doch der Wettlauf zwischen neuen Antibiotika und immer neuen, resistenten Mikroorganismen wird allein auf diesem Wege nicht zu gewinnen sein.“

Und sie begründen, warum die Zeit drängt: “Die Suche nach natürlichen antibiotisch wirksamen Substanzen ist aufwändig und nur selten von Erfolg gekrönt. Bei der üblichen Entwicklung neuer Antibiotika werden vorhandene Substanzen, gegen die es aber bereits Resistenzen gibt, lediglich modifiziert. Somit ist es notwendig, Antibiotika mit neuen Wirkungsmechanismen zu entwickeln, z.B. indem neue Angriffspunkte in der Bakterienzelle gesucht werden. Ein möglicher Ansatz dabei ist, in den Bakterien gezielt in die Mechanismen einzugreifen, durch die letztlich Krankheiten entstehen. Möglicherweise ließen sich auf diesem Wege nicht nur die bakterielle Vermehrung, sondern auch die Krankheitssymptome selbst bekämpfen.”

WANC 07.04.2011
Quelle: WHO, BMG, bvpg, Rubin 2/00

 

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