Neues Antibiotikum treibt Bakterien in den Selbstmord
Mit der Entdeckung des Penicillins hat die Medizin einen riesigen Schritt getan: Das Antibiotikum half dabei, Infektionen wirksam zu behandeln. Mittlerweile gibt es neuere Wirkstoffe, dennoch wird die Waffe gegen Krankheit langsam stumpf.
Dafür sorgen sogenannte Resistenzen, das bedeutet, dass die Bakterienstämme gegen Antibiotika unempfindlich werden. Nun haben deutsche Wissenschaftler die Wirkunngsweise eines neuen Antibiotikums entschlüsselt, das sogar multiresistente Keime abtöten soll.
Bakterien kappen ihre eigenen Versorgungswege
Der Wirkstoff nennt sich Acyldepsipeptide (ADEP). Das unaussprechliche Mittel soll sogar gegen den gefürchteten Erreger Staphylococcus aureus wirken. Das Bakterium gehört zu den gefährlichen Krankheitserregern, die auch im Krankenhaus erworben werden und Infektionen auslösen, die oft tödlich enden, weil kein Antibiotikum es noch bekämpfen kann.
ADEP ist anders als andere Antibiotika. Die “normalen” Wirkstoffe sollen den Ablauf bestimmter Reaktionen in den Bakterien unterbinden. ADEP sorgt dagegen dafür, dass das Bakterium praktisch Selbstmord begeht. Das schafft es, in dem es das Bakterium dazu bringt, gesunde Bestandteile abzubauen. Dadurch wird unter anderem verhindert, dass der Stoffwechsel der Zellen des Bakteriums nicht mehr die Proteine bekommt, die es zur Vermehrung – Zellteilung – benötigt.
Noch ein paar Jahre Geduld
Bis das neuartige Antibiotikum allerdings verschrieben werden kann, wird es noch einige Jahre dauern. Doch die Erwartungen sind schon jetzt hoch. Denn es soll nicht nur gegen Staphylococcus aureus wirken. Die Substanz soll auch andere Infektionen bekämpfen: beispielsweise Streptokokken, die Mittelohr-, Lungen-, oder Hirnhautentzündungen auslösen können. Oder Enterokokken, die für Harnwegsinfekte, Blutvergiftung oder eine Entzündung der Herzinnenhaut verantwortlich sind.
WANC 05.10.2011
Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences
