Grippeimpfung: Kommt der Langzeitschutz?
Jedes Jahr wieder: Im Herbst greifen die Grippeviren an. Die Folge: Viele Menschen werden krank - und manche sterben auch. Bis zu 15.000 jährlich allein in Deutschland, schätzt man. Eines sagen die Infektionsexperten aber auch: Je mehr Menschen sich gegen Grippe impfen lassen, desto weniger sind betroffen. Doch die Grippeerreger sind gemein, sie verändern sich ständig. Deshalb benötigt man jedes Jahr einen neuen Impfstoff, muss sich jedes Jahr also erneut spritzen lassen. Forscher haben nun allerdings einen Antikörper entdeckt, der einen Großteil der Grippeviren entdeckt. Der könnte einen Langzeitschutz gegen die Infektionskrankheit ermöglichen.
Grippeviren: jedes Jahr mit neuem Anstrich
Grippeviren sind Verwandlungskünstler. Sie verändern sich ständig. Genauer gesagt: Ihre Oberfläche verändert sich. Damit werden sie für das Immunsystem unseres Körpers schwerer erkennbar, können unerkannt die Abwehrkräfte passieren, Zellen überfallen und infizieren und sich so zu einer lebensbedrohenden Krankheit auswachsen. Oder, wie es das Deutsche Ärzteblatt ausdrückt: “Da die Grippe eine längere Immunität hinterlässt, müssen die Viren ihre antigenen Eigenschaften ständig variieren, um jedes Jahr eine neue Grippewelle auszulösen.“
Hätten Grippeviren (Mediziner-Deutsch: Influenzaviren) diese Fähigkeit zur Veränderung nicht, hätten die Antikörper, das sind die Spürnasen unseres Abwehrsystems, die einmal entdeckte Krankheitserreger immer wieder aufspüren können, leichtes Spiel. Doch weil dem nicht so ist, analysieren Wissenschaftler jedes Jahr die Versionen der Influenzaviren, von denen man erwartet, dass sie in dem jeweiligen Jahr aktiv werden. Gegen diese Viren wird dann ein Impfstoff zusammengesetzt. Das ist der Grund, warum viele Menschen sich jedes Jahr erneut gegen Grippe impfen lassen müssen.
Neuer Antikörper mit Breitenwirkung erfolgreich im Labor getestet
Insgesamt gibt es 16 Subtypen von Influenza-A-Viren. Bekannte Typen sind beispielsweise H1N1, H1N2 oder H3N2. Gegen die sogenannten Influenzastämme wird geimpft.
Britische und schweizer Wissenschaftler haben nun einen Antikörper gefunden, der alle 16 Subtypen der Influenza-A-Vieren erkennen kann. Und dann auch neutralisiert. In ersten Tests an Tieren funktionierte die passive Immunisierung. Jetzt müssen klinische Studien folgen.
Das Deutsche Ärzteblatt bleibt in seiner Beurteilung vorsichtig: “…. dürften bis zur Entwicklung eines Medikamentes für die Humanmedizin noch Jahre vergehen, sofern sich dieses überhaupt als sicher und effektiv erweisen sollte. Das Ergebnis wäre ein Medikament zur passiven Immunisierung mit Antikörpern. Sie ist in der Regel kostspielig und käme wohl nur zur Behandlung schwerer Erkrankungen infrage. Die aktive Immunisierung, die Gesunde vor einer zukünftigen Erkrankung schützen könnte, ist nur mit einem Impfstoff möglich, der das menschliche Immunsystem zur körpereigenen Bildung der jetzt isolierten Antikörper befähigen würde. Die Entwicklung eines solchen Impfstoffs setzt voraus, dass das Antigen, das die jetzt gefundenen Antikörper erkennen, isoliert und in einer Form aufbereitet wird, die das Immunsystem erkennt und zum Aufbau einer Immunität veranlasst.”
WANC 01.08.2011
Quelle: Science DOI: 10.1126/science.1205669, Deutsches Ärzteblatt
