Was wird aus der Praxisgebühr?
Zehn Euro pro Quartal und Arzt – die im Jahr 2004 eingeführte Praxisgebühr sollte helfen, Finanzlücken im Gesundheitswesen zu schließen und die Eigenverantwortung der Patienten zu stärken. Inzwischen kommen nicht wenige zu dem Ergebnis, dass die Praxisgebühr grandios gescheitert ist. Obwohl sie den gesetzlichen Krankenversicherungen rund 2 Milliarden Euro pro Jahr bringt. Die Bundesregierung sucht nach einem Ausweg.
Das "Medikament Praxisgebühr" wirkt nicht
“Die Praxisgebühr wirkt nicht, die Zahl der Arztbesuche sinkt nicht.” Das sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr bereits im Juli dieses Jahres in einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt. Tatsächlich scheint offenkundig, dass die erhoffte steuernde Wirkung der Praxisgebühr nicht funktioniert. Anstatt weniger gehen die Versicherten öfter zum Arzt. Um die Praxisgebühr für einen erneuten Arztbesuch zu sparen, werden eben Überweisungen geholt. Getroffen hat die Praxisgebühr vor allem diejenigen, die wenig Geld haben, weil die Arztbesuche einsparen.
Mittlerweile hat sich eine seltsame Einheit der Ablehner formiert. Die Ärzte empfinden die Praxisgebühr als Bürokratiemonster, das die Ärzte belaste, weil der Aufwand für Einzug und Verwaltung in den Praxen stattfinde, ohne dass diese etwas dafür bekämen. Christoph Straub, Chef der Barmer GEK, lehnt jede Form von Praxisgebühr ab. Dem kann der Sozialverband Deutschland (SoVD) nur beipflichten. Der beklagt, dass die Praxisgebühr vor allem chronsich kranke, behinderte und ältere Menschen benachteilige.
Viele Meinungen, noch keine Lösung
Wie sieht die Lösung aus? Manche Gesundheitsökonomen befürworten eine Gebühr von 5 Euro pro Arztbesuch, also die Abkehr von der quartalsweisen Erhebung. Andere, wie der Kassenchef Straub, wollen die Struktur der ärztlichen Vergütung ändern.
Das könnte auch Ärzten gut gefallen. Sie kämpfen schon lange dafür, Patienten an der Eigenverantwortung zu packen und versuchen eine Kostenerstattung durchzusetzen. Die könne ja um eine sozialverträgliche Eigenbeteiligung erweitert werden.
WANC 13.12.2011
Quelle: Die Welt, Barmer GEK, Deutsches Ärzteblatt, DAZ, MDR
