Kann Zink Schnupfen lindern?
Das Einnehmen von Zink-Sirup, -tabletten oder -lutschtabletten kann die Schwere und Dauer eines normalen Schnupfens verringern. Das besagt jedenfalls eine Studie des Post Graduate Institute of Medical Education and Research. Demnach sollen alle wissenschaftlichen Beweise darauf hindeuten, dass Zink bis zu einem Tag nach dem Einsetzen der Symptome erstmals eingenommen, die Gesundung beschleunigen kann.
Möglich sei es auch, dass damit Verkühlungen überhaupt verhindert werden können. So äußern sich die Verfasser der Cochrane Systematic Review, die Daten von 15 Studien mit insgesamt 1.360 Teilnehmern ausgewertet haben.
Erwachsene haben zwischen zwei- und viermal pro Jahr einen Schnupfen, Kinder bis zu zehnmal. Die Einnahme von Zink kann den Studien des Pädiaters Meenu Singh nach die Erkältung um etwa einen Tag verkürzen. Der Anteil der Studienteilnehmer, bei denen die Nase auch nach einer Woche noch lief, soll um 55% gesunken sein.
Außerdem seien die Fehlzeiten an der Schule um 0,37 Tage zurückgegangen und der Antibiotikagebrauch um 73% gesunken. Wobei das Deutsche Ärzteblatt mit Recht darauf hinweist, dass „die Verordnung von Antibiotika .. bei einer Erkältung sicher nicht angezeigt“ ist.
Was die Wirkung des Zink ausmacht, erklären Experten so: Zink soll die Viren umschließen und sie daran hindern, über die Nasenschleimhaut in den Körper einzudringen. Außerdem soll das Metall die Viren daran hindern, sich zu vermehren.
Und wie viel Zink muss man zu sich nehmen, damit es wirkt? Singh enthält sich, eine allgemeine Empfehlung abzugeben. Man wisse noch zu wenig über die optimale Dosis, Rezeptierung und Dauer der Behandlung. Alle 15 vom Cochrane Institute untersuchten Studien verwendeten verschiedene Zeitskalen und Dosierungen bei der Behandlung. Damit werde es unmöglich, sie auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Gute Ergebnisse wurden laut Singh bei Tests erzielt, wenn Zink innerhalb eines Tages eingenommen wurde. Am siebten Tag hatten sich die Symptome der Patienten, die das Präparat mehrmals am Tag einnahmen, deutlich verbessert. Kinder, die täglich fünf Monate lang 15 Milligramm Zink bekamen, hatten seltener einen Schnupfen und fehlten auch seltener in der Schule.
Skeptisch bewertet das Deutsche Ärzteblatt die Ergebnisse: “Ob der Einkauf in der Apotheke sinnvoll ist, mögen die Verbraucher angesichts dieser Zahl selbst entscheiden. Dass sie das richtige Präparat erwischen, ist vielleicht Glückssache, denn die meisten Erkältungsmittel enthalten (wegen des metallischen Geschmacks) Zink in eher niedriger Dosierung und sind (wegen des guten Geruchs) meist noch mit anderen Essenzen versetzt, die, so muss man befürchten, die Freisetzung von Zink womöglich hemmen.“
Die FDA – die US Food and Drug Administration – hat im Jahr 2009 vor Zinkprodukten bei Erkältung gewarnt: Zinkhaltige Nasengels beeinflussten den Geruchssinn negativ. Viele Patienten litten nach der Anwendung an Anosmie – also dem völligen Verlust des Geruchssinns. Diejenigen, die Zink einnahmen, berichteten auch von anderen Nebenwirkungen wie einem unangenehmen Nachgeschmack oder Übelkeit. Dokumentiert sind auch Kopfschmerzen und Müdigkeit.
WANC 17.02.11
Quelle: Post Graduate Institute of Medical Education and Research, Cochrane Systematic Review, Deutsches Ärzteblatt
