Burnout: Wenn der Job die Psyche lädiert

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Wie entsteht „Burnout“? Wissenschaftler machen dafür inzwischen vor allem arbeitsorganisatorische Rahmenbedingungen und weniger individuelle Gründe verantwortlich. Wachsende Belastungen im Job führen immer häufiger zu „psychischen Verletzungen“ psychisch gesunder Menschen. Dadurch erhöht sich auch die Arbeitsunfähigkeit: Psychische Erkrankungen insgesamt verursachten im Jahr 2010 rund 12% der Krankheitstage, eine erneute Steigerung im Vergleich zum Vorjahr.

 

 

Zu den Auslösern von chronischem Stress gehören hohes Arbeitsvolumen, Zeitdruck, geringe Gestaltungsspielräume und paralleles Arbeiten an mehreren Aufgaben. Auch ständige Erreichbarkeit führt dazu, dass Menschen nicht mehr „abschalten“ können. Wenn Arbeitszeit und Freizeit verwischen, fehlen wichtige Erholungsphasen. „Zur totalen Erschöpfung kommt es schließlich, wenn Menschen ihren arbeitsbedingten Ressourcen- und Energieverbrauch nicht mehr auffüllen können“, sagt Professor Dr. med. Wolfgang Senf aus Essen.

Insbesondere sehr leistungsfähige und leistungsorientierte Beschäftigte seien von Burnout betroffen. „Gut zu sein, wird gewissermaßen zum Risiko: Wenn Sie Ihre Arbeit gut machen, bekommen Sie einfach noch ein Projekt dazu“, warnt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Durch Überlastung könne es zu einer psychischen, körperlichen wie auch geistigen Erschöpfung bei bisher psychisch Gesunden kommen. Burnout sei deshalb keine psychiatrische Erkrankung.

Solide Zahlen zum „Ausgebranntsein“ fehlen bislang. Zahlen der Krankenkassen und Studien in ausgewählten Berufsgruppen deuten jedoch darauf hin: Mit den Arbeitsbelastungen nehmen die Fehlzeiten zu. Dies betrifft helfende und medizinische Berufe oder auch Lehrer. Aber auch in der Informationstechnologie-Branche beispielweise zeigen ein Viertel der Beschäftigten Anzeichen chronischer Erschöpfung.

Dies hat eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Untersuchung am Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen ergeben. Befragt wurden 331 Beschäftigte nach ihrer Belastungssituation: Nur 29% der Teilnehmer gaben an, nach der Arbeit problemlos abschalten zu können, und nur noch 37% der IT-Spezialisten meinten, ihre Arbeit sei auf Dauer durchzuhalten.

Zusammen mit Beschäftigten und Unternehmen haben Forscher vorbeugende Maßnahmen gegen Überlastung erarbeitet und getestet. Entscheidend für die Vermeidung von Stress waren danach eine gute Führungsqualität der Vorgesetzten und die Möglichkeit, auf Termine und Arbeitsvolumen Einfluss zu nehmen. Auch gezielte Pausen, etwa nach zwei Stunden, könnten Erholung schaffen und in arbeitsreichen Phasen umso wichtiger sein. Häufige Unterbrechungen seien allerdings Stressverursacher. Hier helfe es, sich für konzentriertes Arbeiten zeitweise von Telefon und Anfragen „auszuklinken“. Auch die Begrenzung auf maximal zwei Projekte vermindere Zeitdruck.

„In einer besseren Arbeitsgestaltung liegen erhebliche gesundheitsfördernde und auch leistungserhaltende Potenziale“, erklärt Senf. Und diese sollten angesichts der stressbedingten psychischen Erkrankungen auch genutzt werden. „Schließlich vergeuden wir damit erhebliche Ressourcen, wenn Menschen chronisch erschöpft sind.“

WANC 21.03.2011
Quelle: Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

 

 

Share on Facebook: Das gefällt mir

Diesen Artikel zum eigenen Facebook-Profil posten. Hier einfach klicken