Mutter mit Neurodermitis: Soll ich nun stillen oder nicht?

Lange Zeit galt Stillen als eine der wichtigsten Vorbeugemaßnahmen gegen Neurodermitis. Kinder, die gestillt werden, bekommen weniger Allergien, Asthma und eben auch Neurodermitis, so der allgemeine Wissensstand. Doch nun deuten neuere Studien an, dass das wohl eher ein Irrtum war.

Neurodermitis via Muttermilch?

Den Anfang machte Anfang des Jahrtausends eine große deutsch-britische Studie, in der die Daten von über 50.000 Kindern analysiert wurden. Dabei wurde festgestellt, dass das Neurodermitis-Risiko der Kinder keineswegs davon abhing, ob die Mama gestillt hatte oder nicht. Im Gegenteil, es gab in Subanalysen Hinweise darauf, dass Stillen die Neurodermitis-Gefahr sogar erhöht.

Letzteres gilt offenbar in jedem Fall, wenn die Mutter selbst eine Neurodermitis hat. Das hat eine andere Untersuchung gezeigt. Nach heutigem Wissensstand scheinen stillende Mütter mit Neurodermitis oder Asthma ihre Veranlagung an den Nachwuchs nicht nur über die Gene, sondern auch über die Muttermilch weiterzugeben.

4 Monate statt 6 Monate

Allerdings ändert das natürlich nichts an den vielen weiteren positiven Wirkungen des Stillens. Deshalb lautet nun die aktuelle Empfehlung von Kinderärzten: Mütter mit Neurodermitis sollten nur 4 Monate lang stillen und ihre Babys danach mit probiotischer HA-Milch versorgen. Fangen Sie mit der Beikostfütterung zwischen dem 4. und spätestens 6. Lebensmonat an.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser & Dr. med. Jörg Zorn
Quelle: Monatsschrischt Kinderheilkunde 148 (2000), 343 - 347. Journal Pediatrics 134 (1999), 27 - 32.

Weitere Fragen und Antworten zum Stillen finden Sie unter Navigator-Medizin.de/Eltern_Kind

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