Tecfidera (Dimethylfumarat): eine kritische Bewertung

Medikamenten-Check: Tecfidera (Dimethylfumarat)

Tecfidera® enthält den Wirkstoff Dimethylfumarat. Das Medikament ist zugelassen zur Behandlung der schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose (MS). Es ist seit Februar 2014 auf dem Markt.

Unsere Zusammenfassung basiert auf einer Bewertung des „Arzneitelegramms“, einer der wenigen pharmakritischen Arzt-Fachzeitschriften in Deutschland.

Wirkmechanismus von Tecfidera®:

Der Wirkmechanismus von Tecfidera® ist noch nicht endgültig geklärt. Vereinfacht kann man sagen, dass es sich um einen Entzündungshemmer handelt. Zudem wirkt Dimethylfumarat offenbar als Antioxidans, unterbindet also schädliche Oxidierungsprozesse im Körper, die bei Entzündungen entstehen.

Erreicht wird dieser Effekt wahrscheinlich über die Aktivierung eines sogenannten Transkriptionsfaktors. Dessen Name: Nrf2 = Nuclear factor (erythroid-derived 2)-like 2. Das ist ein Protein, das oxidativen Schäden durch Entzündungen entgegenwirkt.

Dosierung von Tecfidera®:

Empfohlen werden in der ersten Woche der Behandlung zweimal täglich 120 mg, danach zweimal täglich 240 mg. Die Tabletten werden zusammen mit den Mahlzeiten eingenommen.

Wirksamkeit von Tecfidera® im Vergleich zu Plazebo:

Verglichen mit einem Scheinmedikament senkte Tecfidera® in Studien die Schubrate um rund 45%. Anders ausgedrückt: Unter Plazebo kam es in den Studien innerhalb von zwei Jahren bei etwa 43% der Patienten zu einem Schub, unter Tecfidera® bei 28%.

Ob das Fortschreiten von Behinderungen aufgehalten wird, ist nicht gesichert.

Wirksamkeit von Tecfidera® im Vergleich zu anderen MS-Wirkstoffen:

In der Senkung der Schubrate liegt Tecfidera® etwa im Mittelfeld der MS-Basismedikamente. In einem direkten Vergleich mit Glatiramerazetat (Copaxone®) fanden sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Wirkstoffen.

Nebenwirkungen von Tecfidera:

Die häufigsten Nebenwirkungen von Tecfidera® sind sogenannte Flushing-Symptome: also Hitzeschübe, Rötung der Haut, Juckreiz oder Brennen. Bei rund 40% der Anwender treten solche Beschwerden auf. Das gilt vor allem für den Beginn der Behandlung.

Als schwerwiegende Nebenwirkung gilt vor allem eine starke Reduzierung der Lymphozyten im Blut, die bei etwa 6% der Anwender auftritt. Schwere Infektionen aus diesem Grund sind noch nicht dokumentiert, prinzipiell aber denkbar.

Fazit:

Das Arzneitelegramm sieht Dimethylfumarat (Tecfidera®) nach bisheriger Datenlage als Ersatzmedikament für Interferon-Präparate oder Glatiramerazetat (Copaxone®), wenn diese nicht gut vertragen werden.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn, Mai 2016

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Kommentare (2)
Tec
2 Mittwoch, den 04. Januar 2017 um 11:25 Uhr
Trixi
Traurig, dass Ärzte nichts vom schonenden Einschleichen halten, was die Verträglichkeit positiv beeinflusst. Traurig, dass kein Arzt erklärt, dass die Wirksamkeit erst nach 1 Jahr so hoch ist, um vor Schüben zu schützen. Leider erfährt man in Selbsthilfegruppen mehr über Sinn & Unsinn des Medikamentes.
Bei den meisten Ärzten heißt es nur.... Halten Sie durch! Um evtl. ein anderes Medikament zu versuchen.
Nebenwirkungen unter Tecfidera
1 Dienstag, den 10. Mai 2016 um 15:04 Uhr
Gabriela
Ich nehme Tecfidera seit November 2015. Vorher 2003-2015 Rebif 22 Injektionen, danach 3 Monate Aubagio. Mit Tecfidera hab ich nicht nur mehrmals täglich Flushs, sondern auch mehrfach täglich ein Angio-Ödem. Aber ich halte durch, denn alles vorher war schlimmer.
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