Symptome

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Die ersten Symptome treten meist zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr im Rahmen eines Schubes auf. Während sich die Schübe bei Erkrankungsbeginn meist völlig zurückbilden, bleiben im späteren Krankheitsverlauf nach Schüben vermehrt neurologische Defizite zurück.

Zu Beginn der Erkrankung werden Seh- und Sensibilitätsstörungen häufig beobachtet. Nicht selten beginnt die Erkrankung zunächst mit einem isolierten Symptom, wofür sich der englische Begriff des Clinically isolated Syndrome (CIS) eingebürgert hat.

Welches Symptom im einzelnen Schub entsteht, ist abhängig von der jeweiligen Lokalisation des aktiven Entmarkungsherdes im zentralen Nervensystem: So bewirken Entzündungen im Bereich des Sehnervs (Retrobulbärneuritis) Sehstörungen, die sich als Sehunschärfe oder milchiger Schleier bemerkbar machen und auch mit Augenschmerzen einhergehen können.

Durch Entzündungsherde im Bereich sensibler Bahnsysteme können Sensibilitätsstörungen wie Missempfindungen (Parästhesien), Taubheitsgefühle und Schmerzen auftreten.

Häufig sind hierbei die Hände und Beine (Füße und Unterschenkel) betroffen. Schmerzen können auch durch eine Trigeminusneuralgie, Krämpfe der Muskulatur sowie durch das Lhermitte-Symptom verursacht sein. Das Lhermitte-Zeichen gilt als typisch für die MS und kann ein Hinweis auf Herde im Bereich des Halsteils des Rückenmarks sein.

Ist das motorische System betroffen, treten Lähmungserscheinungen (Paresen) der Extremitäten auf, wobei durch eine abnorme unwillkürliche Erhöhung des Muskeltonus (spastische Tonuserhöhung) die Bewegungsfähigkeit des Patienten zusätzlich eingeschränkt sein kann. Herde in Hirnstamm und Kleinhirn können zu Störungen der Augenbewegungen (Doppeltsehen und Nystagmen), Schluckstörungen (Dysphagie), Schwindel sowie Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie) und Sprechstörungen (Dysarthrie) führen.

Als Charcot-Trias wird der bei Entmarkungsherden im Bereich des Kleinhirns auftretende Symptomenkomplex von Intentionstremor, Nystagmus und skandierender (abgehackter) Sprache bezeichnet. Sind vegetative Zentren und Bahnen betroffen, kann es zu Störungen der Kontrolle der Blasen- und Darmfunktion und zu sexuellen Funktionsstörungen kommen. Bei sehr vielen Patienten tritt im Verlauf eine gesteigerte körperliche und psychische Ermüdbarkeit (Fatigue) auf.

Diese Ermüdbarkeit tritt unabhängig von körperlicher und psychischer Belastung auf und nimmt im Laufe des Tages zu. Wie auch die anderen Symptome kann sich die Fatigue im Rahmen des Uhthoff-Phänomens (deutlicheres Hervortreten der Symptome durch Temperaturerhöhung) verstärken. Nicht zu vernachlässigen sind kognitive und psychische Störungen. Insbesondere Störungen des Affekts treten häufig auf. Im späten Stadium kann auch eine subkortikale Demenz auftreten.

Ein Mittel zur Quantifizierung der Beeinträchtigungen des Patienten ist die Bestimmung der Expanded Disability Status Scale (EDSS). In dieser Skala wird die aktuelle Beeinträchtigung des Betroffenen in sieben neurologischen Systemen bestimmt.

Betrachtet man den gesamten Krankheitsverlauf, sind es die Fatigue, Störungen der Blasenfunktion sowie Störungen des motorischen Systems wie Lähmungen und spastische Tonuserhöhungen, die das Leben der Betroffenen häufig am meisten beeinträchtigen.

 

 

 

 

 


Der Beitrag "Symptome" auf www.navigator-medizin.de basiert auf dem Artikel Multiple Sklerose (MS) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Share on Facebook: Das gefällt mir

Diesen Artikel zum eigenen Facebook-Profil posten. Hier einfach klicken

Fremdwörterlexikon

prev
next

Kognitiv, Kognition

Kognition ist ein zusammenfassender Begriff für vielfältige Funktionen des Gehirns wie Wahrnehmung, Lernen, Erinnerung, Denken, Planung und ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Multiple Sklerose

Die Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung im zentralen Nervensystem, bei der die Markscheiden der Nerven (die Hüllen) durch einen Autoimmunprozess angegriffen und geschädigt ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Differentialdiagnose

Differentialdiagnose nennen Ärzte die Abklärung mehrerer möglicher Krankheiten als Ursache eines bestimmten ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Lumbalpunktion

Bei der Lumbalpunktion wird eine kleine Nadel in den Rückenmarkskanal gestochen und Rückenmarksflüssigkeit bzw. Hirnflüssigkeit entnommen. Diese Flüssigkeit wird auch Liquor ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Liquor

Liquor wird die Nervenflüssigkeit bzw. das Nervenwasser genannt. Der Liquor befindet sich im Rückenmarkskanal und auch im Gehirn und wird mitunter für diagnostische Untersuchungen ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

MRT

MRT ist die Abkürzung für ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Kernspin/Kernspintomographie

Die Kernspintomographie (kurz: Kernspin) gehört zu den bildgebenden Untersuchungsverfahren. Sie wird auch Magnetresonanztomographie (MRT) ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Magnetresonanztomographie

Die Magnetresonanztomographie (MRT) gehört zu den bildgebenden Untersuchungsverfahren. Sie wird auch Kernspintomographie oder Kernspin genannt. Bei der Untersuchung ist man keinen Röntgenstrahlen ausgesetzt. Die Bilder werden durch ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Charcot-Trias

Mit Charcot-Trias wird das Zusammentreffen dreier neurologischer Symptome bezeichnet, nämlich Nystagmus (unwillkürliche Augenbewegungen), Intentionstremor (z.B. Zittern der Hände zu Beginn von Bewegungen) und abgehackte ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Ataxie

Ataxie ist der medizinische Fachbegriff für Störungen der Bewegungskoordination. Bei Menschen mit Multipler Sklerose können Ataxien vor allem dann auftreten, wenn Lähmungserscheinungen und spastische Muskelverkrampfungen ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

PP-MS

PP-MS ist die Abkürzung für die primär progrediente MS. Die Abkürzung stammt von der englischen Bezeichnung "primary progressive multiple sclerosis" ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Dysphagie

Dysphagie ist der medizinische Fachbegriff für Schluckstörung. Eine Dysphagie kann auch im Rahmen einer Multiplen Sklerose ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Nystagmus

Nystagmus bezeichnet das unkontrollierte Hin- und Her-Bewegen der Augen, das sogenannte Augenzittern. Nystagmus kann als Symptom bei der Multiplen Sklerose ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Parese

Parese (griechisch πάρεσις páresis „Erschlaffen“) ist gleichbedeutend mit Lähmung. Oft wird das Wort jedoch einschränkend im Sinne von „inkomplette Kraftminderung“ verwendet. Eine vollständige Lähmung bezeichnet man auch als ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Lhermitte-Zeichen

Das Lhermitte-Zeichen ist ein Symptom, mit dem der Arzt Störungen im Bereich der Hirnhäute im Bereich der Wirbelsäule aufspüren kann. Es äußert sich durch ein schmerzhaftes "elektrisierendes" Gefühl, wenn der ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Parästhesie

Eine Parästhesie bezeichnet im Mediziner-Jargon eine nicht schmerzhafte Missempfindung im Bereich eines Hautnervs, ohne dass dafür klar erkennbare Reize ausgehen. Parästhesien äußern sich typischerweise durch Kribbeln, Jucken, Prickeln, "Ameisenlaufen" oder ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

SP-MS

SP-MS ist die Abkürzung für die sekundär progrediente MS. Die Abkürzung stammt von der englischen Bezeichnung "secondary progressive multiple sclerosis" ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

RR-MS

RR-MS ist die Abkürzung für die schubförmig remittierende MS. Die Abkürzung stammt von der englischen Bezeichnung "relapsing remitting multiple sclerosis" ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Demyelinisation

Demyelinisation ist eine Entmarkung der Nervenfasern. Dabei wird die Myelinscheide, welche die Nervenzelle oder deren Axon umgibt, geschädigt oder zerstört. Sind mehrere Nervenzellen betroffen, kann dies diffus oder herdförmig ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Myelin

Myelin ist eine lipidreiche Biomembran, welche die Axone der meisten Neuronen spiralförmig umgibt und elektrisch isoliert. Myelin wurde 1854 von dem Pathologen Rudolf Virchow (1821–1902) mittels Lichtmikroskopie an Gewebeschnitten ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Zentralnervensystem (ZNS)

Beim Menschen fasst man unter dem Begriff Zentralnervensystem Gehirn und Rückenmark zusammen und grenzt es so gegen das periphere Nervensystem ab, das zum Teil aus den Fortsätzen von Nervenzellen des ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen

Encephalomyelitis disseminata

Encephalomyelitis disseminata ist eine andere Bezeichnung für die Multiple ...

Lexikon-Glossar

Weiterlesen