Häufiger Hautkrebs durch die Darm-Medikamente?
Entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können das Risiko erhöhen, an weißem Hautkrebs zu erkranken. Einen wesentlichen Faktor spielen dabei Medikamente, die gegen die Darmerkrankungen eigenommen werden.
Wissenschaftler der Universität Manitoba, Kanada, untersuchten rund 100.000 Menschen, von denen 9.618 einen Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa hatten. Bei 2.037 Personen wurden im Laufe der Studie Formen von weißem Hautkrebs (Basalzellenkrebs bzw. Basaliom, Plattenepithelkarzinom bzw. Spinaliom) entdeckt. Es stellte sich heraus, dass die Patienten mit einer entzündlichen Darmerkrankung öfter von einer Hautkrebserkankung betroffen waren. Das Risiko steigerte sich auch mit dem Alter der Untersuchten.
Unter Verdacht: Azathioprin und Verwandte
Die Studie zeigte zudem, dass die Einnahme von bestimmten Medikamenten die Wahrscheinlichkeit für einen Hautkrebs drastisch erhöhte. Dabei handelt es sich um Thiopurine, die vor allem zur Behandlung von Morbus Crohn verschrieben werden (z.B. Azathioprin oder Mercaptopurin). In der kanadischen Studie erhöhte sich das Risiko für Hautkrebs bei den mit diesem Wirkstoff behandelten Patienten um das Zwanzigfache. Eine andere Studie zeigte unter einer Thiopurin-Therapie ein sechsfach gesteigertes Risiko. Auch Patienten, die die Einnahme bereits beendet hatten, waren noch überdurchschnittlich gefährdet.
Die Wissenschaftler sehen diese Ergebnisse aber nicht als Grund, die Behandlung der entzündlichen Darmerkrankung zu verändern. Sie raten allerdings betroffenen Patienten dazu, die Haut regelmäßig von einem Dermatologen kontrollieren zu lassen.
WANC 08.12.2011
Quelle: Gastroenterology (doi:10.1053/j.gastro.2011.07.039)
