Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Ist ein Bakterium schuld?
Es nennt sich Enterococcus faecalis. Und es befindet sich praktisch in jedem Darm. Ein Bakterium, das zum natürlichen Schutz der Darmschleimhaut gehört. Doch unter bestimmten Bedingungen kann sich das in's Gegenteil wenden. Dann wird es zur Bedrohung und leistet chronischen Darmentzündungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Vorschub.
Bei bestimmten Gen-Varianten wird das Bakterium zum Feind
Der Darm wird pro Qudratmeter von einer Billion Bakterien besiedelt. Enterococcus faecalis ist eines davon. Es ist ein Milchsäurebakterium, das übrigens auch in probiotischen Lebensmitteln zu finden ist, und es nützt dem Darm. Doch bei Menschen mit einem bestimmten Gendefekt wandelt es sich vom Gesundheitsbewahrer zum Krankheitsauslöser. Denn dann wird das von Enterococcus faecalis produzierte Enzym Gelatinase zu einer zerstörerischen Waffe.
Ohne diesen Gendefekt kann Gelatinase der Darmschleimhaut nichts anhaben. Doch mit dieser Gen-Variante kann das Enzym die Schleimhäute angreifen und verletzen und sie damit durchlässig für Krankheitserreger machen.
Nur einer von vielen Faktoren
Allerdings weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass die Entstehung chronischer Darmentzündungen das Ergebnis einer komplexen Wechselwirkung zwischen genetischen Veranlagungen und anderen Einflüssen – beispielsweise einer generell geschwächten Immunabwehr und bestimmten Ernährungsgewohnheiten – sind. Die jüngsten Erkenntnisse sollen aber helfen, neue Behandlungsansätze zu finden, die die Enzymproduktion von Bakterien hemmen.
WANC 30.11.2011
Quelle: Gastroenterology, Volume 141, Issue 3, Pages 959-971
