Graft-versus-Host-Reaktion (GvHR)
Unter der Graft-versus-Host-Reaktion (GvHR; deutsch: Transplantat-Wirt-Reaktion; englisch: Graft-versus-Host-Disease (GvHD)) versteht man eine immunologische Reaktion, welche in der Folge einer allogenen Knochenmark- oder Stammzelltransplantation auftreten kann.
Bei der GvHR reagieren vor allem die im Transplantat enthaltenen T-Lymphozyten eines Spenders gegen den Empfängerorganismus. Am häufigsten äußern sich Symptome der GvHR an der Haut, der Leber, am Darm und am Auge. Die GvHR wird dabei nach Ausprägung und Anzahl der befallenen Organe in vier Schweregrade eingeteilt.
Das Risiko, eine GvHR zu entwickeln hängt eng mit der Kompatibilität ab, welche durch das humane Leukozyten-Antigen (HLA) bestimmt wird. Bei allogener Transplantation von HLA-identischen Geschwisterspendern entwickeln jedoch trotz optimaler Vorsorge ca. 30 bis 40 % der Patienten eine akute GvHR leichter bis mittlerer Ausprägung; ca. 10 % erleiden eine schwer kontrollierbare GvHR.
Verschiedene Techniken der Aufbereitung von Transplantaten haben zwar das Risiko von GvHR und therapieassoziiertem Frühversterben (early treatment related mortality, TRM) verkleinert, sie führte jedoch nicht zu einer messbaren Erhöhung der Überlebensrate.
Immunsuppressiva wie Ciclosporin, Kortikosteroide, Antimetabolite und monoklonale Antilymphozyten-Antikörper werden heute routinemäßig eingesetzt, um die GvHR besser kontrollieren zu können.
Obwohl die GvHR bei allogenen Stammzell- oder Knochenmarktransplantationen ein beträchtliches Gesundheitsrisiko darstellt, kann eine moderate Form der GvHR dem Empfänger auch nutzen, da T-Zellen des Transplantats auch etwaige verbliebene Tumorzellen des Wirtes zerstören (Graft-versus-Malignancy-Effekt).
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