Kein Leukämie-Risiko in der Nähe von Atomkraftwerken?
Eine Langzeitstudie in der Schweiz hat das Risiko von kindlichen Krebserkrankungen in der Nähe von Kernkraftwerken untersucht. Das Ergebnis: Es wurden keine Hinweise dafür gefunden, dass Leukämie-Erkrankungen häufiger auftreten als anderswo. Das jedenfalls sagen die Studienautoren. Doch es gibt Kritik. Ob Entwarnung gegeben werden kann, ist nach wie vor heftig umstritten.
Deutsche Untersuchung zeigt höheres Leukämie-Risiko bei Kindern
Die Kritiker der Studie zweifeln die Ergebnisse an, weil die Fallzahlen in der Schweiz so klein sind. Zwar wurden alle (!) in der Schweiz ab 1985 geborenen Kinder in die aktuelle Untersuchung aufgenommen. Allerdings gab es in dieser gesamten Zeit bis zum fünften Lebensjahr nur 573 Leukämie-Fälle, und das sei für eine statistisch relevante Aussage zu wenig. Der Schweizer Präsident der Ärzteorganisation „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“, einer der Hauptkritiker, sagte, man hätte auch eine Münze werfen können. Nur bei einem etwa dreifach erhöhten Risiko durch die Nähe zu Atomkraftwerken hätte man bei 500 Fällen überhaupt etwas bemerken können.
Das hört sich zwar etwas fadenscheinig an, aber eines steht fest: Es gibt eine gewaltige Industrie-Lobby, die nicht das geringste Interesse daran hat, dass auch nur der leiseste Zweifel an der Unbedenklichkeit von Atomanlagen aufkommt. Und fest steht auch: Eine Fall-Kontroll-Studie aus Deutschland kam 2007 zu dem Ergebnis, dass Kinder im Umkreis von 5 Kilometern von KKWs mehr als doppelt so häufig an Leukämie erkranken.
Autoren: WANC/Dr. med. Jörg Zorn, 15.07.2011
Quelle: International Journal of Epidemiology 2011 doi:10.1093/ije/DYR115
