Was genau ist eine Borreliose?

Die Borreliose (Lyme-Krankheit, Lyme-Borreliose) ist eine bakterielle Infektion, deren Erreger (Borrelia burgdorferi) fast ausschließlich durch Zeckenbisse übertragen wird. Borreliose ist in unseren Breitengraden die mit Abstand häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung.

Etwa 15% der Zecken in Deutschland sind mit den Borrelien infiziert, bestimmte Risikogebiete wie bei der FSME gibt es nicht. Das Erkrankungsrisiko nach Biss einer infizierten Zecke beträgt etwa 1% und liegt damit wesentlich höher als das der FSME, wobei eine gleichzeitige Übertragung möglich ist.

Spätsymptome oft erst nach Jahren

Die Borrelien breiten sich im Körper nur sehr langsam aus, deshalb treten die vielfältigen Spätsymptome zum Teil erst nach Jahren auf. Entscheidend ist es, die Erkrankung möglichst frühzeitig zu erkennen und antibiotisch zu behandeln, um schwere Verlaufsformen möglichst zu vermeiden.

Zu den Krankheitsanzeichen zählen eine Hautrötung um die Einstichstelle, die nach einigen Tagen bis etwa vier Wochen nach dem Zeckenstich auftritt und sich in etwa zwei Drittel der Fälle kreisförmig ausbreitet, während sie innen wieder verblasst (Wanderröte bzw. Erythema migrans). Manchmal kommt es begleitend zu grippeähnlichen Symptomen.

Typischer Verlauf nach den ersten Wochen

Lange Zeit (Wochen bis Jahre) später geht die Erkrankung bei etwa 10–20% der infizierten Personen in das Stadium der Nervenborreliose (Neuroborreliose) über. Dann kann es zu vielfältigen Beschwerden wie z.B. hartnäckigen Nervenschmerzen, Gesichtslähmungen, Störungen der Tastempfindung oder Sehproblemen kommen. Weitere mögliche Folgeerscheinungen sind eine Herzmuskelentzündung und Gelenkentzündungen, die bevorzugt an Knie- und Fußgelenken (Lyme-Arthritis) auftreten. Vielfach leiden die Patienten zudem unter einem starken Erschöpfungsgefühl und an ständiger Müdigkeit.

In seltenen Fällen kann es als Spätfolge auch zu einer chronischen Hauterkrankung kommen, bei der die Haut an Händen und Füßen bläulich und dünn wie Pergamentpapier wird (Akrodermatitis atrophicans). Wegen des vielfältigen Beschwerdebildes wird die Borreliose auch als „Chamäleon der Medizin“ bezeichnet.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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