Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema HIV und AIDS auf einen Blick

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HIV und AIDS: die wichtigsten Fragen und Antworten

AIDS und die zugrundeliegende HIV-Infektion sind heute in der Öffentlichkeit längst nicht mehr so gegenwärtig wie das noch in den 90er Jahren der Fall war. Aber das zeigt nur, wie sensationsgetriggert unsere Medien funktionieren. Jetzt, wo AIDS deutlich besser behandelbar ist als noch vor 30 Jahren, scheint es sich nicht mehr zu lohnen, mehr darüber zu berichten. Dabei hat sich nichts daran geändert, dass die Betroffenen immer noch mit einer sehr schweren Krankheit konfrontiert sind.

AIDS (Acquired Immunodeficiency Syndrome) ist eine Viruserkrankung. Sie wird ausgelöst durch das HI-Virus (Human Immunodeficiency Virus), das sich in Zellen des menschlichen Immunsystems vermehrt und dieses damit auf Dauer massiv schwächt. Ohne Behandlung kommt es dann in den meisten Fällen zu einem Zusammenbruch der Körperabwehr mit tödlichem Ausgang.

Nicht heilbar, aber besser therapierbar

Vor drei Jahrzehnten versetzten die Krankheit und das neu entdeckte Virus die Welt deshalb in Angst und Schrecken. AIDS ist zwar immer noch nicht heilbar, es kann aber heute mithilfe einer medikamentösen Kombinationstherapie längere Zeit in Schach gehalten werden. Den Infizierten eröffnet sich damit die Chance für ein weitgehend normales und beschwerdefreies Leben. Auch die Lebenserwartung für HIV-Infizierte nähert sich, zumindest hierzulande, dem Durchschnittswert der Normalbevölkerung immer stärker an.

Akute Symptome der HIV-Infektion sind unspezifisch

Die HIV-Infektion macht sich nur etwa bei der Hälfte der Betroffenen akut bemerkbar, wird aber kaum als solche erkannt. Denn die Symptome sind unspezifisch und ähneln einem grippalen Infekt, wie etwa Fieber, Kopf- und Halsschmerzen, eventuell auch geschwollene Lymphknoten oder Hautausschläge. Die Beschwerden treten frühestens eine Woche, manchmal auch erst sechs Wochen nach der Ansteckung auf und verschwinden bald wieder.

Der übliche HIV-Test reagiert erst ein bis drei Monate nach der Infektion positiv, da erst zu diesem Zeitpunkt Antikörper gegen das Virus im Blut nachweisbar sind. Beim Verdacht auf eine mögliche Ansteckung ist also zunächst Geduld bis zum Vorliegen eines aussagekräftigen Testergebnisses erforderlich – und entsprechende Vorsicht im Umgang mit Sexualpartnern.

Übertragung vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr

HIV wird vor allem beim Geschlechtsverkehr mit einer infizierten Person übertragen. Durch das Verwenden eines Kondoms wird das Übertragungsrisiko erheblich reduziert. Auch über den direkten Blutkontakt kann sich das Virus verbreiten, etwa beim Benutzen infizierter Spritzen oder Nadeln von Drogenabhängigen. Die Gefahr der Virusübertragung von HIV-infizierten Müttern auf ihr Kind während Schwangerschaft, Geburt oder Stillen ist deutlich vermindert, wenn bereits eine antivirale Behandlung erfolgt.

Unterschiedlich lange Latenzphase

An die mehr oder weniger unauffällige akute Infektion schließt sich eine sogenannte Latenzphase an, in der sich das Virus im Körper vermehrt, ohne Beschwerden zu verursachen. Die Dauer dieser Phase ist individuell sehr unterschiedlich und kann von einigen Monaten bis zu vielen Jahren reichen. Es gibt sogar Menschen, die sich bereits in den 80er Jahren angesteckt, aber immer noch keine Symptome entwickelt haben.

Prognostische Hinweise auf den möglichen Krankheitsverlauf liefert die Bestimmung der Virenlast – also der Virusmenge im Blut – und der Anzahl der T-Helfer-Zellen (CD4-Lymphozyten) des Immunsystems. Je weniger Viren und je mehr T-Helfer-Zellen, desto besser.

Kombinationstherapie mit verschiedenen Wirkstoffen

Bei der HIV-Therapie geht es vor allem darum, die Virenlast möglichst stark zu reduzieren und in Schach zu halten. Ziel ist es, die Ausbildung der Immunschwäche und damit den Ausbruch der eigentlichen AIDS-Erkrankung so lange wie möglich hinauszuschieben. Dafür wurden und werden verschiedenartige Wirkstoffe entwickelt, die an unterschiedlichen Stellen im Infektions- und Vermehrungszyklus des Virus ansetzen. Seit Mitte der 90er Jahre hat sich die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) etabliert, bei der drei bis vier Wirkstoffe gleichzeitig kombiniert werden.

Individuelles und dynamisches Behandlungsschema

Das Behandlungsschema wird immer individuell angepasst und von Zeit zu Zeit geändert. Das ist einerseits wegen der besonderen Fähigkeit des HI-Virus zur Resistenzbildung nötig, die für die Behandlung ein großes Problem darstellt. Zumal, wenn sie durch inkorrekte Einnahme der Medikamente noch begünstigt wird. Andererseits kann die Belastung durch Nebenwirkungen über den Austausch einzelner Präparate oft gut gemindert werden, ohne den Behandlungserfolg zu gefährden. Beim völligen Absetzen der antiviralen Medikamente kommt es dagegen in der Regel nach einigen Wochen zu einer massiven Virusvermehrung. Das bereits angegriffene Immunsystem wird dadurch zusätzlich geschädigt.

Bisher keine Impfung möglich – Verhaltensprävention ist entscheidend!

Das HI-Virus gilt heute als das besterforschte Virus der Welt. Eine HIV-Impfung ist wegen der starken Wandlungsfähigkeit des Erregers aber leider immer noch nicht möglich. Es wird fieberhaft daran gearbeitet, wie gelegentliche, hoffnungsvolle Meldungen aus den Forschungslabors verdeutlichen. Insofern ist, neben der mittlerweile deutlich effektiveren und kostengünstigeren Therapie, die Vorbeugung gegen die HIV-Infektion durch richtiges Verhalten so wichtig. Daran hat sich angesichts von immer noch über 2 Millionen Neuinfektionen im Jahr weltweit nichts geändert.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser & Dr. med. Jörg Zorn

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