Vorhofflimmern: Notruf per SMS senkt Schlaganfall-Risiko
Es klingt noch ein wenig futuristisch: Wenn es im Herzen zu einer anhaltenden Herzrhythmusstörung, einem Vorhofflimmern kommt, wird das elektronisch registriert und über ein Mobilfunknetz an ein Service-Center weitergeleitet. Das Service-Center informiert daraufhin den Arzt und der kann rasch reagieren.
Genau diese Form eines SMS-Notruf-Systems wird jetzt an der Universitätsklinik Bonn getestet. 800 Teilnehmer haben sich freiwillig zur elektronischen "Überwachung" bereit erklärt. Alle tragen einen sogenannten Defibrillator, also einen implantierten Herzschrittmacher, der entweder dauerhaft oder bei Bedarf den Herzschlag reguliert.
Bis auf weiteres nur etwas für Menschen mit Defibrillator
Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern sind damit zwar ausgeschlossen. Das gilt aber nicht für Vorhofflimmern. Also eine unkoordinierte Erregungsleitung im Herzvorhof. Im Gegenteil: Einige Menschen mit einem Defibrillator haben sogar ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern.
Die Bedrohung ist hier nicht der Herzstillstand. Den würde der Defibrillator ja auch unterbinden. Die Bedrohung besteht in einem Schlaganfall. Denn bei Vorhofflimmern können sich Blutgerinnsel im Herzen bilden, die dann in die Blutbahn gespült werden und schlimmstenfalls eine Hirnschlagader verstopfen.
Und genau deshalb ist es so wichtig, Vorhofflimmern rechtzeitig zu erkennen. Subjektiv nimmt man es nämlich längst nicht immer wahr. Und wenn doch, dann häufig sehr unspezifisch, z.B. in Form kurzer Attacken von Schwindel, Übelkeit oder Schwäche.
Wenn sich der Modellversuch bewährt, könnte Vorhofflimmern rechtzeitig erkannt und ein Schlaganfall sehr viel sicherer als bisher verhindert werden. Allerdings ist das bis auf weiteres nur ein Thema für Patienten mit einem Defibrillator. Und die meisten Menschen mit Vorhofflimmern leben ohne ein solches Gerät.
Autoren: WANC/Dr. med. Jörg Zorn 13.05.05
