Hämorrhoiden und Hämorrhoidalleiden

Übersicht

Das Hämorrhoidalleiden ist eine in den Industrienationen weit verbreitete Erkrankung, über die nur selten gesprochen wird. Dabei leiden Schätzungen zufolge bis zu 50% aller Erwachsenen einmal in ihrem Leben unter symptomatischen Hämorrhoiden.

Alles dicht? Hämorrhoiden braucht jeder

Hämorrhoiden sind Erweiterungen des Schwellkörpers im Analkanal, die eine wichtige Rolle bei der Stuhl- und Windkontrolle spielen und auch beim gesunden Menschen vorkommen. Erst wenn die Gefäße des Schwellkörpers krankhaft erweitert sind und symptomatisch werden, kann von einem Hämorrhoidalleiden gesprochen werden. Dieses ruft in der Regel unspezifische Symptome hervor, die jedoch sehr belastend sein können. Dazu zählen unter anderem:

  • blutige Auflagerungen auf Stuhl und Toilettenpapier
  • Jucken und Brennen in der Analregion
  • Schmerzen beim Stuhlgang

Die üblichen Verdächtigen: Ernährung, Bewegung, Gewicht

An der Entstehung des Hämorrhoidalleidens sind viele unterschiedliche Faktoren beteiligt, weshalb auch von einer multifaktoriellen Genese der Erkrankung gesprochen wird. Neben einer falschen Ernährung können auch Bewegungsmangel, Übergewicht sowie eine familiäre Disposition mitverantwortlich für das Hämorrhoidalleiden sein.

Eine besondere Situation ist weiterhin die Schwangerschaft: Bis zu 50% aller Frauen leiden währenddessen unter Beschwerden in der Analregion. Denn der Körper verändert sich in dieser Zeit dahingehend, dass die Entstehung eines Hämorrhoidalleidens gefördert wird.

Je nach Schwere der Symptomatik und Größe der Hämorrhoiden erfolgt eine Einteilung in vier Stadien. Während die ersten beiden Stadien nur milde Symptome verursachen und häufig mit konservativen Maßnahmen wie Stuhlregulierung und Gewichtsreduktion behandelt werden können, treten in den Stadien III und IV teilweise gravierende Beschwerden auf, die nur durch eine Operation langfristig in den Griff zu bekommen sind.

Obwohl Beschwerden in der Analregion weit verbreitet sind, wird der Arzt vergleichsweise selten aufgesucht, was fatal ist, da sich das Leiden untherapiert nicht von selbst gibt. Im Gegenteil, häufig verschlimmern sich die Beschwerden über die Zeit erheblich.

Definition

Eine wichtige Funktion des Enddarms bzw. des Analkanals ist die Stuhl- und Windkontrolle. Dies wird durch verschiedene Strukturen gewährleistet, die in ihrer Gesamtheit das sogenannte Kontinenzorgan bilden. Die wichtigsten Bestandteile des Kontinenzorgans sind dabei das Sphinktersystem sowie der Schwellkörper.

Winddichter Verschluss

Das Sphinktersystem besteht aus drei Muskelringen, die den Darmausgang zirkulär umgeben und sich bewusst bzw. unbewusst gesteuert verengen können, um so festen und flüssigen Darminhalt zurückzuhalten. Dies ist zum Beispiel dann wichtig, wenn sich der Druck im Bauchraum beim Lachen oder Heben schwerer Gegenstände erhöht und Darminhalt so Richtung Darmausgang gedrängt wird.

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Der Schwellkörper wiederum besteht aus einem zirkulären Gefäßpolster, das von Arterien gespeist wird. Der Abfluss erfolgt dabei teilweise durch die Sphinktermuskulatur ins venöse Blutsystem. Kommt es zu einer Kontraktion der Spinktermuskeln, kann das Blut aus dem Schwellkörper nicht abfließen, was zu einer Schwellung des Gefäßnetzes führt. Dieser Mechanismus ist vor allem für einen gasdichten Verschluss des Darmausganges wichtig.

Unter dem Begriff Hämorrhoiden werden Erweiterungen des Schwellkörpers im Analkanal (Corpus cavernosum recti) verstanden, die einen wichtigen Beitrag zum Kontinenzerhalt leisten. Hämorrhoiden allein sind, anders als im allgemeinen Sprachgebrauch häufig verwendet, noch keine Erkrankung, sondern eine natürliche und wichtige Vorrichtung des Körpers. Als krankhaft werden Hämorrhoiden erst dann angesehen, wenn sie sich zu stark vergrößern, in den Analkanal vorwölben und zu Symptomen führen. In diesem Falle wird dann richtigerweise von einem Hämorrhoidalleiden gesprochen.

Häufigkeit

In Deutschland bzw. den westlichen Industrienationen ist das Hämorrhoidalleiden keine Seltenheit. Schätzungen gehen davon aus, dass jeder zweite krankhaft erweiterte Hämorrhoiden hat. Da die Krankheit jedoch häufig nur leicht ausgeprägt ist, bleiben viele Fälle unentdeckt, sodass die genauen Zahlen nicht bekannt sind.

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Ursachen

Die genauen Ursachen, die zu einem Hämorrhoidalleiden führen können, sind bisher nicht ausreichend gesichert. Es gibt jedoch eine ganze Reihe an Risikofaktoren, die mit dem Auftreten von symptomatischen Hämorrhoiden in Verbindung stehen. Dazu zählen unter anderem:

  • familiäre Veranlagung für eine Bindegewebsschwäche
  • fehlerhafte Ernährung, die zu wenige Ballaststoffe enthält
  • unzureichende Flüssigkeitsaufnahme
  • überwiegend sitzende Tätigkeiten bzw. langes Sitzen
  • ein erhöhter Druck im Bauchraum, beispielsweise durch das Tragen schwerer Lasen, Husten oder starkes Pressen beim Toilettengang
  • Schwangerschaft
  • Übergewicht

Erhöhter Druck im Bauchraum

Eine besondere Stellung bei der Entstehung des Hämorrhoidalleidens nimmt ein falsches Defäkationsverhalten ein. So kommt es etwa bei chronischer Verstopfung oftmals zu einem zu starken Pressen, was den Druck im Bauchraum erhöht und zu einer Aussackung des Gefäßpolsters im Analbereich führen kann. Ein erhöhter intraabdomineller Druck besteht vor allem beim Heben schwerer Lasten, beim Husten oder Niesen, aber auch bei Übergewicht sowie in der Schwangerschaft.

Ebenso können zu breiige Stuhlgänge gegen ein nicht ausreichend erschlafftes Sphinktersystem zu einem Hämorrhoidalleiden führen.

Ernährung: ohne Ballaststoffe läuft es nicht rund

Auch die Ernährung spielt eine sehr große Rolle bei der Entstehung des Hämorrhoidalleidens. Besonders das Fehlen von unverdaulichen, aber wasserbindenden Ballaststoffen und Fruchtfasern (beispielsweise aus Steinobst) kann zu einem zu harten Stuhlgang führen. Denn je weniger Ballaststoffe dem Körper zugeführt werden, desto weniger Wasser ist im Stuhl enthalten und desto kleiner wird auch seine Masse. Dies wiederum führt dazu, dass der Darm nicht ausreichend dazu angeregt wird, den Stuhl Richtung After zu transportieren. Folglich kommt es zu Verstopfung (Obstipation). Ein ähnlicher Mechanismus tritt bei unzureichender Flüssigkeitsaufnahme ein. Auch hier verringert der Körper die Stuhlmasse, indem er mehr Wasser aus der Nahrung entzieht. Der Stuhl dickt ein, und der Darm wird träger.

Schwangerschaft: hohes Gewicht und schlaffes Gewebe

Besonders in der Schwangerschaft treten symptomatische Hämorrhoiden häufig auf. Dies hat mehrere Gründe:

Zum einen kommt es durch die Gewichtszunahme zu einem erhöhten intraabdominellen Druck sowie zu einer Zunahme des Blutvolumen. Und zum anderen sorgen die Schwangerschaftshormone Östrogen und Progesteron dafür, dass das Gewebe dehnbarer wird und auch Gefäßwände leichter aussacken. Ein neu entstehendes Hämorrhoidalleiden in der Schwangerschaft ist damit keine Seltenheit, sondern eher die Regel.

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Symptome

Das Ausmaß der Beschwerden eines Hämorrhoidalleidens hängt nicht ausschließlich von der Größe der Hämorrhoiden ab, sondern vielmehr vom Schweregrad der Erkrankung.

Rotes Toilettenpapier, Jucken und Brennen

Während Hämorrhoiden im Anfangsstadium oftmals keinerlei Symptome verursachen, kommt es im Verlauf in der Regel zu vielen verschiedenen, uncharakteristischen Beschwerden, die auch im Rahmen anderer Erkrankungen des Enddarms auftreten können. Typische Beschwerden sind:

  • schmerzlose, hellrote Blutung, die während bzw. nach der Stuhlentleerung  auftritt; typisch sind hellrote Blutspuren auf dem Toilettenpapier bzw. auf dem abgesetzten Stuhl.
  • entzündlich veränderte Haut im Bereich des Afters, die eventuell mit Juckreiz, Brennen oder schleimiger Sekretion einhergeht
  • unwillkürlicher Abgang von Stuhl oder Wind
  • Fremdkörpergefühl sowie das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung
  • Nur selten kommt es hingegen zu Schmerzen (in der Regel erst im fortgeschrittenen Stadium).

Die aufgeführten Beschwerden sind sehr unspezifisch und kommen neben dem Hämorrhoidalleiden auch bei einer Reihe weiterer Erkrankungen des Enddarms vor. Gerade aus diesem Grund sollten Sie anhaltende, starke oder einschränkende Beschwerden immer ärztlich abklären lassen. Besonders bei Blut, das im Stuhl oder auf dem Toilettenpapier gefunden wird, muss immer auch der Ausschluss von Darmkrebs erfolgen.

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Symptome und Beschwerden

Stadien

Hämorrhoiden können je nach Ausprägung bzw. dem Ausmaß des Vorfalls in den Analkanal (Prolaps) nach Goligher in vier Stadien bzw. Schweregrade eingeteilt werden. Diese Einteilung ist vor allem für Therapieplanung und Prognose der Erkrankung von Bedeutung und findet im Rahmen der diagnostischen Abklärung des Hämorrhoidalleidens routinemäßig statt.

Grad I Im Stadium I nach Goligher sind die Hämorrhoiden nur leicht vergrößert, führen nicht zu Beschwerden und sind nur Rahmen einer Spiegelung des Enddarms bzw. des Analkanals (Proktoskopie) sichtbar. Ein wichtiges Merkmal dieses Stadiums ist, dass die Hämorrhoiden reversibel sind, sich also vollständig und von alleine zurückbilden können.
Grad II Im Stadium II kommt es charakteristischerweise beim Pressen, Husten oder Heben schwerer Lasten zu einem Hervortreten der Hämorrhoiden aus dem Analkanal. Der Schwellkörper ist besonders während des Stuhlgangs von außen sichtbar, zieht sich aber anschließend von allein wieder in den Analkanal zurück (Selbstreposition).
Grad III Das Stadium III nach Goligher ist durch ein spontanes Hervortreten der vergrößerten Hämorrhoiden aus dem Analkanal (Prolaps) unabhängig von der Stuhlentleerung gekennzeichnet. Anders als im Stadium II findet keine Selbstreposition statt. Die prolabierten Schwellkörperanteile sind einzig manuell, also mit den Händen, in den Analkanal zurückschiebbar.
Grad IV Im vierten und letzten Stadium kommt es schlussendlich zu einem fixierten Prolaps, der dauerhaft vor der Afteröffnung zu liegen kommt und auch nicht manuell zurückverlagert werden kann. Die Hämorrhoiden sind somit immer sichtbar und können in diesem Stadium auch mit Schmerzen einhergehen.

Diagnose

Da die Symptome des Hämorrhoidalleidens sehr unspezifisch sind, sollten Sie bei schmerzhafter Stuhlentleerung, Druckgefühlen im Analbereich oder beim Auftreten von Blutauflagerungen auf dem Stuhl oder dem Toilettenpapier immer einen Arzt aufsuchen. Dieser wird in einer ausführlichen Anamnese zunächst Risikofaktoren abklären, die mit einem Hämorrhoidalleiden in Verbindung stehen.

Helles Blut spricht für Hämorrhoiden

Des Weiteren wird er sich nach den bemerkten Blutauflagerungen auf dem Toilettenpapier oder auf dem Stuhl erkundigen. Während Hämorrhoiden typischerweise zu hellroten Blutungen führen, kann dunklerer Stuhlgang bzw. dunkles bis schwarzes Blut ein Hinweis für eine höher lokalisierte Blutungsquelle sein, die nicht typisch für Hämorrhoiden ist.

Im Anschluss an das Anamnesegespräch erfolgt eine vollständige körperliche Untersuchung, die auch das Abtasten des Enddarms bzw. des Analkanals beinhaltet (digital-rektale Untersuchung). Ein erfahrener Arzt kann dabei eventuell knotig veränderte Hämorrhoiden bereits mit dem Finger ertasten.

Muss sein: Spiegelung von Analkanal und Darm

Zur Diagnosesicherung muss im Verlauf eine Spiegelung des Analkanals durchgeführt werden (Proktoskopie). Dabei wird ein starres Metallrohr (Proktoskop) von rektal ca. 10-15 cm tief in den After eingeführt. Beim langsamen Herausziehen des Gerätes kann der Analkanal auf das Vorliegen von Hämorrhoiden untersucht werden. Die Untersuchung dauert in der Regel nur wenige Minuten an und wird, anders als die Darmspiegelung (Koloskopie), ohne vorausgehende vollständige Darmentleerung durchgeführt.

Da Blut im Stuhl und Veränderungen der Stuhlgewohnheiten immer auch an Darmkrebs denken lassen müssen, sollte zusätzlich zur Diagnostik des Hämorrhoidalleidens eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt werden. Im Rahmen der Koloskopie kann der gesamte Dickdarm eingesehen und auf eine veränderte Schleimhaut untersucht werden. Aus verdächtigen Arealen kann weiterhin eine Probebiopsie entnommen werden, sodass der Ausschluss eines Dick- bzw. Mastdarmtumors als Differentialdiagnose des Hämorrhoidalleidens sicher ausgeschlossen werden kann.

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Behandlung

Die Therapie des Hämorrhoidalleidens ist in der Regel nur bei Beschwerden erforderlich und erfolgt stadienabhängig. Während in den ersten beiden Stadien konservativ bzw. interventionell behandelt wird, muss in den Stadien III und IV vielfach operiert werden, um die Symptomatik zu lindern.

Besonders wenn Sie von einem fortgeschrittenen Hämorrhoidalleiden geplagt sind, sollten Sie sich vor der Behandlung an einen Haus- oder Facharzt (Proktologe) wenden, um die möglichen Therapieoptionen genau zu besprechen.

1. Konservative Therapieansätze

Der konservative Therapieansatz verfolgt das Ziel, die Risikofaktoren des Hämorrhoidalleidens zu verringern und die Beschwerden symptomatisch zu lindern.

Mit weichem Stuhl läuft's besser

Ein wichtiger Baustein dieser Therapiesäule ist die Stuhlregulierung, da viele der durch die Hämorrhoiden verursachten Beschwerden Folge von Verstopfung sein können. Ein zu harter Stuhl führt zu einem zu starken Druckaufbau (Pressen) beim Toilettengang, was wiederum die Entstehung von krankhaft erweiterten Hämorrhoiden begünstigt. Achten Sie also darauf, einen weichen Stuhl zu bekommen, sodass Sie Ihren Darm ohne größere Anstrengung entleeren können.

Zu den wichtigsten stuhlregulierenden Maßnahmen gehören:

  • eine ballaststoffreiche Ernährung aus viel frischem Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Trockenfrüchten: Ballaststoffe sorgen für ein größeres Stuhlvolumen, indem sie im Darm Wasser binden. Dies wiederum führt zu einer gesteigerten Darmperistaltik und in Folge zu einer leichteren Darmentleerung.
  • ausreichend körperliche Bewegung: Versuchen Sie, Bewegung in Ihren Alltag einzubauen, indem Sie beispielsweise mit dem Rad zur Arbeit fahren oder Zuhause nicht den Fahrstuhl, sondern die Treppen in den vierten Stock nehmen. Schon kleine Verhaltensänderungen können große Erfolge erzielen!
  • der Verzicht auf blähende, überzuckerte oder zu fette Lebensmittel
  • eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens anderthalb Litern Wasser oder ungesüßtem Tee am Tag

Weiterhin kann ein sogenannter Toilettenhocker benutzt werden. Dies ist nichts weiter als eine Art Fußschemel, auf den die Füße während des Toilettenganges aufgestellt werden. Die dadurch eingenommene Position ist anatomisch am besten geeignet,  um den Darm entspannt zu entleeren und einen Druckaufbau zu vermeiden.

Achten Sie auf Hygiene und Pflege

Ein weiterer wichtiger konservativer Therapieansatz zur Linderung des Hämorrhoidalleidens ist eine gründliche Analhygiene, die das Ziel verfolgt, die Analschleimhaut zu beruhigen:

  • Reinigen Sie Ihren Darmausgang nach jedem Toilettengang gründlich. Achten Sie aber darauf, die Analschleimhaut nicht durch zu starke Reibung oder zu hartes Toilettenpapier zu verletzen. Feuchten Sie das Toilettenpapier eventuell leicht mit warmem Wasser an, und tupfen Sie anschließend den Analbereich ab.
  • Verzichten Sie auf industriell gefertigte Kosmetika, Seifen oder feuchte Tücher zur Analpflege. Duftstoffe und andere Zusätze können zu Reizungen führen und bestehende Entzündungen unterhalten.
  • Versuchen Sie ein lauwarmes Sitzbad mit natürlichen Badezusätzen wie Kamillenblüten oder Eichenrinde. Der Nutzen dieser Anwendung ist in der Literatur zwar hinsichtlich seiner heilenden Wirkung umstritten, dennoch wird sie vielfach als sehr wohltuend und lindernd empfunden.

Salben können lindernd wirken

In der Apotheke gibt es eine Reihe an Produkten, die zu einer Beschwerdeverringerung bei Hämorrhoidalleiden führen sollen. Bei leichteren Symptomen können zink-, fett-, oder aloeverahaltige Salben zur Anwendung kommen. Diese sollen in den Stadien I und II zuverlässig Linderung verschaffen und können ohne ärztliches Rezept erworben werden.

Sie sollten bei Verwendung dieser Salben jedoch immer bedenken, dass dadurch nicht die Ursache Ihrer Beschwerden behoben wird, sondern lediglich Symptome wie Juckreiz oder Schmerzen abgemildert werden, während das Grundleiden bestehen bleibt.

Die Salben werden nach jedem Stuhlgang und gründlicher Analhygiene in den Analkanal eingeführt. Die meisten Tuben sind eigens zu diesem Zweck geformt, sodass die Applikation in der Regel einfach ist. Nach der Anwendung sollte eine gründliche Reinigung besonders der Tubenspitze erfolgen, um eine bakterielle Besiedlung zu vermeiden.

Rezeptfreie Salben, die bei einem bekannten Hämorrhoidalleiden eingesetzt werden können, sind:

  • Faktu® lind Hämorrhoiden Salbe: Der pflanzliche Inhaltsstoff Hamamelis ist in diesem Präparat als konzentriertes Destillat enthalten. Die Salbe kann besonders in einem frühen Stadium des Hämorrhoidalleidens eingesetzt werden, da sie entzündungshemmend wirkt und die Wundheilung im Analbereich fördert. Einen Einfluss auf die Größe der Hämorrhoiden hat die Salbe nicht.
  • HemoClin® Gel: Bei HemoClin handelt es sich nicht um eine Salbe, sondern um ein Gel, dessen pflanzlicher Wirkstoff aus der Aleo-Barbadensis-Pflanze stammt. Das Gel wirkt kühlend und hemmt bakterielles Wachstum, sodass es nicht zu einer bakteriellen Übersiedlung des Afters kommt. Vor allem der kühlende Effekt wird als angenehm empfunden, hält jedoch nicht lange vor.
  • Haenal® Fact Hamamelis Salbe: Auch in diesem Präparat wird die Hamamelis-Pflanze verarbeitet, allerdings die Rinde. Daneben sind Vaseline, Wollwachsalkohole und Pfefferminzöl wichtige Bestandteile dieser Salbe. Besonders wirksam ist die Zusammensetzung bei leichten Blutungen, Juckreiz und einem brennenden Gefühl, das besonders in den Anfangsstadien des Hämorrhoidalleidens auftreten kann.
  • Hametum® Wund- und Heilsalbe: Die Hametum Wund- und Heilsalbe, deren Inhaltsstoff das Hamamelis ist, ist nicht nur für Hämorrhoiden gut geeignet. Die Salbe bietet den Vorteil, dass sie sich bei leichten Haut- und Schleimhautverletzungen wie ein Schutzmantel über die betroffene Stelle legt und die Regeneration so fördert. Auch sie kann nur bei leichten Formen des Hämorrhoidalleidens eingesetzt werden.
  • Posterisan® akut. Die für den akuten Fall konzipierte Salbe lindert lokale Schmerzen und den Juckreiz und sorgt so für eine schnelle Erleichterung der Beschwerden. Der enthaltene Wirkstoff ist Lidocain, das lokal betäubend wirkt und für Entspannung sorgt.

Weiterhin können spezielle Analtampons eingesetzt werden, die leichte Blutungen stillen und durch Kompression der Hämorrhoiden Linderung verschaffen.

Bei Schmerzen oder schwerer wiegenden Symptomen kann der Arzt lidocain- oder kortisonhaltige Salben verordnen. Lidocain ist ein Lokalanästhetikum, das die Haut am Ort der Anwendung betäubt und so schmerzregulierend wirkt. Kortison hat eine abschwellende Wirkung, sollte aber nur kurz zum Einsatz kommen, da es die Haut bei zu langer Anwendung dünn und brüchig werden lässt.

2. Interventionelle Therapie

Interventionelle Therapieansätze kommen in den Stadien I und II zur Anwendung.

Den Hämorrhoiden die Blutzufuhr abschneiden

Im Stadium I wird vorwiegend die Sklerosierungstechnik eingesetzt. Hierbei spritzt der behandelnde Arzt ein Mittel in die vergrößerten Hämorrhoiden, das zu deren Verödung führt. Die Gefäße werden dabei durch den verminderten Blutfluss zunächst fest und starr und anschließend vom Körper abgebaut.

Vorteil dieser Technik ist, dass es sich um einen kleinen Eingriff handelt, bei dem in der Regel nicht mit Komplikationen zu rechnen ist. Auch Schmerzen oder sonstige Beschwerden treten normalerweise nicht auf. Ein entscheidender Nachteil ist, dass nur kleinere Gefäßveränderungen damit behandelt werden können und mehrere Sitzungen erforderlich sind.

Im Stadium II wird aus diesem Grund vorwiegend die Gummibandligatur eingesetzt. Bei dieser Therapiemethode bindet der behandelnde Arzt die veränderten bzw. vergrößerten Hämorrhoiden mithilfe eines Gummibandes ab. Dadurch kommt es zu einer Unterbrechung der Blutversorgung, die abgebundenen Knoten sterben ab und werden vom Körper anschließend abgebaut.

Bei der Gummibandligatur kann es zu Schmerzen im Analbereich sowie zu einem Fremdkörpergefühl kommen, hin und wieder treten Blutungen auf. Dennoch ist diese Therapiemethode eine gute Alternative zu Sklerosierung bzw. Operation im Stadium II.

3. Operation

In schweren Fällen, wenn Sklerosierung und Gummibandligatur keine Abhilfe mehr schaffen und der Leidensdruck zu groß wird, sollte eine Hämorrhoiden-Operation durchgeführt werden. Je nach Grad und Ausprägung der Hämorrhoiden kommen unterschiedliche Operationstechniken zur Anwendung.

Schonende Verfahren

Während die krankhaft erweiterten Hämorrhoiden früher vollständig operativ entfernt wurden (Hämorrhoidektomie), wird heutzutage immer weiter dazu übergegangen, eine Stapler-Operation nach Longo durchzuführen. Bei dieser Technik wird nur ein Teil der vergrößerten Hämorrhoiden entfernt, während der verbleibende Rest an der Analschleimhaut fixiert wird.

Ein entscheidender Vorteil dieser Methode ist, dass der Schwellkörper nur zu kleinen Teilen entfernt und so seiner Funktion durch den operativen Eingriff nicht gänzlich beraubt wird. Wind- und Stuhlkontinenz belieben sicher erhalten.

4. Schnelle Hilfe bei akuten Symptomen

Hämorrhoiden werden besonders dann symptomatisch, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Beispielsweise während einer Erkältung (durch Husten und Nießen) oder während der Gartenarbeit (durch langes Verharren in Hockstellung).

Besonders bei einem neu aufgetretenen Hämorrhoidalleiden werden zu Beginn vielfach Versuche unternommen, die Beschwerden selbst in den Griff zu bekommen und damit den Arztbesuch zu umgehen. Suchen Sie aber in jedem Fall einen Arzt auf, wenn die Beschwerden zu stark oder unangenehm werden bzw. wenn Sie durch die Symptomatik verunsichert sind, ob es sich tatsächlich um ein unkompliziertes Hämorrhoidalleiden handelt.

Kann sehr wohltuend sein: ein warmes Sitzbad

Zur symptomatischen Selbstbehandlung kann bei leichten Formen ein Sitzbad genommen oder ein Behandlungsversuch mit Salben und Kompressen unternommen werden. Weiterhin sollten Sie zu langes Sitzen vermeiden und darauf achten, dass auslösende Faktoren (wie beispielsweise Pressen beim Toilettengang) unterbunden werden.

Bei schwereren Formen kann eine manuelle Reposition mit der Hand versucht werden. Dies gelingt am besten in der Bauchlage unter Zuhilfenahme lauwarmer Kompressen, sollte jedoch sehr vorsichtig durchgeführt werden und selbstständig am besten erst nach ärztlicher Anleitung.

Ein sehr wichtiges Kredo ist in jedem Falle: Seien Sie geduldig. Ein Hämorrhoidalleiden verschwindet leider nicht so schnell, wie es gekommen ist. Besonders lästige Symptome wie Juckreiz und kleine Schleimhautverletzungen im Analbereich heilen nur langsam ab und kehren häufig zurück.

Mehr dazu erfahren Sie hier:
Wichtige Fragen und Antworten zur Behandlung

Prognose

Das Hämorrhoidalleiden ist eine unangenehme Erkrankung. Doch lässt es sich, besonders wenn es früh erkannt und therapiert wird, meist gut behandeln.

Auch wenn es Sie Überwindung kostet, scheuen Sie nicht davor, einen Arzt aufzusuchen. Denn je früher Sie mit der Behandlung beginnen, desto größer sind die Chancen auf eine langfristige Beschwerdefreiheit. Dabei sind besonders interventionelle und operative Therapieansätze erfolgversprechend und nachhaltig, während symptomatische Versuche der Selbstbehandlung in vielen Fällen nur kurzzeitige Linderung der Beschwerden verschaffen.

Sie haben es selbst in der Hand!

Leider können vergrößerte Hämorrhoiden, auch nach erfolgreicher Behandlung, immer wieder zurückkehren. Dies liegt in vielen Fällen aber nicht daran, dass zu spät oder falsch therapiert wurde, sondern ist oftmals dem Umstand geschuldet, dass auf Allgemeinmaßnahmen wie eine ordentliche Stuhlregulierung und Analhygiene nicht ausreichend Wert gelegt wird.

Achten Sie also auch nach Abschluss einer Therapie des Hämorrhoidalleidens weiterhin auf eine ausgewogene Ernährung, genügend Bewegung und eine reizfreie Analschleimhaut. Denn nur so können die Erfolge einer Therapie dauerhaft aufrechterhalten werden.

Lesen Sie dazu auch:
Fragen rund um die Prognose

 

Autorin: Lisa Wunsch

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie: S1-Leitlinie „Hämorrhoidalleiden“, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/081-007e_S1_Haemorrhoidalleiden_2008_abgelaufen.pdf, zuletzt aufgeraufen am 2.07.2017.

M. Müller: „Chirurgie: für Studium und Praxis“, Medizinische Verlags und Informationsdienste.

J. Hahn: Checkliste Innere Medizin, Thieme Verlag.

Kommentar: die wichtigsten Fragen und Antworten zu Hämorrhoiden

Hämorrhoiden

Hämorrhoiden hat jeder. Hämorrhoiden sind nämlich keine Krankheit, sondern normale Gefäßstrukturen im Enddarmbereich, die eine feinregulierende Funktion beim „großen Geschäft“ ausüben. Im täglichen Sprachgebrauch wird der Begriff allerdings mit dem Hämorrhoidalleiden gleichgesetzt, wie es medizinisch korrekt heißen würde. Das ist so ähnlich wie bei „Ich habe Rücken ...“. Doch selbst für die Krankheitsversion scheint der erste Satz beinahe zuzutreffen. Weite Teile der deutschen Bevölkerung leiden nämlich mehr oder weniger an ihren Hämorrhoiden. Frauen und Männer sind dabei in etwa gleich häufig betroffen. Um die 3,5 Millionen Behandlungsfälle werden hierzulande pro Jahr gezählt.

Weit verbreitetes Tabuthema

Und obwohl so viele Menschen davon betroffen sind, wird kaum darüber geredet. Vor allem aus Schamgefühl. Aus dem gleichen Grund wird häufig auch der Arztbesuch vermieden oder solange hinausgeschoben, bis die Beschwerden das Maß des Tolerablen überschreiten. Nicht selten ist dann sogar ein mehrtägiger Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Probleme mit den Hämorrhoiden machen sich typischerweise durch Juckreiz, Feuchtigkeit im Afterbereich, hellrotes Blut oder Schleim am Toilettenpapier bemerkbar. Die Stuhlentleerung kann sich unvollständig anfühlen und Schmerzen bereiten. Dem Arzt genügen in der Regel Anschauen (mit dem Rektoskop) und Abtasten der in den Analkanal vorgewölbten Gefäßknoten, um die Diagnose zu stellen. Das ist zwar nicht unbedingt angenehm, dauert aber nicht lange und ist auch wichtig, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen. Der Fachmann dafür ist der Proktologe, der sich in fortgeschritteneren Fällen auch um die medizinische Behandlung kümmern sollte.

Medizinische Behandlung: Salben, Zäpfchen, ambulante Eingriffe und Operationen

Unsere 10 wichtigsten Tipps gegen Hämorrhoiden

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Diese hat zahlreiche verschiedene Methoden im Angebot. Im Frühstadium sollte eine ärztliche Beratung zur Stuhlregulierung genügen, sofern Sie die empfohlenen Maßnahmen tatsächlich umsetzen. Häufig werden Salben und Zäpfchen mit schmerz- und entzündungsstillenden Wirkstoffen (Lokalanästhetika, Kortison, das Pflanzenmittel Hamamelis u.a.) verordnet. Das ist zwar kurzfristig praktisch, aber keine Dauerlösung. Zumal die Haut darunter leiden kann. Vor allem Kortison-Präparate sind bei längerer Anwendungsdauer problematisch, sie erhöhen das Risiko einer Pilzinfektion.

Die Medikamente können nur helfen, vorübergehend die Symptome zu lindern. Um die vergrößerten Hämorrhoiden mit ärztlicher Hilfe wieder kleiner zu kriegen, muss Hand angelegt werden. Das geschieht überwiegend ambulant. Die verschiedenen Methoden basieren im Grunde alle auf dem gleichen Ansatz: Durch eine lokale Manipulation wird eine Verstopfung der betreffenden Gefäße bewirkt, wodurch sie veröden (sklerosieren) und schrumpfen bzw. absterben. Dafür kommen spezielle Substanzen zum Einspritzen (z.B. Phenolmandelöl), Erhitzung mit Infrarotlicht, Vereisung mit Stickstoff (nur noch selten) oder eine Gummibandligatur zum Abbinden der Gefäße in Frage. Das Problem all dieser Verfahren ist die hohe Rückfallquote. Das bedeutet, dass sich die Hämorrhoiden danach über kurz oder lang in vielen Fällen wieder bemerkbar machen.

Bei ambulanten Eingriffen hohe Rückfallquote

Das ist deutlich seltener der Fall, wenn klassisch operiert wird, um die störenden Hämorrhoiden herauszuschneiden. Dafür müssen Sie allerdings ins Krankenhaus und in der Regel auch mehrere Tage dort bleiben. Denn die verschiedenen, nach ihren jeweiligen Erfindern benannten OP-Verfahren sind recht invasiv, ziehen also das Gewebe ordentlich in Mitleidenschaft. Neuere OP-Verfahren wie die Stapler-Hämorrhoidopexie nach Longo bemühen sich um ein sanfteres Vorgehen, um die Schmerzen geringer und die Heilungsdauer kürzer zu halten. Dennoch müssen Sie in den ersten Wochen nach einer Hämorrhoiden-OP mit Schmerzen rechnen, vor allem beim Stuhlgang. Angesichts der guten Aussichten für ein – zumindest in dieser Hinsicht – beschwerdefreies Leben danach sollte das aber hinnehmbar sein.

Probleme beseitigt, aber nicht die Ursachen …

Eines sollte Ihnen in jedem Fall klar sein: Mit der medizinischen Behandlung, selbst mit einer Operation, werden nicht die Ursachen beseitigt, die zu der störenden Vergrößerung der Gefäßpolster geführt haben. Die betreffen vor allem das Geschehen rund um den Stuhlgang. Definitiv schädlich ist häufiges, zu schnelles bzw. zu starkes Pressen, das zu ungünstigen Druckwirkungen auf die Blutgefäßknäuel führt. Chronische Verstopfungen sind häufig für ein Hämorrhoidalleiden verantwortlich, wobei Abführmittel die Situation auf Dauer verschärfen statt bessern. Langes Sitzen verursacht zwar Hämorrhoiden-Probleme nicht direkt, wirkt aber begünstigend. Einerseits am Klo, andererseits im Büro oder auf dem Sofa, wo es mit mangelnder Bewegung einhergeht. Übergewicht darf hier als krankheitsfördernder Kofaktor natürlich nicht ungenannt bleiben.

(Eigentlich) Einfache Vorbeugung

Womit wir bei der Vorbeugung – auch vor Rückfällen nach erfolgreicher Behandlung! – angelangt sind: Eine ballaststoffreiche Ernährung, viel Bewegung und viel Trinken (v.a. Wasser oder ungesüßte Kräutertees) lassen Hämorrhoiden gar nicht erst entstehen oder auch rasch wieder verschwinden. Also ein Tipp-Mantra, das man auch aus anderen Gründen nicht genug empfehlen kann.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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