Ist eine Überdosierung mit Vitamin D möglich?

Eine Überdosierung von Vitamin D ist prinzipiell möglich, heutzutage aber eher unwahrscheinlich. Beim Erwachsenen ist mit einer akuten Vergiftung erst bei einer Einzeldosis ab 50 mg (2 Millionen IE) zu rechnen. Und eine solche Dosis kann man ausversehen kaum zu sich nehmen.

Unsere 10 wichtigsten Tipps für eine gesunde Ernährung

weiterlesen...

Auch eine chronische Überdosierung, eine sogenannte Hypervitaminose (Erkrankung durch zu viel Vitamin), ist vermutlich erst bei einer täglichen Einnahme von über 1 mg bzw. 40.000 IE über viele Monate zu erwarten.

Körpereigene Regulation mit großem Toleranzbereich

Die offiziellen Angaben zur Höchstmenge an Vitamin D liegen deutlich darunter. Sie haben also reichlich Puffer eingebaut. Das ist grundsätzlich nicht ganz verkehrt. Denn die maximale Dosis, die täglich ohne jegliches Nebenwirkungsrisiko aufgenommen werden kann, ist bisher nicht zweifelsfrei ermittelt. In jedem Fall verfügt unser Körper über sehr komplexe Regulationsmechanismen, die einen großen Dosisbereich an Vitamin D tolerieren können.

Der Blutspiegel von 25-OH-Vitamin-D3, einer wichtigen Transportform im Blut, wird über weite Strecken konstant gehalten. Er steigt erst dann in ungesunde Konzentrationsbereiche an, wenn die tägliche Zufuhr die maximale Eigenproduktion der Haut übersteigt. Denn auch dort kann ja Vitamin D unter Sonneneinfluss hergestellt werden.

Das üblicherweise aufgenommene Vitamin D ist zudem eine Vorstufe, die erst noch in die biologisch aktive Form, das Calciitriol, umgewandelt werden muss. Ein weiterer Sicherheitspuffer. Bei direkter Gabe von Calcitriol ist das Überdosierungsrisiko deutlich höher, dafür liegt seine Halbwertszeit im Blut dann nur bei 3-6 Stunden.

Medizinfehler in der Vergangenheit

Mit der Überdosierung von Vitamin D wurden im letzten Jahrhundert negative Erfahrungen gemacht. Dafür kann allerdings das Vitamin D nichts. Schuld war eher das falsche Vorgehen der Ärzte und Institutionen bei der Vorbeugung der Rachitis. Das ist eine Knochenerkrankung, die durch zu wenig Vitamin D entstehen kann. Man traute den Eltern eine verlässliche Gabe von Vitamin D an ihre Sprösslinge offenbar nicht zu und verordnete hohe Einzeldosen im Sinne einer Stoßtherapie, also nach dem Motto „Viel hilft viel“. Die Dosen waren aber mit 3-15 mg bzw. 120.000-600.000 IE deutlich zu hoch und führten desöfteren zur Überdosierung.

Heute ist man etwas schlauer und empfiehlt den Eltern, ihrem Säugling ab der zweiten Lebenswoche täglich eine Vitamin-D-Tablette mit 500 IE zu verabreichen. Überdosierungserscheinungen sind nur vereinzelt und erst ab 2.000 IE beschrieben worden. Der Sicherheitsspielraum ist also recht groß, der Schutzeffekt auch. Die früher häufigeren Knochen- und Entwicklungsschäden sind bei uns heute weitgehend verschwunden.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

Anzeigen