Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) auf einen Blick

Auf diesem Portal finden Sie eine Auflistung der wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion).

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Erektionsstörungen: die wichtigsten Fragen und Antworten

Stichwort Viagra: Die erektile Dysfunktion ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Pharmaindustrie mit einem Medikament und den dazugehörigen Werbekampagnen die öffentliche und private Bewusstseinslandschaft verändern kann.

Erektile Dysfunktion wird zum salonfähigen Thema

Wer, außerhalb der Fachkreise, hätte vor der Markteroberung durch Viagra etwas mit der „erektilen Dysfunktion“ anfangen können? Mittlerweile ist nicht nur dieser medizinische Fachbegriff größeren Bevölkerungsteilen geläufig. Die Erektionsproblematik ist damit überhaupt erst zum salonfähigen Thema geworden. Das ist aus Sicht der Betroffenen sicher wünschenswert. Ein positiver Nebeneffekt des Milliardengeschäfts, das mit diesem Blockbuster-Medikament und ein paar nachgefolgten Konkurrenzprodukten gemacht wurde und wird. Als Medikament und als „Lifestyle-Droge“.

Viagra & Co: Erektionsfähigkeit wird verstärkt und verlängert, aber nicht hergestellt

PDE-5-Hemmer, so eine Wirkgruppenbezeichnung für die Medikamente vom Viagra-Typ, haben dabei durchaus ihre Berechtigung. Denn sie können die Potenz, also die Erektionsfähigkeit des Penis, tatsächlich verstärken und vor allem verlängern. Die Gliedsteife wird mechanisch durch die Füllung der Penisschwellkörper mit Blut bewirkt. Es bedarf also einer guten Durchblutung.

Die PDE-5-Hemmer blockieren ein Enzym, das über den Abbau einer gefäßerweiternden Substanz für den Rückgang der Durchblutung und damit für die Erschlaffung des Gliedes sorgt. Viagra & Co können also helfen, wenn eine Erektion zwar prinzipiell möglich ist, aber aus psychischen Gründen oder wegen leichter organischer Probleme wie Durchblutungsstörungen zu schwach oder zu kurz ausfällt. Ersteres ist vor allem bei jüngeren Männern der Fall, Letzteres vor allem bei den älteren.

Weite Verbreitung von Potenzproblemen

Seit der Markteinführung von Viagra ist auch bekannt, wie weit verbreitet Erektionsstörungen sind. Schätzungsweise jeder zweite Mann über 40 Jahre ist zumindest zeitweise davon betroffen. Zuverlässige Zahlen dazu gibt es eher nicht. Aber selbst wenn man geschäftsmäßige Übertreibungen abzieht, bleibt es aus bevölkerungsmedizinischer Sicht bei einem relevanten Problem. Für die tatsächlich Leidenden sowieso.

Reden hilft – Druck abbauen

Der erste Schritt zur Lösung des Problems besteht darin, es anzupacken. Und damit kommen wir zu den guten Nachrichten. Die Heilungsaussichten bei Erektionsstörungen sind meist gut. Häufig bringt schon allein das Reden über die belastende Situation etwas – nämlich Druckabbau. Sei es mit der Partnerin oder dem Arzt.

Zuhause können Sie es statt eines Problemgesprächs auch erst einmal mit sexuellem Kontakt versuchen, bei dem Sie bewusst und in Absprache mit Ihrer Partnerin auf das „Eindringen“ verzichten. Das nimmt den Druck und ermöglicht häufig nach ein paar verschmusten Nächten, manchmal auch schneller, wieder den erwünschten Geschlechtsverkehr. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass keine organischen Ursachen hinter der mangelnden Erektionsfähigkeit stecken.

Basisdiagnostik und speziellere Untersuchungsverfahren

Das kann vorrangig beim Urologen abgeklärt werden. Die Basisdiagnostik besteht aus einer ausführlichen Erhebung Ihrer Situation einschließlich der Vorgeschichte und etwaiger Medikamenteneinnahme. Denn verschiedene Arzneimittel, wie z.B. Betablocker, haben in ihrem Nebenwirkungsprofil auch einen Potenzverlust enthalten. Außer dem ärztlichen Gespräch wird immer auch eine gründliche körperliche Untersuchung und eine Blutabnahme zur Bestimmung verschiedener Laborwerte durchgeführt.

Falls erforderlich, kommen auch speziellere Untersuchungsverfahren zum Einsatz. Etwa eine Überprüfung des unbewussten Erektionsgeschehens im Schlaf, die mit einem Messsystem zuhause durchgeführt werden kann. Oder der Schwellkörper-Injektions-Test (SKIT), bei dem ein männliches Sexualhormon in den Penisbereich gespritzt und die Reaktion beurteilt wird. Möglicherweise werden auch Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen des Beckenbereichs vorgenommen, u.a. um den Blutfluss im Hoden- und Penisbereich darstellen zu können. Zudem können mit speziellen neurologischen Methoden Nerven- und Muskelaktivitäten in diesem Bereich untersucht und damit zusammenhängende Ursachen abgeklärt bzw. ausgeschlossen werden. Etwa beim Verdacht, dass bei einem Diabetes die Nervenreizleitung beeinträchtigt sein könnte (diabetische Polyneuropathie).

Häufige organische Ursachen: Arterioslerose und Diabetes mellitus

Mit steigendem Alter werden organische Erkrankungen als Auslöser für Erektionsstörungen immer häufiger. In über der Hälfte der Fälle liegen Erkrankungen der Blutgefäße (33%, v.a. Arteriosklerose) oder Diabetes mellitus (25%) den Potenzproblemen zugrunde. Nur ganz selten ist ein Testosteron-Mangel oder eine andere Hormonstörung daran schuld.

Umfangreiches Therapiearsenal

Das therapeutische Arsenal wartet, je nach Ursache und individueller Situation, mit verschiedenen Medikamenten, der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT), Psychotherapie und ein paar speziellen Behandlungsmethoden auf. Dazu zählen etwa die Vakuumpumpe, der Penis-Ring, die Penis-Prothese und chirurgische Eingriffe, etwa bei bestimmten Gefäßverletzungen oder zur Unterbindung der Penisvene bei verstärktem venösen Abfluss.

Erst der Penis, dann das Herz: Achten Sie auf Ihre Gesundheit!

Ungeachtet der insgesamt guten Erfolge zur Wiederherstellung der Erektionsfähigkeit sollte man eines bedenken: Die Arteriosklerose, also eine Gefäßverengung der Arterien, ist eine der Hauptursachen für die Misere im höheren Alter. Und damit häufig auch ein Vorbote für Herzgefäßerkrankungen und einen Herzinfarkt. Die Behandlungs- und Heilungsbemühungen sollten sich in diesem Fall also um mehr als nur um die männliche „Standhaftigkeit“ drehen. Denn am Herzen wirkt sich die gestörte Durchblutung auf Dauer noch viel gravierender aus als am Penis.

Im positiven Umkehrschluss bedeutet das: Ein gesundheitsfördernder Lebenswandel mit günstiger Ernährung (viel Obst und Gemüse, mehr Ballaststoffe, weniger Fleisch, Sie wissen schon …), Drogenverzicht (Nikotin, Alkohol, Sie wissen schon …) und ausreichend Bewegung (…) kommt auch des Mannes bestem Stück zugute. Etwas salopp formuliert: Manche Probleme kann man erfreulicherweise weglaufen und wegessen. Das ist mittlerweile in Ansätzen auch wissenschaftlich belegt.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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