Epilepsie: Ursachen, Behandlung, Prognose und Alltag

Überblick

Unter Epilepsie wird eine erhöhte Bereitschaft zur spontanen Erregung von Nervenzellen im Gehirn verstanden, die zu Krampfanfällen und anderen epilepsietypischen Symptomen führt. Auf Außenstehende wirkt ein epileptischer Anfall häufig sehr dramatisch, da er sich durch einen offenen, verdrehten, starren oder leeren Blick äußert, während der Körper zusätzlich von Krämpfen geschüttelt werden kann. Ein typisches Anfallsereignis endet in aller Regel nach weniger als zwei Minuten von alleine.

Krampfanfall ist nicht gleich Epilepsie

Eine Epilepsie kann in jedem Lebensalter auftreten. 10 von 100 Menschen durchleben einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall. Bei einer von diesen 10 Personen wird anschließend eine Epilepsie diagnostiziert und auch behandelt. Diese Zahlen zeigen, dass nicht jeder Krampfanfall mit der Diagnose Epilepsie gleichgesetzt werden kann.

Die Ursachen der Epilepsie sind sehr vielfältig und werden danach eingeteilt, ob die Erkrankung idiopathisch oder symptomatisch auftritt. Symptomatische Epilepsien sind Ausdruck anderer Erkrankungen (beispielsweise einer Entzündung oder eines Hirntumors) und werden behandelt, indem die Ursache des Anfallsgeschehens behoben wird. Bei idiopathischen Epilepsien hingegen liegt meist eine angeborene Bereitschaft zu einer erhöhten Erregungsbereitschaft der Nervenzellen vor. Eine Therapie erfolgt in diesem Fall mit Antiepileptika.

Nervenzellen im Gehirn spielen verrückt

Ein epileptischer Anfall wird durch eine übermäßige und unwillkürliche Erregung von Nervenzellen im Gehirn ausgelöst, bei der sich eine Gruppe von Neuronen gleichzeitig und heftig entlädt. Je nach dem, wo im Gehirn dies geschieht, können verschiedene Anfallsformen unterschieden werden:

Fokale Anfälle sind auf eine Region des Gehirns begrenzt. Generalisierte Anfälle hingegen betreffen beide Hälften des Gehirns, entweder direkt von Beginn des Anfalls an (primär generalisierte Anfälle) oder durch fokale Anfälle, die ihre Ursprungsregion verlassen und sich über das restliche Gehirn ausbreiten (sekundär generalisierte Anfälle).

Entsprechend dieser Einteilung treten auch die Symptome der Epilepsie auf: Während sich fokale Anfälle häufig nur an einer Region des Körpers zeigen (beispielsweise in Form von Gesichtskrämpfen oder optischen Halluzinationen), manifestieren sich generalisierte Anfälle häufig am gesamten Körper.

Für die Diagnose und Therapie ist es sehr wichtig zu wissen, um welche Form der Epilepsie es sich handelt. Denn es gibt eine Vielzahl an Medikamenten, die zur Anfallsprophylaxe eingesetzt werden können. Mit der richtigen Medikation kann bei durchschnittlich 50 - 80 % aller Behandelten eine Anfallsfreiheit erreicht werden.

Definition

Epilepsie beschreibt einen Zustand des Gehirns, der sich durch eine ständige Bereitschaft für epileptische Anfälle auszeichnet. Ein epileptischer Anfall ist dabei eine plötzliche und vorübergehende Fehlfunktion des Zentralen Nervensystems (ZNS), bei der es zu einer gleichzeitigen und hochfrequenten Entladung von Nervenzellen der Hirnrinde kommt. Diese Entladungen führen zu den typischen nicht kontrollierbaren Krampfanfällen, die sich am gesamten Körper abspielen können.

Die Diagnose Epilepsie kann gestellt werden, wenn ein epileptischer Anfall aufgetreten ist und weitere Untersuchungen des Gehirns (beispielsweise im EEG oder im MRT) ergeben haben, dass eine erhöhte Epileptogenität (Anfallsbereitschaft) vorliegt.

Es kann jeden treffen

Die Epilepsie tritt mit einer Häufigkeit von ca. 1% in der gesamten Weltbevölkerung auf. Anders als bei Volkskrankheiten wie beispielsweise dem Diabetes mellitus Typ 2 existieren keine regionalen Unterschiede der Auftretenshäufigkeit. Für jeden Menschen besteht eine Wahrscheinlichkeit von 10%, einmal im Leben einen epileptischen Krampfanfall zu erleiden. Nicht immer wird im Anschluss auch die Diagnose Epilepsie gestellt.

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Ursachen

Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die einen epileptischen Anfall hervorrufen oder triggern können. Allgemein wird zwischen symptomatischen und idiopathischen Ursachen unterschieden.

Symptomatisch: klare Ursache hinter dem Anfall

Symptomatische Formen kennzeichnen sich dadurch, dass die Anfälle Ausdruck einer anderen zugrundeliegenden Erkrankung sind. Die Ursache der Epilepsie ist also fassbar.

Hierzu zählen:

  • Hirntumoren
  • Gehirntraumata bzw. Blutungen
  • Hirnhautentzündungen
  • Hirnmetastasen
  • Gefäßfehlbildungen
  • Unterzuckerung
  • schwerer Alkoholmissbrauch

Idiopathisch: Anfall aus heiterem Himmel

Die idiopathischen Formen hingegen treten ohne fassbare Ursache auf. Weder anhand der Bildgebung noch durch bestimmte Blutparameter kann auf die Herkunft der Epilepsie geschlossen werden. Eine genetische Komponente ist für die Krankheitsentstehung wahrscheinlich.

Weiterhin gibt es sogenannte Triggerfaktoren, die einen akuten Krampfanfall auch bei Gesunden auslösen können.

Dazu zählen:

  • Alkoholentzug (häufigste Ursache für einen Krampfanfall im Erwachsenenalter)
  • Medikamentenentzug
  • Intoxikationen mit Drogen
  • hohes Fieber (häufigste Ursache für einen Anfall im Kindesalter ist der Fieberkrampf)
  • Unterzuckerungen (vor allem nach Überdosierung von blutzuckersenkenden Medikamenten bei Diabetikern)
  • Schlafentzug
  • körperliche Verausgabung

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Ursachen und Vorboten einer Epilepsie

Klassifikation § Symptome

Epilepsien werden nach dem Ort der Entstehung im Gehirn in die zwei großen Gruppen fokale und primär generalisierte Krampfanfälle unterteilt. Diese Einteilung ist wichtig, da sie ausschlaggebend für die Wahl der medikamentösen Therapie ist.

1. Fokale Krampfanfälle

Ein fokaler Krampfanfall ist dadurch gekennzeichnet, dass er sich nur an einer definierten Region im Gehirn abspielt. Da jede Region des Gehirns für die Funktion einer bestimmten Körperregion zuständig ist, tritt der Anfall nur an einer Stelle und nicht am gesamten Körper zutage. Beispiele für fokale Anfälle sind Gesichtskrämpfe oder Halluzinationen. Ein erfahrener Untersucher kann bereits anhand des Beschwerdebildes auf die betroffene Hirnregion schließen.

Fokale Anfälle werden weiterhin klassifiziert in:

  • einfach-fokale Anfälle, die ohne Bewusstseinsverlust auftreten
  • komplex-fokale Anfälle, die mit Bewusstseinsverlust auftreten
  • fokale Anfälle mit sekundärer Generalisierung: Hierunter werden Anfallsereignisse verstanden, die an einer umschriebenen Hirnregion beginnen, sich dann aber auf beide Großhirnhemisphären ausbreiten. Das klinische Bild verändert sich also im Laufe des Anfalls. Während anfangs nur eine Körperregion betroffen ist, breitet sich die Symptomatik bald auf den gesamten Körper aus.

2. Primär generalisierte Krampfanfälle

Ein primär generalisierter Anfall ist dadurch gekennzeichnet, dass er von Anfang an beide Hirnhälften des Großhirns betrifft und sich klinisch am ganzen Körper zeigen kann. Wo der Anfall genau beginnt, ist unklar. Auch die primär generalisierten Anfälle können je nach Ausprägung weiter unterteilt werden:

  • Klonische Anfälle kennzeichnen sich durch ein rhythmisches Zucken der Muskulatur. Dadurch entstehen heftige, verworrene und nicht kontrollierbare Bewegungen des ganzen Körpers.
  • Tonische Anfälle sind charakterisiert durch ein Anspannen der Muskulatur. Der Körper wirkt verkrampft und starr.
  • Atonische Anfälle zeigen sich durch einen vollständigen Verlust der Körperspannung, die Muskulatur ist schlaff und bewegungslos.
  • Absencen werden ebenfalls zu den primär generalisierten Krampfanfällen gezählt. Während einer Absence kommt es zu einer kurzen Bewusstseinspause, ohne dass Krämpfe oder Muskelanspannungen auftreten. Eine klassische Absence äußert sich in einem plötzlichen Innehalten in einer Tätigkeit, einem starren Blick und einer Nichtansprechbarkeit. Nach der Absence werden die unterbrochenen Tätigkeiten fortgeführt, als sei nichts gewesen.

Mehr zu den Symptomen erfahren Sie hier:
Wichtige Fragen zum epileptischen Anfall

Verlaufsformen

Nicht jeder epileptische Anfall zeigt nur eines der genannten Anfallsmuster. Im Gegenteil, die häufigste Anfallsform ist der sogenannte tonisch-klonische-Anfall, der oftmals einem klassischen Ablauf folgt und dabei mehrere Phasen unterschiedlicher Erscheinungsformen durchläuft. Ein tonisch-klonischer-Anfall (auch Grand-Mal-Anfall genannt) geht dabei immer mit einem Bewusstseinsverlust einher:

  • Vor dem Anfall kann es zu einer Aura kommen. Diese dauert Sekunden bis Minuten an und beschreibt ein unspezifisches Gefühl, das vor dem Anfall auftritt bzw. diesen ankündigt.
  • tonische Phase: Die tonische Phase ist der Beginn des Grand-Mal-Anfalls. Dabei kommt es zu einer plötzlichen und heftigen Tonuserhöhung aller Muskeln, die nur Sekunden andauert. Oftmals geht die tonische Phase mit einem Schrei (sogenannter Initialschrei) sowie einem Biss in die seitliche Zungenregion (sogenannter lateraler Zungenbiss) einher. Die Arme sind nach oben gestreckt, die Beine leicht angewinkelt, die Pupillen erscheinen weit und reagieren nicht auf Licht. In vielen Fällen kommt es zudem zu einem Anhalten des Atems.
  • klonische Phase: Im Anschluss an die Tonuserhöhung folgt ein rhythmisches Zucken der gesamten Muskulatur, das nach und nach in ein unregelmäßiges, grobes Zucken übergeht und schließlich in einer Erschlaffung des gesamten Körpers endet. Die klonische Phase kann Minuten bis Stunden andauern.
  • postiktale Phase: die letzte Phase ist die sogenannte postiktale Phase, die über einige Minuten bis Stunden anhält und als eine Art Erschöpfungszustand angesehen werden kann. Es kommt dabei zu einem tiefen Schlaf (Terminalschlaf) und häufig auch zu einer kurz andauernden Desorientiertheit.

Zu dem klassischen Phasenverlauf des tonisch-klonischen Anfalls können sich weitere Symptome gesellen wie beispielsweise Urin- und Stuhlabgang oder ein erhöhter, schaumiger Speichelfluss vor dem Mund.

Diagnose

Nach jedem Krampfanfall muss zuallererst abgeklärt werden, ob es sich tatsächlich um einen epileptischen Anfall handelte oder ob andere Ursachen für den Krampf bzw. die Bewusstlosigkeit in Frage kommen.

Den Anfall genau unter die Lupe nehmen

Um das Anfallsbild zu analysieren, muss Ihr Arzt zunächst einige Informationen über den Anfall einholen. Dazu sind vielfach auch die Angaben von Dritten nötig, da Sie möglicherweise selbst nicht rekonstruieren können, was genau passiert ist. Für einen epileptischen Anfall sprechen:

  • Hinweise für das Vorliegen einer Aura
  • Dauer des Anfalls < 2 Minuten
  • Die Augen sind im Anfall offen, jedoch leer, starr oder verdreht.
  • Es bestehen Hinweise auf einen Sturz ohne Abwehrreaktion (Wunde am Kopf).
  • Urin- oder Stuhlabgang
  • Zungenbiss
  • Amnesie und Desorientiertheit nach dem Anfall
  • Kopfschmerzen

Untersuchungen des Gehirns

Im Anschluss an einen Anfall sollten weitere Untersuchungen des Gehirns vorgenommen werden. Die Magnetresonanztomographie (MRT) kann strukturelle Veränderungen im Gehirn (wie etwa eine Nervenerkrankung) aufdecken, die ursächlich für den Anfall sein können. Untersuchungen auf Hirnblutungen oder Verkalkungen gelingen am besten mittels Computertomographie (CT). Eine Bildgebung des Gehirns ist wichtig, um eine symptomatische von einer idiopathischen Epilepsie abgrenzen und gezielt behandeln zu können.

Mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) können Hirnströme bzw. Entladungen der Nervenzellen direkt abgeleitet werden. Diese Methode ermöglicht es dem Arzt, gesunde Hirnaktivitäten von denen eines Epileptikers zu unterscheiden. Allerdings kann das EEG zwischen den Anfällen völlig normal aussehen, was eine Bestätigung der Diagnose erschweren kann. Spezielle Untersuchungen im EEG können daher auch über 24 Stunden, unter Schlafanzug oder mit Videoüberwachung erfolgen.

Hinweise im Blut

Zu einer gründlichen Abklärung des Anfalls gehören auch eine Blutentnahme und die Untersuchung des Blutes auf bestimmte Parameter. Besonders Blutzucker, Elektrolyte und Schilddrüsenwerte sollten dabei erhoben werden.

Eine weiterführende Diagnostik, wie beispielsweise die Hirnwasseruntersuchung oder eine psychologisch-psychiatrische Anamnese sind nicht immer notwendig, können zum Ausschluss bestimmter Differentialdiagnosen aber relevant werden.

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Therapie

Die Therapie der Epilepsie ist sehr komplex. Neben Allgemeinmaßnahmen, die auf einen regelmäßigen, unaufgeregten Lebensrhythmus zur Stabilisierung der Nervenzellaktivität abzielen, werden verschiedene Medikamente zur Anfallsprophylaxe eingesetzt. Das richtige Präparat zu finden, ist dabei nicht ganz einfach, da neben der Anfallsform auch auf Begleiterkrankungen, Nebenwirkungen sowie das Lebensalter des Betroffenen geachtet werden muss.

Eine chirurgische Intervention zur Behandlung der Epilepsie wird heutzutage nur noch in sehr schweren Fällen eingesetzt bzw. wenn eine medikamentöse Therapie der Erkrankung versagt hat.

1. Allgemeinmaßnahmen

Sollte eine symptomatische Epilepsie vorliegen, ist die einzige Therapiemethode die Beseitigung der auslösenden Ursachen. Bei allen idiopathischen Epilepsieformen sollte im anfallsfreien Intervall darauf geachtet werden, Trigger zu vermeiden, die einen Anfall provozieren können:

  • Verzichten Sie auf Alkohol, Nikotin und andere Drogen.
  • Versuchen Sie, einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus einzuhalten.
  • Vermeiden Sie Flackerlicht (beispielsweise in der Diskothek).
  • Vermeiden Sie zu großen psychischen oder physischen Stress.
  • Essen Sie regelmäßig, um nicht zu unterzuckern.
  • Treiben Sie regelmäßig Sport.

2. Medikamentöse Anfallsprophylaxe

Eine medikamentöse Therapie wird schon nach einem Anfall empfohlen, wenn zusätzlich eine erhöhte Anfallsbereitschaft im EEG oder spezifische Veränderungen im MRT nachgewiesen werden konnten. Gab es zwei Anfälle innerhalb einen halben Jahres, ist auch ohne weitere Befunde eine medikamentöse Therapie indiziert.

Medikamente beruhigen die Nervenzellen

Medikamente, die zur Behandlung der Epilepsie eingesetzt werden, werden Antikonvulsiva genannt. Im Prinzip erhöhen sie die Krampfschwelle im Gehirn und verhindern dadurch eine unkontrollierte Entladung der Neuronen. Bei der Auswahl des geeigneten Präparates spielt vor allem die Anfallsart eine Rolle.

Mittel der ersten Wahl bei fokalen Anfällen sind:

  • Lamotrigin (Elmendos®, Lamictal®) und
  • Levetiracetam (Keppra®)

Lamotrigin und Levetiracetam können zur Dauertherapie bei fokalen Anfällen eingesetzt werden und zeichnen sich durch eine gute Wirksamkeit bei relativ geringen Nebenwirkunen aus. Lamotrigin muss langsam eingeschlichen werden, da sonst die Gefahr für gefährliche Haut- und Schleimhautreaktionen besteht. Ein Vorteil ist, dass es kaum leber- und nierengiftig ist und daher bei vielen Begleiterkrankungen eingesetzt werden kann. Levetiracetam ist ebenfalls gut verträglich, führt hin und wieder aber zu Schwindel und Müdigkeit, was die Lebensqualität deutlich einschränken kann.

Die Qual der Wahl

Können weder Lamotrigin noch Levetiracetam eingesetzt werden, kann auf andere Präparate zurückgegriffen werden. Die Liste an Mitteln der zweiten Wahl ist lang.

Dazu zählen:

  • Carbamazepin (Carbaflux®, Carbagamma®, Finlepsin®, Tegretal®, Timonil®)
  • Gabapentin (Gababurg®, Gabagamma®, GabaLich®, Gabax®, Neurotin®)
  • Valproat (Convulex®, Convulsofin®, Ergenyl®, Leptilan®, Orfiril®, Valproat®)
  • Oxcarbazepin (Apydan Extend®, Timox®, Trileptal®)
  • Pregabalin (Lyrica®)

Valproat: wenn das ganze Hirn betroffen ist

Primär generalisierte Anfälle werden in erster Linie mit Valproat behandelt. Valproat ist ein relativ altes Präparat, das im Gegensatz zu Lamotrigin und Levetiracetam mehr Nebenwirkungen und Arzneimittelinteraktionen aufweist. Auch Valproat ist zur Dauertherapie einer Epilepsie geeignet. Nachteilig ist, dass es stark lebertoxisch ist, was regelmäßige Kontrollen der Leberwerte notwendig macht. Weiterhin darf es auf keinen Fall in der Schwangerschaft verabreicht werden, da es den Fötus schädigen kann.

Bei Therapieversagen, oder wenn Kontraindikationen gegen Valproat bestehen, können Lamotrigin oder Topiramat (Topomax®) eingesetzt werden.

Dauer der Behandlung bei jedem anders

Wie lange eine Therapie fortgeführt werden sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Grundsätzlich wird individuell abgewogen und über ein Therapieende diskutiert, wenn über 2 bis 5 Jahre keine Anfälle bestanden und das EEG sich unauffällig zeigt.

In einzelnen Fällen kann auf die Verabreichung von Medikamenten auch vollständig verzichtet werden. Voraussetzungen dafür sind:

  • weniger als 2 Anfälle im Jahr
  • ein unauffälliges EEG unter Provokation (beispielsweise durch Flackerlicht)
  • ein normaler psychischer Befund
  • kein Anhalt auf eine Veranlagung für eine Epilepsie

3. Interventionelle Therapiemethoden

Eine operative Intervention zur Behandlung der Epilepsie wird primär nicht angestrebt. Sie stellt jedoch eine Alternative dar, wenn medikamentöse Methoden versagt haben. Dabei werden strukturelle Veränderungen bzw. der epileptogene Entstehungsherd im Gehirn chirurgisch entfernt.

Bei dieser Therapiemethode besteht jedoch die Gefahr, bestimmte Hirnfunktionen auszuschalten bzw. zu verändern. Weiterhin kann die zurückbleibende Narbe einen neuen epileptischen Herd erzeugen. Komplikationen bzw. Folgen eines solchen Eingriffs sind daher nur schwer einzuschätzen, weswegen die Indikation für eine Operation zurückhalten gestellt wird.

Alternativen zur Operation

Stimulationsverfahren stellen eine Alternative zu operativen Eingriffen dar. Ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher werden bei der tiefen Hirnstimulation elektrische Reize über einen sogenannten Hirnschrittmacher im ZNS gesetzt. Die Ergebnisse dieser Therapiemethode sind sehr gut, der Eingriff birgt jedoch ein relativ großes Risiko und wird daher eher selten durchgeführt.

Ein ähnliches, aber weniger invasives Therapieprinzip stellt die Vagusnervstimulation dar. Dabei wird der Nervus Vagus, der zehnte von insgesamt 12 Hirnnerven, im Halsbereich elektrisch stimuliert. Diese Reize werden über den Nerven retrograd ins Gehirn transportiert und verringern über einen noch nicht vollständig geklärten Mechanismus die Anfallshäufigkeit, indem die Hirnaktivität gehemmt wird.

4. Hilfe im Anfall

Falls Sie einmal in die Situation kommen sollten, einen epileptischen Anfall bei einer anderen Person mitzuerleben, gibt es bestimmte Sofortmaßnahmen, die Sie durchführen können und sollen, um die betroffene Person zu schützen. Ein Anfall endet in aller Regel nach wenigen Minuten von selbst. Nutzen Sie diese Zeit!

  • Bewahren Sie Ruhe!
  • Räumen Sie alle Gegenstände, an denen sich der Betroffene stoßen oder verletzten könnte, beiseite.
  • Garantieren Sie eine geschützte Lagerung des Körpers (beispielsweise Kopfunterlage).
  • Führen Sie keine Gegenstände in dem Mund ein, um einen Zungenbiss zu verhindern! Dieses Konzept gilt lange als überholt.
  • Lockern Sie enge Kleidungsstücke, und nehmen Sie dem Betroffenen ggf. die Brille ab.
  • Rufen Sie den Notarzt.
  • Beobachten Sie den Anfall und die Dauer. Diese Informationen können für den behandelnden Arzt später sehr wichtig sein.
  • Sprechen Sie den Betroffenen nach dem Anfall beruhigend und freundlich an. Geben Sie ihm Raum und Zeit, um sich auszuruhen.

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Komplikationen

Im Rahmen einer Epilepsie kann es zum sogenannten Status epilepticus kommen, der einen akuten Notfall darstellt und immer stationär abgeklärt werden sollte. Es gibt drei verschiedene Situationen, die einen Status epilepticus definieren:

  • ein über mehr als fünf Minuten anhaltender tonisch-klonischer Krampfanfall
  • ein über mehr als 20 bis 30 Minuten andauernder fokaler Anfall oder eine Absence
  • immer wiederkehrende Anfälle, zwischen denen keine vollständige Normalisierung des Zustandes eintritt

Tritt einer dieser Fälle auf, muss umgehend ein Notarzt verständigt werden. Denn der Status epilepticus kann nur medikamentös durch die Gabe von Benzodiazepinen durchbrochen werden. Dies ist von großer Wichtigkeit, da es durch die Erhöhung des Muskeltonus zu einem bedrohlichen Anstieg der Körpertemperatur sowie zu einem Herz-Kreislauf-Versagen kommen kann.

Prognose

Das Risiko, nach einem tonisch-klonischen Anfall einen zweiten zu erleiden, liegt unbehandelt bei 40%, während das Wiederholungsrisiko nach zwei tonisch-klinischen Anfällen bereits auf 80-95% klettert. Dies macht deutlich, warum eine Therapie in der Regel sinnvoll ist und immer zeitnah angestrebt werden sollte.

Unter optimaler Therapie kehren sich diese Zahlen um: Die Anfallsfreiheit kann bei einer idiopathischen Epilepsie in 80-90% der Fälle erreicht werden.

Heilung nicht immer möglich

Die Heilung einer Erkrankung ist oberstes Ziel ärztlichen Handelns. Bei der Epilepsie muss zwischen Anfallsfreiheit und Heilung unterschieden werden. Anfallsfreiheit liegt vor, wenn unter Therapie zwei Jahre kein Anfall aufgetreten ist, während eine Heilung erst dann erreicht ist, wenn auch ohne Medikamente keine Anfälle mehr auftreten.

Durch eine schrittweise Reduktion der Medikamente nach langjähriger Anfallsfreiheit kann in der Tat eine Heilung der Epilepsie herbeigeführt werden. Allerdings gelingt dies nicht immer. Besonders bei vielen Epilepsieformen, die erst im Erwachsenenalter beginnen, ist eine lebenslange Medikation notwendig.

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Folgen im Alltag

Eine Epilepsie kann Folgen für den sozialen Alltag sowie in der Lebensplanung haben und wirft mitunter große Fragen auf: Ist eine Schwangerschaft noch möglich? Dürfen weiterhin Reisen mit dem PKW unternommen werden?

Schwangerschaft & Stillzeit

Einer Schwangerschaft trotz Epilepsie steht in der Regel nichts im Wege. Es gibt nur wenige Frauen, denen von einer Schwangerschaft abgeraten wird. Da viele Medikamente jedoch Fehlbildungen beim ungeborenen Kind verursachen können, ist eine Einstellung auf die richtige Therapie bereits vor der Schwangerschaft zu empfehlen.

Mittel der ersten Wahl ist dann das Medikament Lamotrigin, das in der Regel niedriger dosiert eingenommen wird. Sie sollten mit Ihrem Neurologen frühzeitig Ihren Kinderwunsch besprechen, sodass ggf. eine Umstellung der Medikamente vorgenommen werden kann.

Verläuft die Schwangerschaft problemlos, steht auch einer natürlichen Geburt nichts im Wege. Auch die Frage nach dem Stillen kann in der Regel einfach beantwortet werden: Die meisten Medikamente gelangen in nur so geringen Konzentrationen in die Muttermilch, dass Stillen normalerweise kein Problem darstellt. Auch für die Stillzeit ist Lamotrigin das bevorzugte Mittel.

Sorgen Sie dafür, nach der Geburt ausreichend Schlaf zu bekommen. Nehmen Sie Hilfe von Freunden und Familie an! Denn zu großer Schlafentzug kann dazu führen, dass sich die Epilepsie bemerkbar macht, und Schlafentzug ist in den Wochen und Monaten nach der Geburt vorprogrammiert.

Fahrtauglichkeit

Nach einem epileptischen Anfall müssen Sie für eine gewisse Zeit auf das Autofahren verzichten. Wie lange im Einzelfall genau, richtet sich nach Art und Ursache des Anfalls und auch danach, ob Sie PKW oder LKW fahren:

  • Nach einem ersten unprovozierten Anfall ohne erhöhte Anfallsbereitschaft (im MRT oder EEG), müssen Sie sechs Monate auf Ihre PKW- und zwei Jahre auf Ihre LKW-Fahrerlaubnis verzichten.
  • Nach einem ersten provozierten (beispielsweise durch Schlafentzug oder Unterzuckerung) mit erhöhter Anfallsbereitschaft im MRT oder EEG dürfen sie nach drei Monaten wieder PKW und nach sechs Monaten wieder LKW fahren.
  • Bei einer diagnostizierten Epilepsie (ein Anfall und zusätzlich eine nachgewiesene erhöhte Anfallsbereitschaft) erhalten Sie die Fahrerlaubnis für PKW nach einem Jahr zurück, während für LKW ein endgültiger Entzug der Fahrerlaubnis erfolgt.

Voraussetzung für alle der genannten Fälle ist, dass Sie in der Zwischenzeit keinen neuen Anfall erleiden. Wenn Sie anfallsfrei sind und lange Fernreisen mit dem PKW planen, richten Sie sich genug Pausen zum Schlafen und zum Essen ein. Fernfahrer sollten unbedingt über einen Berufswechsel nachdenken.

Und hier noch ein paar Tipps für Sie:
Selbsthilfe und Umgang mit Epilepsie

Autorin: Lisa Wunsch

Quellen

P. Berlit et al.: Klinische Neurologie, Springer Verlag, 2012.U.G.

Frank: Neurologie und Psychiatire, Urban & Fischer Verlag, 2010.

Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-041l_S1_Erster_epileptischer_Anfall_und_Epilepsien_im_Erwachsenenalter_2013-08_abgelaufen.pdf, zuletzt aufgerufen am 14.03.2017.

Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Status epilepticus im Erwachsenenalter, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-079l_S1_Status_epilepticus_im_Erwachsenenalter_2012-verlängert.pdf, zuletzt aufgerufen am 14.03.2017.

B. Schmitz: Epilepsie und Kinderwunsch, Eurap-Broschüre, 2008.

R. L. Bromley: The prevalence of neurodevelopmental disorders in children prenatally exposed to antiepileptic drugs, Journal of Neurology, Juni 2013.


Kommentar: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Epilepsie

Die Epilepsie ist weiter verbreitet als vermutet. In Deutschland sind mindestens 0,5% der Bevölkerung davon betroffen, unter 1.000 Menschen finden sich also im Schnitt wenigstens fünf Epileptiker. Epileptische Anfälle sind sogar noch viel häufiger. Jeder Zehnte weist eine erhöhte Krampfbereitschaft auf. Schätzungsweise 4-5% aller Menschen macht diese Erfahrung wenigstens einmal in ihrem Leben. Typisch sind beispielsweise Fieberkrämpfe bei Kindern. Im Unterschied zu einer aktiven Epilepsie treten diese Gelegenheitskrämpfe aber nur unter besonderen Umständen und danach nicht wieder auf.

Zahlreiche Formen der Epilepsie

Eine Epilepsie kann prinzipiell in jedem Lebensalter beginnen. Am häufigsten tut sie das in der Kindheit. Ein zweiter Erkrankungsgipfel findet sich jenseits des 60. Lebensjahres.

Die Krankheit basiert auf einer Übererregbarkeit im Gehirn. Dabei besteht ein Ungleichgewicht bestimmter Neurotransmitter (v.a. Glutamat und GABA) in ihrer Wirkung auf miteinander kommunizierende Nervenzellen. Je nach betroffenem Gebiet ergeben sich daraus Empfindungs- bzw. Bewegungsstörungen. Die unnormalen Erregungen (Exzitationen) treten überwiegend nur in isolierten Hirnbereichen auf.

Im Gegensatz zu dieser fokalen Form kommt es bei  einer generalisierten Epilepsie zur großflächigen Erregungsausbreitung über beide Gehirnhälften. Es gibt einfach-fokale Anfälle ohne und komplex-fokale Anfälle mit Bewusstseinsstörung. Bei der  generalisierten Form unterscheidet man tonisch-klonische (Grand mal) von myoklonisch-atonischen Anfällen sowie von Absencen, kurzen Bewusstseinsstörungen, ohne größere motorische Krampferscheinungen (Petit mal). Die verschiedenen Formen können ineinander übergehen, ohne dass man bisher genau wüsste, wie und weshalb das vonstatten geht.

Definition und Diagnostik der Epilepsie

Nicht jeder Krampfanfall bedeutet gleich, dass man an einer Epilepsie leidet. Das ist definitionsgemäß erst dann der Fall, wenn es innerhalb eines Jahres zu mindestens zwei nicht provozierten Anfällen kommt. Für die diagnostische Beurteilung einer Epilepsie ist – falls verfügbar – eine genaue Schilderung des Anfalls durch einen anwesenden Beobachters wertvoll.

Die wichtigste diagnostische Maßnahme ist die Ableitung und Aufzeichnung der (stimulierten) Hirnströme im EEG (Elektroenzephalogramm). Diese Untersuchung ist zwar kabelreich, aber nicht schmerzhaft. Häufig werden zu diagnostischen Zwecken auch ein CT (Computertomogramm) vom Kopf und/oder ein MRT (Magnetresonanztomogramm, auch als Kernspin bekannt) vom Kopf angefertigt sowie Bluttests durchgeführt. Gelegentlich wird auch die Nervenflüssigkeit (Liquor) untersucht.

Breite Palette an Medikamenten

Die Epilepsie wird hauptsächlich mit Medikamenten behandelt. Dafür steht eine breite Palette an klassischen (älteren) und neueren Antiepileptika zur Verfügung. Medizinisch werden sie teilweise auch als Antikonvulsiva bezeichnet.

Die Auswahl der Medikamente hängt von der Form und Ursache der Epilepsie ab. Das Ziel ist immer die Anfallsfreiheit, indem epileptische Anfälle unterdrückt werden. Antiepileptika dämpfen die Übererregbarkeit im Gehirn, indem sie die Reizschwelle für die Bildung und Weiterleitung von Impulsen erhöhen und körpereigene Hemm-Mechanismen verstärken. Dies geschieht über eine Beeinflussung des Neurotransmitter-Stoffwechsels, vor allem durch Blockade von Natrium- oder Kalzium-Ionenkanälen oder bestimmten Rezeptoren an den Nervenzellen.

Ziel: Anfallsfreiheit mit möglichst geringen Nebenwirkungen

Alle diese Medikamente haben ihre Vor- und Nachteile. Manche von ihnen können alleine in Monotherapie, andere nur als Zusatztherapeutikum eingesetzt werden. Häufig werden mehrere Arzneimittel miteinander kombiniert. Das Hauptziel der gewünschten Anfallsfreiheit gelingt in den meisten Fällen.

Eine weitere Herausforderung stellen allerdings die mitunter beträchtlichen Nebenwirkungen dar, die den positiven Effekt beeinträchtigen können. Um sie möglichst gering zu halten, müssen die ausgewählten Medikamente nicht selten in ihrer Dosierung immer wieder angepasst oder auch gewechselt werden.

Hohe Abbruchraten bei der Tabletteneinnahme sind aus medizinischer Sicht ein großes Problem, besonders in der neurologischen Behandlung. Im medizinischen Jargon wird das als Non-Compliance bezeichnet. Sie ist Schätzungen zufolge für die Hälfte der akuten Klinikeinweisungen bei Epilepsie verantwortlich.

Absetzversuche nur unter ärztlicher Kontrolle ratsam

Zwar können die Medikamente das Krampfleiden nicht heilen. Dennoch müssen sie nicht in jedem Fall lebenslang eingenommen werden. Häufig wird ein Ausschleichen der Medikation nach drei bis fünf anfallsfreien Jahren versucht. Dazu wird zunächst die Dosis reduziert, um anschließend die Tabletten ganz abzusetzen. Das ist aber mit erheblichen Risiken verbunden und sollte deshalb unbedingt unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Nichtmedikamentöse Behandlungsverfahren

Wenn trotz bestmöglicher Auswahl der verfügbaren Medikamente und mehreren Versuchen kein befriedigender Behandlungserfolg (mehr) erreicht werden kann, kommt eventuell auch ein chirurgisches Vorgehen in Frage. Voraussetzung dafür ist, dass es sich um eine fokale Epilepsie handelt, für die eine genau umschriebene Hirnstruktur verantwortlich gemacht werden kann. Nach genauer Lokalisierung und funktioneller Überprüfung wird das betreffende Gewebe entfernt und künftigen Anfällen im Erfolgsfall vorgebeugt.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der elektrischen Stimulation des Vagusnervs, dessen beruhigende Wirkung die Anfallsfrequenz senken kann. Dafür wird ein kleines Gerät an der Brustwand implantiert.

Jenseits von Medikamenten und Operation werden mit der ketogenen Diät schon seit Längerem Erfolge erzielt, auch wenn ihr genauer Wirkungsmechanismus noch immer unbekannt ist. Dabei wird die Ernährung auf einen sehr hohem Fett-, geringen Kohlenhydrat- und mäßigen  Eiweißanteil umgestellt. Auf biochemischer Ebene wird damit eine Stoffwechsellage erzeugt, die dem Fasten ähnelt.

Auch Biofeedback-Verfahren und Verhaltenstherapie haben sich bei einem Teil der Epileptiker als hilfreich erwiesen, um die Anfälle zu reduzieren oder ganz zu vermeiden.

Verlauf kaum vorhersagbar

Das therapeutische Angebot ist leider nicht rundum befriedigend. Die eine erfolgversprechende Behandlungsmethode gibt es nicht. Mit einer Erfolgsquote von 60% (fokale Epilepsie) bis 80% (Grand-Mal-Epilepsie) bei der Vorbeugung epileptischer Anfälle haben sich die Arzneimittel bisher insgesamt am besten bewährt.

Angesichts der zahllosen Varianten von Epilepsien ist es auch sehr schwierig, den weiteren Verlauf der Erkrankung vorherzusagen. Zumal die möglichen Gründe vielfältig und zumeist unbekannt sind. Am günstigsten ist es, wenn es sich um eine symptomatische bzw. sekundäre Epilepsie handelt. Dann ist ein anderes Grundleiden für die Krämpfe verantwortlich und wenn dieses geheilt werden kann, verschwinden auch die Anfälle. Aber auch bei Epilepsien mit unklarer Ursache ist eine Selbstheilung prinzipiell möglich und schon vorgekommen

Erste Hilfe beim epileptischen Anfall

Was für all die Menschen, die noch nie mit einem epileptischen Anfall zu tun hatten, wichtig ist zu wissen: Meist endet der Krampfanfall nach kurzer Zeit von selbst. Erste Hilfe bedeutet in diesem Fall, die Verletzungsgefahr für den Betroffenen so gering wie möglich zu halten. Lassen Sie ihn deshalb nicht aus den Augen, aber halten Sie ihn nicht fest (außer bei einem Anfall beim Baden, wo der Kopf über Wasser gehalten werden muss). Entfernen oder verstellen Sie gefährliche Gegenstände und decken Sie scharfe Kanten ab.

Der Notarzt muss gerufen werden, wenn der Krampf länger als 10 Minuten dauert oder der Betroffene zwischen zwei Anfällen nicht zu Bewusstsein kommt. Dann ist die Gefahr eines Sauerstoffmangels im Gehirn hoch. Auch wenn sich die krampfende Person ernsthafter verletzt oder Sie gar nicht sicher sind, dass es sich um Erscheinungen einer (bekannten) Epilepsie handelt, sollten Sie notärztliche Hilfe herbeiholen.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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