Eierstockkrebs: die wichtigsten Fragen und Antworten

Krebs-Symbol

Die Diagnose Eierstockkrebs (medizinisch: Ovarialkarzinom) ist eine Hiobsbotschaft. Und dennoch kein Grund, aufzugeben oder den Lebensmut zu verlieren. Im Gegenteil. Sobald die erste Schockstarre überwunden ist, sollten Sie sich daran machen, Informationen zu sammeln. Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Lage, weihen Sie Vertrauenspersonen ein, lassen Sie sich beraten und planen Sie die nächsten Schritte. Behalten Sie das Geschehen, das Sie beeinflussen können, unter Ihrer Kontrolle.

Der Eierstockkrebs ist eine gefährliche Angelegenheit, die aber einen Vorteil hat: Es ist üblicherweise kein Notfall, ein sofortiger Handlungsbedarf besteht nur in Ausnahmefällen. Sie haben also erstmal Zeit, um sich in der neuen Situation zurechtzufinden.

Suchen Sie sich eine gute Klinik!

Wichtig ist, dass Sie Ihren Befund genau verstehen. Patientenfreundliche, also leicht verständliche Befunde gibt es ja leider kaum. Was etwa „T1a“ bzw. „FIGO-Stadium IA Grad 1“ bedeutet, erschließt sich nur Eingeweihten (es ist der günstigste Befund, wenn Eierstockkrebs festgestellt wird). Ihr Arzt wird sich hoffentlich die nötige Zeit und Einfühlsamkeit nehmen, um Sie umfassend so zu informieren, dass Sie tatsächlich etwas damit anfangen können.

Wie im sonstigen Leben gilt aber auch hier: Vertrauen ist gut (und wichtig), Kontrolle ist besser. Nutzen Sie bei Bedarf Ihr Recht auf eine Zweitmeinung, die Krankenkasse bezahlt das. Suchen Sie sich die bestmögliche Klinik zur Behandlung aus. Denn die Qualität der medizinischen Versorgung ist ein mitentscheidender Faktor für den späteren Erfolg und Ihre Heilungschancen. Transparenz und Ergebniswettbewerb stecken in der Medizin leider noch in den Kinderschuhen. Auch hier ist also etwas Zeit und Energie aufzuwenden, um für eine gute Entscheidungsgrundlage zu sorgen. Falls Sie sich nicht blindlings auf die ärztliche Empfehlung verlassen möchten.

Geprüfte Versorgungsqualität: zertifizierte Gynäkologische Krebszentren

Neben dem Umhören im privaten Umfeld und dem Durchforsten entsprechender Internetforen lassen sich auch immer mehr objektivierte Informationen zur Krankenhausqualität finden. Beispielsweise von OnkoZert, das sich als unabhängiges Institut bezeichnet. Es bietet im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft ein Zertifizierungssystem für onkologisch spezialisierte Gesundheitseinrichtungen an. Für die Behandlung Ihres Eierstockkrebses können Sie auf oncomap.de nach geeigneten Gynäkologischen Krebszentren suchen.

Außer der Fallzahl, den Behandlungsergebnissen (inklusive Komplikationsraten) und der Qualitätssicherung gilt auch die Durchführung von Studien als ein Kriterium für gute Versorgungseinrichtungen. Damit haben Sie ggf. die Möglichkeit, neue, noch nicht zugelassene bzw. wenig verbreitete Therapieverfahren als eine zusätzliche Chance zu nutzen.  Und auch hier gilt Ihr Selbstbestimmungsrecht:  Ob es sich um ein begonnenes Standardverfahren oder um eine Studienteilnahme handelt – Sie können jederzeit abbrechen, wenn Sie das für besser halten. Theoretisch.

Unterstützung durch Vertrauensperson kann hilfreich sein

In der Praxis ist der Umgebungsdruck häufig so groß, dass es  schwierig ist, sich als Patientin durchzusetzen. Zumal, wenn das eigene Standvermögen angesichts der kräftezehrenden Prozesse ohnehin angeknackst ist. Erwägen Sie deshalb, eine Vertrauensperson aus Ihrem privaten Umfeld mit in die Arztgespräche zu nehmen. Lassen Sie sich dabei unterstützen, wenn es darum geht, die therapeutischen Vorschläge zu verstehen, zu bewerten und mit den eigenen Bedürfnissen in Einklang zu bringen.

Empfehlenswerte Lektüre: Patientenleitlinie zum Eierstockkrebs

Beschaffen Sie sich als Erstes die Patientenleitlinie zum Eierstockkrebs. Sie finden Sie bei Google und können sie als PDF herunterladen. Darin finden Sie wichtige Informationen in leicht verständlicher, patientenorientierter Form. Zur Vorbereitung auf die anstehenden Gespräche mit Ihrem Arzt und ggf. weiteren Stellen (z.B. Klinik, Krankenkasse, Selbsthilfe- und Fürsorgeeinrichtungen) notieren Sie sich am besten einen eigenen Fragen- bzw. Punktekatalog. Versuchen Sie, möglichst alle relevanten Themen zu erfassen (und dann auch abzufragen bzw. anzubringen), die Ihnen im Zusammenhang mit der medizinischen Behandlung, der Rehabilitation danach und mit Ihrem anschließenden Lebensalltag wichtig erscheinen.

Fördern Sie Ihre Selbstheilungskräfte

Natürlich haben Sie auch das Recht, nicht alles wissen zu wollen. Manchmal kann es tatsächlich besser sein, sich vertrauensvoll führen zu lassen. Wägen Sie ab, womit Sie sich besser fühlen. Schenken Sie aber auf jeden Fall Ihren Selbstheilungskräften vollste Beachtung. Die werden vor allem durch die bekannten Faktoren wie gesunde Ernährung,  Bewegung und Schlaf gefördert. Aber auch durch liebevolle innere Zuwendung, soziale Kontakte und Übungen zur Entspannung, Achtsamkeit und Gelassenheit.

Wir wünschen Ihnen so oder so alles Gute!

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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