Neuropathien: Unterdiagnostiziert und unterbehandelt

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Nervenschädigungen, die durch die Zuckerkrankheit verursacht werden (diabetische Neuropathie), nehmen zu, weil auch Diabetes häufiger wird. Das Problem: Neuropathien werden oft nicht erkannt und nicht behandelt, beklagt die Europäische Neurologen-Gesellschaft.

„Würden Neuropathien bei Diabetes nicht so oft unterdiagnostiziert oder unterbehandelt werden, ließen sich dramatische Konsequenzen wie Amputationen häufig vermeiden", warnt Gerard Said, Präsident der Europäischen Neurologen-Gesellschaft (ENS).

 

Auswirkungen abhängig davon, welche Nerven befallen sind

Bei Neuropathien werden sowohl Nerven geschädigt, die für die Muskelbewegung (motorische Nervenfasern), für das Fühlen (sensible Nervenfasern) wie auch solche, die für die nervale Versorgung der inneren Organe zuständig sind (Autonomes Nervensystem). Je nach Befall der Nerven kommt es zu unterschiedlichen Erkrankungen: es können Muskellähmungen entstehen (motorische Neuropathie), Empfindungsstörungen, Kribbeln, Ameisenlaufen, Schmerzen, Taubheitsgefühl (sensible Neuropathie) oder ein Mischbild von beiden (sensomotorische diabetische Neuropathie).

Die Schädigung der Nervenversorgung innerer Organe (z.B. des Herzens oder des Darmes) wird als autonome Neuropathie bezeichnet. Sie führt u.a. zu Störungen der Herzfunktion, des Magen-Darm-Traktes (z.B. Verzögerung der Magenentleerung), der Harnblase und der Schweißbildung.

Im Rahmen einer autonomen Neuropathie kann es  auch zu einer Verminderung der Gegenregulation nach Unterzuckerung kommen. Dieser Umstand führt dazu, dass nach langjähriger Diabetesdauer Unterzuckerungen oft nicht oder erst verspätet bemerkt werden.

 

Gute Blutzuckereinstellung von großer Bedeutung

Der exakte Entstehungsmechanismus der diabetischen Nervenschädigung ist bislang noch nicht eindeutig geklärt. Sicher scheint aber, dass überhöhte Blutzuckerwerte, d.h. ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus, eine entscheidende Rolle spielen. Einerseits führen hohe Blutzuckerwerte zu einer Verarmung des Nerven an für seine Funktion wichtigen Stoffen, zum anderen verursacht eine Zuckeraufnahme in die Eiweißbestandteile des Nerven, wie sie bei hohen Blutzuckerwerten möglich ist, eine direkte Nervenschädigung.

Das Auftreten der diabetischen Neuropathie hängt eng mit der Diabetesdauer zusammen. Bei sehr schlechter Stoffwechseleinstellung wurden jedoch schwere Neuropathien bereits nach wenigen Jahren Diabetesdauer beobachtet. Die beste Behandlungsmöglichkeit der diabetischen Neuropathie ist eine optimale Diabeteseinstellung, z.B. im Rahmen einer intensivierten Insulintherapie wie auch durch den Einsatz der Insulinpumpe.

WANC 24.06.10
Quelle: 
ENS, pte, dm-treff.de

 



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