Diabetiker: Risiko für Augenschäden früh erkennen

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Je früher die Schädigungen erkannt werden, desto höher die Chance, die Netzhaut zu erhalten. Ein neues Verfahren deckt jetzt mögliche Beeinträchtigungen auf, bevor sie überhaupt entstanden sind.

Augenschäden gehören zu den Folgeerkrankungen bei Diabetes. Wenn die Glukose im Blut über Jahre deutlich erhöht ist, können Schädigungen der Kapillargefäße und Nerven am Auge eintreten. Circa 15% der Diabetespatienten entwickeln im Laufe ihrer Erkrankung eine diabetische Augenschädigung. Die schleichend auftretenden Schäden an der Netzhaut werden vom Patienten selbst erst bemerkt, wenn das Sehen schon deutlich geschädigt ist.

Neuer "Augentest"

Ärzte des Jenaer Universitätsklinikums haben jetzt einen Weg gefunden, gefährdete Patienten zu einem sehr viel früheren Zeitpunkt zu erkennen, als es mit der üblichen augenärztlichen Untersuchung der Netzhaut möglich ist. Das spezielle Verfahren der sogenannten retinalen Gefäßanalyse macht schon Vorstufen der Gefäßschädigungen sichtbar, die mit großer Wahrscheinlichkeit die Entwicklung späterer Augenschäden ankündigen.

Die Studie von Dr. Alexandra Mandecka und Dr. Jens Dawczynski belegt, dass es einen Zusammenhang zwischen der Beweglichkeit der Blutgefäße am Augenhintergrund und der Diabetes bedingten Retinopathie gibt. Dazu wurden die feinen Blutgefäße im Auge durch ein Spezialgerät Flickerlicht ausgesetzt. Aus den so provozierten Reaktionen der Blutgefäße (schnell oder verlangsamt) in Verbindung mit klassischen Augenuntersuchungen haben die Ärzte Rückschlüsse auf den Zusammenhang zwischen den Gefäßreaktionen und Augenschäden durch Blutzucker ziehen können.

Für die Patienten ist die Untersuchung völlig unkompliziert und nichtinvasiv. Dabei wird die Netzhaut des Auges für 10 Sekunden einem schnellen Flickerlicht ausgesetzt. Gleichzeitig wird in kurzen Abständen ein bestimmtes Gefäßsegment gemessen und der Augenhintergrund fotografiert. "Mit dieser dynamischen retinalen Gefäßanalyse messen wir jetzt eine Funktion, und nicht erst eingetretene Gewebezerstörungen", erklärt Müller die Vorteile der Methode. "Das ermöglicht eine echte Früherkennung - noch bevor das Auge überhaupt geschädigt ist."

Risiko für Augenschäden fünf bis zehn Jahre früher entdecken

Untersucht wurden sowohl Diabetespatienten mit und ohne Retinopathie als auch Gesunde. Bei allen Patienten mit Retinopathie lagen Veränderungen in der Gefäßreaktion vor. "Das Entscheidende ist jedoch: Bereits bei Diabeteserkrankten ohne nachweisbare Augenprobleme ist eine gestörte Gefäßreaktion zu beobachten", betont Dawczynski. "Diese Patienten müssen wir nun als eine Risikogruppe einstufen, die eine Retinopathie entwickeln könnte".

Bestätigt sich dieser Zusammenhang, sind künftig Aussagen über das Risiko von Augenschäden durch Diabetes bereits 5 bis 10 Jahre früher als bisher möglich.

Um dies weiter zu untersuchen und die Aussagekraft des neuen Verfahrens für das Risiko einer diabetesbedingten Retinopathie zu belegen, werden die Jenaer jetzt in einer folgenden Langzeitstudie 1.000 Patienten über 10 Jahre untersuchen. Zudem erhoffen sich die Forscher durch diese dynamische retinale Gefäßanalyse auch Aussagen über Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Nieren.

WANC 04.12.2007

 



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