Diabetes: Wie werden Patienten mit gleichzeitigem Übergewicht behandelt?
Für die Behandlung vieler Krankheiten wurden und werden sogenannte Leitlinien entwickelt. Das sind Therapieempfehlungen, wie Ärzte mit bestimmten Erkrankungen verfahren sollen. Jetzt hat das unabhängige, von den Gebühren der Krankenversicherten finanzierte Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht, in wie weit Leitlinien für die Behandlung von stark übergewichtigen Diabetikern bestehen bzw. angewendet werden können.
Leitlinien sollen auch regeln, was von den Kassen bezahlt wird und was nicht
Medizinische Leitlinien sind in gewisser Weise Standards der Behandlung. Sie sollen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Erfahrungen beruhen, wie es so schön heißt. Für den Patienten ist das erst einmal gut, weil damit überhaupt erklärt und durchsichtig wird, wie eine bestimmte Krankheit am besten behandelt werden kann. Der Nachteil ist, dass diese Vorgaben gar keine Vorgaben sind, sondern im Grunde “nur” Hilfen zur Entscheidungsfindung der Ärzte darstellen. Das bedeutet: Sie haben nur Vorschlagcharakter, sind also nicht bindend.
Wenn das IQWiG nun Leitlinien für die Behandlung des Übergewichts von Diabetespatienten unter die Lupe nimmt, dann mit dem Ziel, dies in die sogenannten DMP-Programme bei Diabetes mellitus Typ 2 (durch die Krankenversicherungen unterstützte kontrollierte Therapie nach besten Standards) einzubauen. Das hätte zur Konsequenz, dass die dann festgelegten Therapiewege von den Krankenkassen erstattet werden.
Viele Empfehlungen nicht ausreichend wissenschaftlich bewiesen
Grundsätzlich schlagen die bestehenden Empfehlungen bei Diabetes und starkem Übergewicht eine Kombination aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie vor. Dabei sollte eine Ernährungstherapie durch eine Ernährungsberatung unterstützt werden. In einigen Empfehlungen gibt es sogar genaue Diätpläne.
Darüber hinaus wird vereinzelt zum Einsatz von speziellen Abnehm-Medikamenten (ab einem Body Mass Index von etwa 27) oder einer Operation wie einen Magen-Bypass (ab einem BMI von 35) geraten.
Das IQWiG bemängelt bei all diesen Empfehlungen, dass sie ungenügend wissenschaftlich bewiesen sind. Es fehlt also oft der Nachweis, wie die Vorschläge zur Behandlung wirklich wirken und ob sie dem Patienten nutzen.
WANC 12.10.2011
Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Vorbericht V09-02
Weitere Fragen und Antworten zum Thema Übergewicht finden Sie unter Navigator-Medizin.de/Uebergewicht_Abnehmen
