Magen-Bypass: Unerfülltes Heilversprechen?
Die Aussicht dürfte viele übergewichtige Diabetespatienten mit Hoffnung erfüllen: Eine Magenoperation soll die Betroffenen von dem Problem des Übergewichtes und gleichzeitig von den Folgen der Stoffwechselerkrankung befreien. Erfolgsquote: 70%. Diejenigen, die sich der Magenverkleinerung unterzogen hätten, benötigten keine Insulintherapie mehr, so das Versprechen. Experten sind kritisch, sie warnen vor überzogenen Hoffnungen.
Die Operation nennt sich Roux-en-Y-Bypass-Operation. Dabei werden Teile des Magens entfernt und der obere Teil des Dünndarms still gelegt. Die Verkleinerung des Magenvolumens soll dazu führen, dass man weniger Hunger empfindet und in der Folge abnimmt. Zwei Studien kommen zusätzlich zu dem Ergebnis, dass bei Diabetespatienten eine deutliche Besserung des Typ-2-Diabetes eintritt. Die eine Studie stellte das bei 76% der Operierten innerhalb eines Jahres fest, die andere berichtete sogar über eine 93%ige Diabetesheilung.
Kritische Stimmen aus Deutschland
Diabetes-Experte Professor Dr. Andreas Fritsche von der Universität Tübingen warnt vor übertriebenen Hoffnungen. Zum einen werde eine solche Operation von erheblichen Nebenwirkungen begleitet. Beispielsweise Vitaminmangel, Unterzuckerungen und Depressionen. Zum anderen sei es wissenschaftlich bei weitem noch nicht erwiesen, dass der Diabetes durch den Magen-Bypass wirklich geheilt werde und man auf eine Insulintherapie dauerhaft verzichten könne.
Fritsche weist auf Langzeitbeobachtungen hin, die nicht nur zwei Jahre sondern ein Jahrzehnt umfassen. Und diese Daten sprächen eine andere Sprache. Denn langfristig kämen die operierten Patienten doch nicht ohne eine medikamentöse Diabetestherapie aus und außerdem würden sie auch wieder an Gewicht zulegen.
WANC 07.09.2011
Quelle: Deutsche Diabetische Gesellschaft, Archives of Surgery 2011;146(2):149-155
