Warum werden manche Menschen depressiv und andere nicht?
Nur ein Teil der Menschen erkrankt unter vergleichbaren Umständen an Depressionen. Warum das so ist, konnte bisher nicht geklärt werden. Wissenschaftliche Untersuchungen, darunter Studien mit Zwillingen, legen den Schluss nahe, dass das Erbgut eine gewisse Rolle für die Empfindlichkeit gegenüber seelischen Belastungen spielt.
Die kritische Schwelle ist individuell unterschiedlich
Ein vergleichbares Phänomen kennt man von der Alkoholabhängigkeit, die sich je nach erblicher Veranlagung relativ frühzeitig bei hohem Alkoholkonsum einstellen kann – oder auch nicht. Zur wissenschaftlichen Beschreibung und Erklärung der Vorgänge wurde das sogenannte Vulnerabilitäts-Stress-Modell (oder auch Diathese-Stress-Modell) entwickelt, das biologische, psychologische und Umweltfaktoren miteinander verbindet. Keiner dieser Faktoren bewirkt die Entstehung einer Depression im Alleingang, sondern erst im gemeinsamen Zusammenwirken und bei Überschreiten eines kritischen Grenzwerts.
Ein anderes Beispiel aus dem somatischen (körperlichen) Bereich ist die offenbar ebenfalls genetisch determinierte Insulinresistenz, die darüber entscheidet, ob sich bei Menschen mit vergleichbarem Risikoprofil eine Diabetes-Erkrankung entwickelt oder nicht.
Die gute, bislang allerdings relativ wenig beachtete Nachricht lautet: Ein (erneuter) Ausbruch dieser Erkrankung(en) ist kein unabwendbares Schicksal, sondern kann durch gezielte (Eigen-!) Maßnahmen vermieden werden.
Autor: Dr. Hubertus Glaser
