Ist die Depression eine Neurotransmitter-Störung?
Neurotransmitter, die Botenstoffe im Gehirn, haben in den Medien Hochkonjunktur. Für die Forschung und deren medikamentöse Folgeprodukte sind sie ein zentraler Ansatz, um unter anderem in das Depressionsgeschehen „einzudringen“ und es zu beeinflussen.
Bislang noch ungeklärt ist allerdings die Frage, ob die Störungen im Neurotransmitter-Haushalt Ursache, Folge oder Begleiterscheinung einer depressiven Erkrankung sind.
Eine singuläre Ursache gibt es nicht
Seelische Störungen lassen sich meist nicht auf eine einfache Ursache als Auslöser reduzieren. Das mag unbequem erscheinen, hat aber auch eine positive Kehrseite: Wo es verschiedene Krankheitsfaktoren gibt, bieten sich auch verschiedene Ansätze für eine erfolgreiche Behandlung an. Wenn es dann um die Wiederherstellung einer gesunden Gefühlslage geht, spielt die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie und Identität eine wichtige Rolle. Dies wiederum eröffnet Chancen auf eine Optimierung oder sogar grundlegende Neuausrichtung der eigenen Denk- und Verhaltensmuster.
Nach dem Sich-selbst-Verlassen in der Depression ist das Sich-Verlassen auf ärztliche und medikamentöse Hilfe oft ein (über-) lebenswichtiger Schritt, um wieder zu sich selbst zu kommen. Längerfristig wird es aber nur ein erster Schritt sein.
Autor: Dr. Hubertus Glaser
