Warum geht eine Depression so oft mit Angstzuständen einher?

Depression und Angst

Weil das eine oft aus dem anderen folgt. Eine länger bestehende depressive Stimmungslage führt bei vielen Betroffenen dazu, dass sich Ängste aufbauen. Ängste vor beruflichen oder privaten Belastungen, Ängste vor bestimmten Situationen oder Ängste vor Menschen. Dem zugrunde liegt fast immer eine Angst vor dem Scheitern, also Versagensängste.

Solche Angstzustände können so ausgeprägt sein, dass sich die Betroffenen praktisch nicht mehr vor die Tür wagen und sich zunehmend abschotten. Die gleichen Tendenzen gibt es bei der Depression, woran man sieht, wie verwaschen hier die Grenzen sind.

Depression und Angst kommen oft zusammen

Nicht wenige Experten gehen davon aus, dass Depressionen und Angststörungen im Grunde genommen fast als Symptome ein und derselben Störung angesehen werden können.

Aus nach wie vor nicht eindeutig geklärtem Grund spielen die Botenstoffe im Gehirn verrückt und verursachen trübe Stimmung und Ängste.

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Wenn man aber doch von einem Ursache-Wirkungs-Prinzip ausgeht, ist in den meisten Fällen sicher eher die Depression die Ursache der Angstzustände. Das ist in der äußerlich wahrnehmbaren Reihenfolge der Erscheinungen jedenfalls der häufigere Fall.

Es geht aber auch andersherum. Dass also aus einer Angststörung eine Depression erwächst. Wir allen kennen – zumindest vom Hörensagen – die Platzangst, die Höhenangst oder auch die Angst vor Spinnen. Das ist oft eher harmloser Natur (ein kleiner spitzer Schrei beim Erblicken einer Spinne, und dann ist wieder alles gut), kann sich aber im Falle einer fulminanten Angststörung auch sehr viel dramatischer äußern. Dann sind die Ängste so schlimm, dass sich die Betroffenen kaum mehr normal und unbeschwert durch die Welt bewegen können. Weil überall Bedrohungen lauern. Und in einem solchen Fall ist die Depression nicht mehr weit. Denn natürlich ist dann zusätzlich zu der Angst auch die soziale Isolation eine enorme psychische Belastung für die Betroffenen.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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