Altersdepression: Unterschätzt, verkannt, verdrängt
Wenn ältere Menschen eine Depression bekommen, wird diese häufig nicht erkannt. Angehörige erklären sich den sozialen Rückzug mit dem "Komischwerden im Alter". Ärzte verkennen die merkwürdige Stimmungslage als beginnende Demenz. Auf diese unterschätzte Gefahr haben jetzt erneut Experten hingewiesen.
Das Problem an den übersehenen Depressionen im Alter ist: sie sind gefährlich. Fast 40% aller Selbstmorde werden von über 60-jährigen Menschen begangen. Oft steckt eine Depression dahinter. Aber auch ohne dieses furchtbare Ende bedeutet eine Depression für die Betroffenen viel Leid. Unnötiges Leid, denn mit einer frühzeitigen Behandlung kann den Patienten sehr gut geholfen werden.
Denken Sie auch bei Ihren Angehörigen an diese Möglichkeit
Da die Betroffenen aber selbst meist als allerletztes merken, dass es sich bei ihrer tristen und traurigen Stimmung um eine manifeste Depression handelt, sind vor allem die Partner, Angehörigen und Freunde aufgefordert, bei entsprechenden Anzeichen zu einem Arztbesuch zu motivieren.
Die Anzeichen einer Altersdepression sind nicht grundlegend anders als bei Depressionen in jungen Jahren. Typisch sind neben der schlechten Stimmung u.a. Abgeschlagenheit, Verwirrtheit, Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen im Tagesverlauf bis hin zu Selbstmordgedanken. Das falscheste ist, diese Stimmungslage für normal oder alterstypisch zu halten.
WANC 28.03.2011
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), Prof. Dr. med. Frank Schneider
, Dr. Thomas Nesseler
: Depressionen im Alter – Die verkannte
Volkskrankheit
. Herbig Verlag, München, 2011
