Alzheimer-Gen entdeckt
Gene spielen bei der Entstehung von Krankheiten eine immense Rolle. Klar. Bei vielen Krankheiten hat man diesen Einfluss schon entdeckt. Auch klar. Bei den meisten Krankheiten sind es gleich mehrere Gene, die sich auf das Krankheitsbild auswirken. So haben Wissenschaftler etwa zehn Gene identifiziert, die sich auf die Alzheimer-Demenz auswirken. Jetzt hat ein Forscherteam ein neues Gen entdeckt, das bei dieser gefürchteten Krankheit eine besondere Rolle spielt.
„Fehlt dieses Gen beispielsweise den Mäusen, steigt das krankmachende Alzheimer-Protein auf das Zwölffache an und verursacht bei den Nagern die Krankheit viel früher“, sagt Prof. Dr. Jens Pahnke, Universität Rostock. „Durch das Wissen um dieses Gen ist es jetzt möglich geworden, neue Medikamente zu suchen, die bislang nicht im Fokus zur Behandlung der Alzheimer-Demenz standen.“
Wenn die Müllabfuhr im Gehirn nicht mehr funktioniert
Die Rostocker Forscher sind bei der Suche nach dem Grundübel der Krankheit völlig neue Wege gegangen. Sie bringen die notwendige Reinigungsfunktion mit der Alterung des Gehirnes in Zusammenhang, „das heißt, die Funktion der Kraftwerke der Zellen steht mit der so genannten Müllabfuhr des Gehirns in engem Zusammenhang“, erläutert Pahnke. Ihr Ziel ist es, die Krankheit zu erkennen, „bevor Demenz klinisch zum Ausbruch kommt. Wir ringen in der Grundlagenforschung darum, den Beginn der Erkrankung um nur fünf bis zehn Jahre zu verzögern.“
Die Suche nach neuen Medikamenten – auch mit Hilfe der Pharmaindustrie - ist bereits angelaufen. Unter anderem zeigte sich eine große Chance in einem sehr alten Medikament, das bisher nur gegen Schmerz und Übelkeit eingesetzt wurde und seit einigen Jahrzehnten auf dem weltweiten Markt bekannt ist.
Hoffnung auf griechisches Eisenkraut
„Wir suchen auch nach neuen Wirkstoffen in verschiedenen Pflanzenarten,“ betont Pahnke. Aus dem griechischen Eisenkraut haben die Alzheimer-Forscher aus Rostock beispielsweise einen Extrakt gewonnen, der die Menge der Plaques im Gehirn um etwa 80% vermindert. Jetzt wird an den Mäusen getestet, welcher Inhaltsstoff genau für diese enorme Reduktion verantwortlich ist.
Erfolg ist dringend notwendig. „Bei 99% der Alzheimer-Patienten ist die Ursache für ihre Erkrankung noch unbekannt“, erklärt Pahnke. Im Jahr 2050 werden nach weltweiten Hochrechnungen zwischen 106 und 360 Millionen Demenzkranke erwartet. Allein in Deutschland werden dann mehr als die Hälfte der Einwohner über 60 Jahre alt sein. Bis zu 8 Millionen könnten in der Folge an Alzheimer erkranken.
WANC 05.07.2011
Quelle: Universität Rostock, Medizinische Fakultät, Klink für Neurologie und Poliklinik
