Biomarker für Frühdiagnose von Alzheimer
Ein neuartiger Biomarker könnte die Diagnose der Alzheimer-Krankheit bereits in einem sehr frühen Krankheitsstadium ermöglichen. Dabei geht es darum, die Konzentration eines bestimmten Eiweißes in der Gehirnflüssigkeit zu ermitteln.
„Unser Ziel ist es, bei Menschen, die eine Alzheimer-Krankheit entwickeln werden, die Erkrankung bereits in einem sehr frühen Stadium identifizieren zu können“, sagt Dr. Robert Perneczky, Oberarzt und Leiter des Forschungslabors der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum rechts der Isar. „Nur so können wir eine wirksame Therapie frühzeitig einleiten und damit hoffentlich den fortschreitenden Verfall des Gedächtnisses und der Denkfähigkeit vermeiden, der diese verheerende Krankheit kennzeichnet.“
Eiweiß-Vergleich bei Dementen und Nicht-Dementen
Im Rahmen der aktuellen Studie wurden 58 Probanden mit einer leichten kognitiven Störung untersucht. Etwa 15% der Menschen mit einer solchen Störung entwickeln jährlich eine Alzheimer-Krankheit. Einige der Betroffenen werden jedoch nie an der Alzheimer-Krankheit leiden oder sogar wieder auf ein normales Niveau der geistigen Leistungsfähigkeit zurückkehren.
Zu Beginn der Studie entnahmen die Forscher den Patienten bei einer Punktion im Lendenwirbelbereich eine Probe des Nervenwassers, des sogenannten Liquors. Zum Vergleich wurden auch Liquorproben von 16 Patienten mit einer frontotemporalen Demenz gewonnen, einer Erkrankung, die typischerweise nicht durch Vergesslichkeit gekennzeichnet ist und auf einer vollkommen andersartigen Schädigung des Nervengewebes beruht.
Die Studiengruppe mit leichter kognitiver Störung wurde rund drei Jahre lang nachverfolgt. In dieser Periode wurde bei 21 Studienteilnehmern eine Alzheimer-Krankheit diagnostiziert, 27 Probanden litten weiterhin an einer leichten kognitiven Störung, bei 8 Teilnehmern konnte keine Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit mehr nachgewiesen werden. Zwei Probanden hatten eine frontotemporale Demenz entwickelt und wurden von den weiteren Analysen ausgeschlossen.
Perneczky erläutert: „Wir haben im Liquor die Konzentration verschiedener Eiweiße mit bekanntem Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit gemessen. Dabei fanden wir bei Probanden, die später eine Alzheimer-Krankheit entwickelt haben, signifikant höhere Konzentrationen eines Amyloid-Eiweißes (engl. soluble amyloid precursor protein beta = sAPPβ). Patienten mit Alzheimer-Krankheit wiesen zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung im Durchschnitt sAPPβ-Konzentrationen von 1.200 Nanogramm pro Milliliter auf, im Vergleich zu 932 Nanogramm bei Probanden mit stabilen oder rückläufigen Beschwerden und 630 bei Patienten mit frontotemporaler Demenz.“
Beste Vorhersage: Tau-Protein, Amyloid-Protein und Alter
Die Forscher fanden auch, dass die exakteste Vorhersage einer späteren Alzheimer-Krankheit durch die Kombination von sAPPβ, dem etablierten Zelluntergangsmarker Tau und dem Alter der Probanden erzielt wurde. Diese Kombination führte in 80% der Fälle zu einer korrekten Vorhersage des Fortschreitens zur Alzheimer-Krankheit. Das Eiweiß Amyloid beta1-42 (Aβ1-42), das als etablierter Biomarker der Alzheimer-Krankheit gilt, trug hingegen in dieser Studie nicht zur Vorhersage der Alzheimer-Krankheit zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung bei.
„Unsere Studienergebnisse legen nahe, dass sAPPβ im Liquor die Frühdiagnostik der Alzheimer-Krankheit verbessern und dabei dem etablierten Biomarker Aβ1-42 überlegen sein könnte“, sagt Perneczky.
Die Forschergruppe um Perneczky arbeitet derzeit an der Evaluierung eines Verfahrens, um sAPPβ im Blut zu messen. Damit könnte erstmals ein verlässlicher Biomarker für die Frühdiagnostik der Alzheimer-Krankheit zur Verfügung gestellt werden, der kein invasives Verfahren wie eine Liquorpunktion erfordert.
WANC 27.06.2011
Quelle: Neurology, Klinikum Rechts der Isar,TU München
