Demenz und Alzheimer: die wichtigsten Fragen und Antworten

Einführung

Unter dem Begriff Demenz wird eine Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung verstanden, die in der Regel erst im höheren Lebensalter einsetzt und zu Beginn vor allem das Kurzzeit-, später auch das Langzeitgedächtnis betrifft. Daneben können Sprache, Denk- und Urteilsvermögen sowie zeitliche und räumliche Orientierung eingeschränkt sein. Typisch für die Erkrankung ist, dass sie stetig voranschreitet und durch Medikamente nur unwesentlich beeinflusst werden kann.

Die Demenz kann sehr viele verschiedene Ursachen haben, tritt in den meisten Fällen aber in Form eines Morbus Alzheimer auf. Der Alzheimer ist aus ärztlicher Sicht eine Ausschlussdiagnose, bei jeder Demenz besteht also vor Beweis einer anderen Ursache die Verdachtsdiagnose Morbus Alzheimer.

Bei der Alzheimer-Demenz handelt es sich um einen neurodegenerativen Prozess, der durch das Absterben von Nervenzellen gekennzeichnet ist. Neurodegenerative Demenzformen kommen neben vaskulären Demenzen, die auf einer Hirngefäßschädigung beruhen, am häufigsten vor.

Hilfestellungen in Anspruch nehmen

Es gibt eine Reihe einfacher neuropsychologischer Testverfahren, die eine geistige (kognitive) Einschränkung aufdecken können. Der Mini-Mental-Status-Test (MMST) wird dabei am häufigsten verwendet und besitzt den Vorteil, zwischen leichten, mittelschweren und schweren Beeinträchtigungen der Gedächtnisleistung unterscheiden zu können. Um die Ursache der Demenz genauer zu bestimmen, müssen im Anschluss an einen positiven neuropsychologischen Test jeweils weitere Untersuchungen wie beispielweise Blut- und Urindiagnostik, bildgebende Verfahren oder eine Hirnwasseruntersuchung durchgeführt werden.

Der Umgang mit der Diagnose Demenz ist sowohl für den Erkrankten als auch für die Angehörigen schwer und stellt jeden Tag eine Herausforderung dar. Ein umfassendes Wissen über die Erkrankung, deren Verlauf und Ausprägungsformen kann Ihnen helfen, Symptome und Verhaltensweisen besser zu verstehen und einzuordnen. Die fast in allen Regionen und Städten angebotenen, entlastenden Hilfestellungen durch Institutionen oder ehrenamtliche Helfer sollten Sie möglichst in Anspruch nehmen und nicht aus falscher Scham oder Ehrgefühlen ablehnen.

Definition der Demenz

Bei der Demenz handelt es sich um eine erworbene (also im Laufe des Lebens neu aufgetretene) Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit des Gehirns, die zur Abnahme von Denk- und Urteilsvermögen, Sprache sowie der zeitlichen und räumlichen Orientierung führt. Nach der ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health) liegt eine Demenz vor, wenn neben der Störung des Gedächtnisses:

  • mindestens eine weitere kognitive Teilleistung eingeschränkt ist. Dazu zählen unter anderem:
    • Sprachstörungen (Aphasie);
    • die Unfähigkeit, Dinge bzw. Gegenstände zu erkennen und zu benennen (Agnosie);
    • die eingeschränkte Fähigkeit Bewegungen zu koordinieren (Apraxie);
    • die Unfähigkeit zur Planung, Organisation und der Einhaltung von Handlungsabfolgen.
  • die Symptome länger als sechs Monate anhalten;
  • eine chronische Verschlechterung der Beschwerden zu verzeichnen ist;
  • soziale oder berufliche Funktionen nicht mehr ausgefüllt werden können;
  • eine Bewusstseinsstörung für das Vorliegen der Symptome ausgeschlossen werden konnte.

Die Demenz ist eine Erkrankung des Alters und nimmt mit steigender Lebenserwartung an Häufigkeit zu. So ist es nicht verwunderlich, dass in den letzten Jahren immer mehr Krankheitsfälle zu verzeichnen sind, wenn man bedenkt, dass sich die Lebenserwartung in den letzten 100 Jahren verdoppelt und die Zahl der über 80-Jährigen beinahe verzehnfacht hat.

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Ursachen der Demenz

Die Ursachen für die Entstehung einer Demenz sind sehr vielfältig. Prinzipiell lassen sich die beiden großen Gruppen der primären und sekundären Demenzformen gegeneinander abgrenzen. Die primären Formen sind durch Prozesse gekennzeichnet, die direkt im Gehirn bzw. an den Nervenzellen stattfinden und zu einer Beeinträchtigung der Gedächtnisfunktion führen. Diese Prozesse schreiten stetig voran und lassen sich durch herkömmliche Therapiemethoden bisher nur schlecht aufhalten.

Die viel selteneren, sekundären Demenzformen sind Symptom einer Grunderkrankung, die prinzipiell überall im Körper stattfinden kann, aber auch Auswirkungen auf das Gehirn hat. Diese Demenzformen schreiten nicht oder nur langsam fort und sind in der Regel durch die Behandlung des Grundleidens aufhalt- bzw. umkehrbar.

Primäre Demenzformen

Die häufigste Form der Demenz überhaupt ist der Morbus Alzheimer, der für über 50% aller Demenz-Fälle verantwortlich ist. Bei der Alzheimer-Demenz handelt es sich um eine neurodegenerative Erkrankung, die durch einen fortschreitenden Verlust von Nervengewebe gekennzeichnet ist, der vor allem im Schläfenlappen sowie im Hippocampus stattfindet. Diese Bereiche des Gehirns sind unter anderem für das Sprachverständnis, Hören und Riechen, aber auch für das Erlernen neuer Dinge sowie deren Überführung in das Langzeitgedächtnis von Bedeutung.

Gleichzeitig kommt es zur Ablagerungen von Stoffwechselendprodukten, sogenannten senilen Plaques, deren Auftreten wesentlich mit dem Fortschreiten der Erkrankung korreliert.

Demenz durch Durchblutungsstörungen zweithäufigste Form

Die zweithäufigste Form der Demenz ist die sogenannte vaskuläre Demenz, die einen Anteil von 15-20% hat und damit bereits deutlich seltener auftritt als der Morbus Alzheimer. Vaskuläre Demenzen sind im weitesten Sinne durch Gefäßschädigungen bedingt. So kann es beispielsweise in Folge eines Schlaganfalls oder einer Arteriosklerose zu fortschreitenden kognitiven Einschränkungen kommen.

Weitaus seltener sind die Parkinson-Demenz, die im Rahmen eines Morbus Parkinson auftritt, sowie die frontotemporale Demenz, deren genaue Ursache bisher noch unklar ist. Typisch für die frontotemporale Demenz ist ein sehr frühes Auftreten (meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr) von Persönlichkeitsstörungen und Störungen des Sozialverhaltens (beispielsweise Distanzlosigkeit, sexuelle Enthemmung, Fresssucht), während die Gedächtnisfunktion anfangs noch erhalten bleibt.

Sekundäre Demenzformen

Sekundäre Demenzformen können als Begleitsymptom bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen auftreten. Infektionen, die mit einer Einschränkung der Gedächtnisleistung einhergehen können, sind beispielsweise HIV oder die Prionen-Erkrankung Creutzfeld-Jakob. Aber auch langjähriger Alkoholkonsum kann im Rahmen eines Wernicke-Korsakoff-Syndroms zu Demenz-Symptomen führen. Prozesse, die den Hirndruck steigern oder zu Sauerstoffmangel führen (beispielsweise Hirntumore oder Gasvergiftungen) können ebenso ursächlich an der Entstehung eines Demenz-Syndroms beteiligt sein wie Stoffwechselerkrankungen (beispielsweise der Diabetes mellitus oder Störungen der Schilddrüsenfunktion).

Eine sehr wichtige Differentialdiagnose zu einer echten Demenz ist die sogenannte Pseudo-Demenz, die im Rahmen von Depressionen auftreten kann. Besonders im höheren Lebensalter muss eine Depression immer als mögliche Ursache von Einschränkungen des Gedächtnis sowie der Merk- und Konzentrationsfähigkeit in Betracht gezogen werden. Denn nur dann kann durch die Wahl des richtigen Therapieschemas die Symptomatik verbessert werden.

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Anzeichen und Symptome der Demenz

Die Symptome, die im Rahmen einer Demenz auftreten können, sind individuell sehr unterschiedlich und werden oft erst spät erkannt. Weiterhin folgt die Erkrankung nicht immer demselben Verlauf und hat ganz unterschiedliche Auswirkungen auf die Psyche. Das Spektrum der Erscheinungsformen der Demenz wird dadurch noch einmal deutlich erweitert, was das frühzeitige Erkennen der Erkrankung zusätzlich erschwert.

Am meisten leidet die Erinnerungsfähigkeit

Die wesentliche Symptomatik einer Demenz besteht jedoch immer in einer Abnahme des Gedächtnisses bzw. des Denkvermögens, was zu einer wesentlichen Einschränkung des täglichen Lebens führt. Dabei ist das wohl wichtigste Anzeichen für die Entstehung einer Demenz das Nachlassen der Erinnerungsfähigkeit: Während das Kurzzeitgedächtnis schon zu Beginn der Erkrankung an Leistungskraft einbüßt, bleibt das Langzeitgedächtnis noch lange intakt. Vielfach wird sogar davon berichtet, dass plötzlich Zugriff auf sehr frühe Kindheitserinnerungen besteht und diese in sichere zeitliche Zusammenhänge gebracht werden können. Das Langzeitgedächtnis kann zu Beginn der Erkrankung also eine Art Renaissance erleben.

Die Störung der Orientierung ist ein weiteres Merkmal der Demenz. Typisch hierbei ist eine Einschränkung der räumlichen Orientierung, die sich beispielsweise durch das nicht Wiederauffinden des eigenen Zuhauses äußert. Daneben besteht oftmals eine Unfähigkeit, sich in neuen Umgebungen zurechtzufinden. Aber auch die zeitliche Orientierung, die sich durch einen aufgehobenen Schlaf-Wach-Rhythmus äußern kann, ist oftmals mitbetroffen.

Sprachstörungen wie beispielsweise Wortfindungsstörungen werden zu kaschieren versucht, indem neue Wörter erfunden werden (Neologismen) oder die Sprache des Gegenübers nachgeahmt wird (Echolalie), ohne auf den Inhalt des gesprochenen zu achten.

Auch die Psyche verändert sich

Neben diesen Symptomen treten vielfach auch Beeinträchtigungen auf, die nicht das Denkvermögen betreffen, sondern die Psyche bzw. das Verhalten. So kommt es zu Beginn der Erkrankung, oftmals durch das bewusste Erleben des geistigen Zerfalls bedingt, zu depressiven Verstimmungen. Aber auch Unruhe, Euphorie, Trauer oder Aggressionen treten auf. Die Symptome der Krankheit werden heruntergespielt und kleine Strategien entwickelt, um die Defizite vor Angehörigen und Freunden zu verbergen.

Im Verlauf der Erkrankung wandelt sich die Stimmung hin zu einer immer größer werdender Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit. Oft geht diese Phase der Erkrankung dann auch mit weiteren körperlichen Symptomen wie beispielsweise einer Inkontinenz einher.

Demenz oder Pseudo-Demenz?

Im Rahmen einer Depression kann es zu Gedächtnisstörungen kommen, die den Symptomen einer Demenz sehr ähnlich sind. Allerdings sind bei Depressionen keine neurodegenerativen Prozesse für die Krankheitsentstehung ursächlich, sondern eine ausgeprägte Denkhemmung. Ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch kann Hinweise auf das Vorliegen einer Pseudo-Demenz liefern.

Die Demenz beginnt in der Regel mit dem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses, während das Langzeitgedächtnis lange ungetrübt bleibt. Bei der Pseudodemenz hingegen sind Kurz- und Langzeitgedächtnis von Beginn der Erkrankung an gleichermaßen eingeschränkt. Außerdem treten die Gedächtnisstörungen im Rahmen der Depression relativ abrupt auf, ihr Beginn ist meist erinnerlich und wird stark beklagt. Bei einer Demenz hingegen beginnt die Erkrankung schleichend, in der Regel ohne zeitlichen Anfangspunkt und wird häufig verleugnet.

Depression oder Demenz: weitere Unterschiede

Depressive Menschen zeigen sich oftmals unkooperativ, leiden unter Schuldgefühlen und geben sich teilnahmslos. Ihre Stimmung ist dabei konstant depressiv. Im Gegensatz dazu kooperieren Menschen mit einer Demenz (wenigstens zu Beginn der Erkrankung) gut, sind um Teilnahme bemüht und zeigen ganz unterschiedliche Stimmungsbilder.

Schlussendlich kann ein probatorischer Therapieversuch Aufschluss über die Ursache der Gedächtnisstörungen geben: Während sich die Symptome durch die Gabe von Antidepressiva bei einer Depression bessern, schreiten sie bei Demenz voran bzw. sprechen nicht auf die Medikamente an.

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Untersuchungen und Diagnose

Obwohl es sich bei der Demenz um eine Erkrankung handelt, die sich in vielen unterschiedlichen Facetten zeigen kann, gelingt die Diagnose mittels einfacher neupropsychologischer Testverfahren relativ gut und sicher.

Der wohl am häufigsten eingesetzte Test ist der sogenannte Mini-Mental-Status-Test (MMST). Mithilfe des MMST kann eine orientierende Einschätzung des Schweregrades eines kognitiven Defizites bzw. einer Gedächtnisstörung vorgenommen werden. Geprüft werden unter anderem:

  • Orientierungsvermögen
  • Merkfähigkeit
  • Aufmerksamkeit
  • Rechenleistung
  • Erinnerungsfähigkeit
  • Sprachvermögen und Verständnis

Je nach erzieltem Punktewert kann anschließend ermittelt werden, ob keine Demenz vorliegt bzw. ob eine leichte, mittelgradige oder schwere Demenz besteht.

Etwas aufwändigere Testverfahren wie beispielsweise der Demenz-Detektions-Test (DemTec) oder der Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsausgrenzung (TFDD) können eine Demenz bereits im Frühstadium erkennen und wichtige diagnostische Hinweise liefern.

Auch die Ursache muss ermittelt werden

Da eine Demenz viele Ursachen haben kann, müssen nach einem neuropsychologischen Testverfahren eine ganze Reihe weiterer Untersuchungen durchgeführt werden. Zur Basisdiagnostik zählen unter anderem die vollständige körperlich-neurologische Untersuchung sowie Blut- und Urindiagnostik, um beispielsweise Stoffwechselentgleisungen zu erkennen, die im Rahmen eines Diabetes mellitus oder von Schilddrüsenfunktionsstörungen auftreten und ursächlich für das Vorliegen einer verminderten Gedächtnisleistung sein können. Vor allem bei älteren Menschen kann eine Schilddrüsenunterfunktion einer Demenz oder einer Depression ähneln.

Der Einsatz von bildgebenden Verfahren wie CT oder MRT kann dem Nachweis von raumfordernden Prozessen, Gefäßveränderungen oder einer Hirnschrumpfung (Atrophie) dienen. Auch ein erhöhter Hirndruck kann durch diese Methoden festgestellt werden. Je nach vermuteter Ursache können zur abschließenden Klärung schließlich auch Gen- oder Hirnwasseruntersuchungen nötig werden.

Obwohl die Alzheimer Demenz die am häufigsten diagnostizierte Demenzform ist, gibt es kein sicheres diagnostisches Kriterium, um ihr Vorliegen zu beweisen. Der Morbus Alzheimer ist dementsprechend eine Ausschlussdiagnose, die nur gestellt werden kann, wenn keine andere Ursache für die Demenz gefunden wurde.

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Behandlung der Demenz

Während eine primäre Demenz nicht ursächlich behandelt und somit in ihrem Verlauf nicht aufgehalten werden kann, besteht bei einer sekundären Demenz die Möglichkeit, durch die Behandlung der Grunderkrankung die Beeinträchtigung des Gedächtnisses aufzuhalten bzw. rückgängig zu machen. Egal um welche Form der Demenz es sich handelt, der Behandlungserfolg steht und fällt mit einem frühzeitigen Therapiebeginn. Obgleich primäre Demenzen immer weiter fortschreiten und sich stets verschlechtern, lassen sie sich doch beeinflussen. Besonders im Frühstadium der Erkrankung kann viel getan werden, um Einfluss auf den Krankheitsverlauf zu nehmen

Allgemeine therapeutische Maßnahmen

Ähnlich wie die Muskelkraft kann auch die Gedächtnisleistung durch intensives, kontinuierliches Training verbessert werden. Bei der Demenz sollten besonders die kognitiven Fähigkeiten (Kombinatorik, Rechnen, Bildererkennen) regelmäßig geübt werden. Doch Vorsicht, die Konfrontation mit der Abnahme der denkerischen Leistung kann auch negative Effekte haben. Dadurch, dass die Aufmerksamkeit auf den geistigen Abbau gerichtet wird, kann eine depressive Stimmungslage getriggert werden.

Es gibt verschiedene Methoden des Gedächtnistrainings, die auch selbstständig durchgeführt werden können. Im Allgemeinen gilt es dabei darauf zu achten, dass sowohl Kurz- als auch Langzeitgedächtnis gleichermaßen beansprucht werden und dass das Training sehr regelmäßig und ausführlich erfolgt.

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Medikamentöse Therapie der Demenz

Zur Behandlung einer Demenz kommen zwei Medikamentenklassen zum Einsatz. Cholinesterase-Hemmer werden zur Behandlung leichter und mittelschwerer Demenzformen eingesetzt, Memantin hingegen bei mittelschwerer bis schwerer Demenz.

Cholinesterase-Hemmer

Cholinesterase-Hemmer wie

  • Donepezil (Aricept®,
  • Aricept Evess®),
  • Rivastigmin (Exelon®) und
  • Galantamin (Reminyl®, Galnora®)

hemmen den Abbau des Transmitters Acetylcholin im Gehirn, der bei Demenz erniedrigt ist. Obwohl noch nicht gänzlich geklärt ist, welche Rolle Acetylcholin im Rahmen einer Demenz einnimmt, hat sich eine Besserung der Gedächtnisleistung unter einer Therapie mit Cholinesterase-Hemmern gezeigt.

Da Acetylcholin nicht nur im Gehirn vorkommt, sondern auch in vielen anderen Organen, kann es zu einer Reihe an Nebenwirkungen kommen: die wohl häufigsten sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle, die in 10% aller Fälle auftreten. Seltener treten Herzrhythmusstörungen, eine Verlangsamung des Herzschlages und Magengeschwüre (1%) auf.

Memantin

Da bei einer Demenz neben den erniedrigten Acetylcholinspiegeln auch erhöhte Glutamatspiegel gefunden wurden, wird Memantin (Memando®, Axura®, Ebixa®) eingesetzt. Memenatin blockieren die Rezeptoren für Glutamat (NMDA-Rezeptoren) im Gehirn und vermindern so die glutamaterge Wirkung, die für eine Reihe an Symptomen der Demenz verantwortlich gemacht wird. Memantin wird vor allen Dingen bei schweren Demenzformen eingesetzt. Der Wirkstoff verlängert nachweislich die Selbstständigkeit. Auch eine Verringerung der notwendigen Klinikaufenthalte wurde nachgewiesen. An Nebenwirkungen können Kopfschmerzen, Schwindel, Verwirrtheit und Halluzinationen auftreten.

Die Bewertung von Memantin ist unter Experten umstritten. Es gibt solche, die eine Wirkung von Memantin für unbewiesen halten, Andere verweisen auf therapeutische Erfolge, auch in Studien.

Vorsicht vor dämpfenden Psychopharmaka

Grundsätzlich sollte bei einer Demenz auf die Verabreichung von anticholinerg wirkenden Substanzen eher verzichtet werden. So gibt es zum Beispiel einige Neuroleptika, die als Psychopharmaka auch gegen Schizophrenie eingesetzt werden, die von einigen Ärzten auch als Beruhigungsmittel bei Alzheimer bzw. Demenz verordnet werden. Vor allem wenn Halluzinationen und ähnliche Symptome auftreten, gibt es dafür auch einige Argumente.

Diese Medikamente senken aber die Achetylcholinspiegel im Gehirn und können so zu einer Verschlechterung der kognitiven Leistung führen. Vorsicht ist besonders dann geboten, wenn neben der Demenz eine Depression vorliegt, da die Wirkung von trizyklischen Antidepressiva genau auf diesem Effekt basiert.

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Verlauf und Prognose einer Alzheimer-Demenz

Die Prognose einer Demenz bzw. einer Alzheimer-Erkrankung vorherzusagen, ist sehr schwer. Zum einen zeigen verschiedene Demenzformen unterschiedliche Verläufe. Zum anderen kann auch ein und dieselbe Demenzform individuell einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Dennoch lassen sich anhand der Krankheitsursache einige Tendenzen beschreiben:

Die Alzheimer-Demenz beginnt typischerweise erst im höheren Lebensalter, meist nach dem 65. Lebensjahr, und entwickelt sich langsam, aber stetig. Die mittlere Überlebensdauer nach Erstdiagnose beträgt in verschiedenen Studien 7-30 Jahre. Diese Zahl sagt jedoch nichts über das Wohlbefinden bzw. über die Zeit vollständiger Selbstständigkeit aus, die nach der Diagnosestellung bleibt.

Prognose bei vaskulärer Demenz

Die vaskuläre Demenz ist Folge einer Gefäßerkrankung, die in der Regel ebenfalls erst im höheren Alter auftritt. Sie kann kontinuierlich, aber auch schubförmig verlaufen. Während eines Schubes kommt es häufig zu Stimmungsschwankungen, denen ein deutliches Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit folgt. Vor und nach solchen Schüben können Phasen klaren Denkens bestehen. Der Verlauf bzw. die Prognose der vaskulären Demenz hängt von vielen Faktoren ab und lässt sich nicht vorhersagen.

Bei der seltenen frontotemporalen Demenz ist die Lebenserwartung stark eingeschränkt. Nur wenige Patienten leben Länger als 10 Jahre, die restlichen Versterben an Komplikationen der Erkrankung wie beispielsweise Atemwegsinfektionen. Besonders schlimm bei dieser Demenzform ist der frühe Beginn bereits in jungen Jahren.

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sowie:

Wie lange dauert eine Alzheimer-Erkrankung? Wie hoch ist die Lebenserwartung?
Wie verläuft eine Demenz oder ein Alzheimer im Endstadium?

Angehörige von Demenz-Kranken – was kann ich tun?

Erkrankt ein Mensch an einer Demenz, ist die ganze Familie betroffen. Denn die Krankheit ist nicht berechenbar und sorgt immer wieder für Überraschungen und jede Menge Aufregung. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich frühzeitig und umfassend darüber zu informieren, was auf Sie zukommen kann. Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Demenz sowohl für den Erkrankten als auch für Sie eine große Herausforderung darstellt.

Hilfe suchen!

Mit der Diagnose Demenz gehen viele Emotionen und Fragen einher: Ein Wechselbad der Gefühle aus Angst, Unverständnis, Hilflosigkeit, Wut, Trauer und Verzweiflung sind typisch. Aber auch ganz praktische Fragen des alltäglichen Lebens können leicht zur Überforderung werden: Wer übernimmt die Betreuung und später die Pflege? Wer kommt für die Kosten auf? Was passiert mit dem eigenen Job?

Diese Fragen können und sollten Sie nicht alle selbst beantworten. Holen Sie sich frühzeitig Unterstützung. Am besten von Beginn an und nicht erst, wenn Sie an Ihre Belastungsgrenze gelangen. Die Betreuung eines demenzkranken Menschen ist ein Vollzeit-Job, der über Jahre hinweg immer anspruchsvoller wird. Die Gefahr sich zu verausgaben ist groß.

Aus diesem Grund ist es wichtig zu wissen, welche Dienste Sie in Anspruch nehmen können und möchten. So gibt es etwa professionelle Pflegedienste, die zu Ihnen nach Hause kommen und Sie bei der Körperpflege sowie bei der Medikamentengabe unterstützen. Weiterhin kann Entlastung durch eine Tagespflegeeinrichtung erfolgen, die die Betreuung des Demenzkranken für ein paar Stunden übernimmt. Wertvolle Zeit, in der Sie sich um Ihre eigenen Angelegenheiten kümmern oder einfach einmal entspannen können.

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Demenz-Pflege: Wer bezahlt das alles?

Einen Überblick über Kosten und Übernahmemöglichkeiten bei Demenz-Erkrankungenzu bekommen, ist nicht einfach. Die Krankenkasse übernimmt beispielsweise nur die Kosten, die zur Abdeckung medizinischer Maßnahmen anfallen. Darunter fallen die Medikamentenkosten oder auch das Wundmanagement.

Für die Pflege des demenzkranken Menschen hingegen ist die Pflegeversicherung zuständig. Diese deckt neben der Körperpflege auch Kosten ab, die durch einen Wohnungsumbau oder einen Ausfall der Hauptpflegeperson anfallen können.

Pflegestufe muss ermittelt werden

Um eine Kostenübernahme beantragen zu können, muss vorher die Einstufung in eine Pflegestufe erfolgt sein. Denn die jeweiligen Leistungen, die Sie für die Betreuung und Pflege des demenzkranken Angehörigen beziehen können, richten sich immer nach der Pflegestufe. Dabei gilt: Je höher die Pflegestufe, desto höher auch die beanspruchbaren Leistungen.

Eine Heimunterbringung ist in aller Regel Privatsache, die Sie selbst zu tragen haben. In einigen wenigen Fällen kann dabei aber auch die Sozialhilfe einspringen. Das ist jeweils abhängig von Ihren Lebensumständen, Ihren finanziellen Möglichkeiten, aber auch von der Pflegeeinrichtung selbst.

Um nicht den Überblick zu verlieren und alle Anträge zeitnah zu bearbeiten, sollten Sie sich an eine soziale Beratungsstelle oder an einen Pflegestützpunkt wenden, die Sie kostenfrei beraten kann.

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Umgang mit Demenz-Kranken: Wie verhalte ich mich jetzt?

Viele Angehörige sind anfangs verzweifelt und fühlen sich der Herausforderung, die das Leben mit einem an Demenz erkrankten Menschen mit sich bringt, nicht gewachsen.

Vertrauen Sie aber darauf, dass Sie in die Aufgabe der Betreuung und Pflege hineinwachsen werden. Üben Sie sich in Gelassenheit und Geduld und versuchen Sie, nicht enttäuscht zu sein. Mit der Zeit werden Sie ein gutes Gespür dafür entwickeln, was Sie zu welcher Zeit erledigen müssen, wie Sie auf Emotionen und überraschende Situationen am besten reagieren und wie Sie trotz Demenz miteinander kommunizieren können. Dann gehören auch positive Erlebnisse und Erfahrungen bald wieder zum Alltag.

Richtig kommunizieren

Die Kommunikation mit einem an Demenz leidenden Menschen ist nicht einfach, kann anhand bestimmter Regeln aber relativ gut erlernt werden:

  • Bestätigen Sie ihr Gegenüber, indem Sie über Dinge sprechen, die gut gelaufen sind. Versuchen Sie, Kritik weitestgehend zu vermeiden.
  • Vermitteln Sie das Gefühl, auf einer Ebene zu kommunizieren. Stellen Sie leichte Fragen nach dem Befinden und versuchen Sie, keine Diskussionen aufkommen zu lassen.
  • Wenn Sie Informationen erfragen möchten, stellen Sie Fragen, die sich auf ja oder nein beantworten lassen.
  • Wiederholen Sie wichtige Informationen und versichern Sie sich rück, dass diese verstanden wurden. Verwenden Sie beim Wiederholen ähnliche oder gleiche Worte bzw. Sätze.
  • Nehmen Sie Anschuldigungen oder Vorwürfe nicht persönlich, bleiben Sie ruhig, aber bestimmt.
  • Stellen Sie im Gespräch stets Blickkontakt her und benutzen Sie dabei auch den Namen Ihres Gegenübers.
  • Planen Sie für Gespräche ausreichend Zeit ein. Ein Mensch mit Demenz benötigt viel Raum und Ruhe, um sich zu sammeln und zu antworten.

Das Erinnerungsvermögen stärken und stützen

Trainieren Sie mit dem demenzkranken Angehörigen seine Erinnerungsfähigkeit. Alte Fotoalben eignen sich dazu sehr gut. Gehen Sie die Bilder nach und nach durch und lassen Sie den Demenzkranken frei aus seinem Leben erzählen. Der Rückgriff auf das Langzeitgedächtnis erhält dieses zum einen länger und verleiht zudem Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.

Ebenso wie Bilder, kann das Langzeitgedächtnis auch durch andere Sinneseindrücke aufgefrischt werden. Spielen Sie alte Musikstücke oder singen Sie gemeinsame Lieblingslider. Verbreiten Sie Gerüche, die mit bestimmten Erinnerungen verbunden sind. Parfüms, Blumen oder der frische Duft des Lieblingskuchens – all diese Dinge befördern alte, wertvolle Erinnerungen zutage und geben dem demenzkranken Menschen ein Stück seines Lebens vor der Krankheit zurück.

Tagesablauf möglichst einfach strukturieren

Um den Verlust des Kurzzeitgedächtnisses etwas auszugleichen, ist es hilfreich, einem immer gleichen Tagesablauf zu folgen. Dieser kann auch schriftlich oder in Form von Bildern zu Papier gebracht und an gut sichtbaren Stellen der Wohnung (beispielsweise am Kühlschrank oder an der Badezimmertür) aufgehängt werden. Routine verleiht Sicherheit und ermöglicht es dem demenzkranken Menschen, sich etwas besser selbstständig zurechtzufinden.

Ein Gruppenfoto mit allen Menschen, die häufiger die Räumlichkeiten des demenzkranken Menschen betreten (beispielsweise Familie und Pflegepersonal), kann mit Namen und Funktion beschriftet werden und ebenfalls eine kleine Gedächtnisstütze darstellen. Während fremde Menschen bei Demenzkranken häufig das Gefühl von Angst verursachen, sind vertraute Gesichter ein Symbol für Ruhe und Beständigkeit, das keine unnötige Verwirrung stiftet.

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Hilfe zur Selbsthilfe

Aufgaben des täglichen Lebens wie Körperhygiene, Ankleiden, Kochen oder Einkaufen fallen Menschen mit einer Demenz zunehmend schwer. Ihre Aufgabe ist nicht, all diese Dinge zu erledigen und den demenzkranken Angehörigen so ungewollt zu entmündigen. Viel eher sollten Sie versuchen, eine Hilfestellung zu geben. Erinnern Sie beispielsweise an vergessene Dinge. Unterstützen Sie beim Kochen, ohne die Regie komplett zu übernehmen und haben Sie Nachsicht, wenn etwas länger dauert oder mehrfach vergessen wurde.

Bleiben Sie trotz allem immer ruhig, bestätigend und bestimmt. Denn dann haben Sie die Chance, gemeinsam Erfolgsmomente zu erleben und diese werden Sie, wie in früheren Zeiten, verbinden.

Autoren: Lisa Wunsch, Medizinstudentin & Dr. med. Jörg Zorn

Quellen

Kommentar zum Thema Demenz und Alzheimer

Demenz und Morbus Alzheimer Unter Demenz versteht man eine krankhaft eingeschränkte Geisteskraft, die viele verschiedene Ursachen haben kann. Eine spezielle und zugleich die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Von ihr sollen 60% der dementen Menschen betroffen sein, so die Schätzungen.

Typisch für Alzheimer-Demenz: abnorme Eiweißablagerungen im Gehirn

Es sind im Wesentlichen zwei Grundzustände, die zu einem zunehmenden Funktionsausfall des Gehirns führen: entweder chronische Durchblutungsstörungen (vaskuläre Demenz) oder der fortschreitende Untergang (Degeneration) von Gehirnzellen. Letzteres ist bei der Alzheimer-Demenz der Fall. Typisch ist dabei die Bildung spezifischer Eiweißablagerungen: Plaques aus Beta-Amyloid außerhalb und Fibrillen aus Tau-Proteinen innerhalb der Neuronen.

Diese abnormen Gebilde legen die Nervenzellen lahm und führen letztlich zu ihrem Absterben. Warum das passiert, entzieht sich immer noch weitgehend unserer Kenntnis. Die eigentliche Ursache, die die Alzheimer-Demenz auslöst, ist nach wie vor unbekannt.

Gesicherte Diagnose erst nach dem Tod, Ursache unbekannt

Die Art und Weise, wie sich die geistigen Einschränkungen äußern, lässt übrigens kaum Rückschlüsse auf die spezielle Form der Demenz zu. Mit den normalen Tests in der ärztlichen Praxis kann nur belegt werden, dass tatsächlich eine Demenz besteht. Im Gefolge intensiverer Untersuchungen und dem Ausschluss anderer Ursachen kann dann die spezifische Demenz-Diagnose Alzheimer angenommen werden.

Direkt beweisen lässt sie sich aber weder mit Blutwerten noch durch bildgebende Verfahren (Röntgen etc.). Dass geht nur auf der Zellebene durch eine Untersuchung von Gehirngewebe. Also erst nach dem Tod. Diese letzte Unsicherheit ist für das Gefühlsleben der Angehörigen zwar nicht unbedingt förderlich, hat aber für den Umgang mit dem Demenzkranken im praktischen Alltag keine Konsequenzen. Wichtig ist nur die Abgrenzung von Demenzformen mit behandelbaren Ursachen wie z.B. einer gestörten Durchblutung oder einem Tumor.

Größte Häufigkeit in der neunten Lebensdekade

Zwar kann die Alzheimer-Demenz auch in jüngeren Jahren auftreten. Als typische Erkrankung des Greisenalters tut sie das aber vor allem jenseits von 80 Jahren. Und sie tut es in den allermeisten Fällen „sporadisch“ – also ohne bekannte Ursache und ohne strikten Vererbungsvorgang. Abgesehen von der viel selteneren familiären, hauptsächlich genetisch bedingten Variante. Sie weist einen deutlich früheren Erkrankungsbeginn auf, oft schon zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr.

Die steigende Lebenserwartung dürfte jedenfalls ein Grund dafür sein, dass die Häufigkeit von Demenz und Alzheimer scheinbar laufend zunimmt. Hinzu kommt das stärkere medizinische und öffentliche Bewusstsein für dieses Syndrom. Schätzungen zufolge weist heute jeder fünfte über 85jährige Alzheimer-Symptome auf. Warum dem so ist und ob es früher – bei geringerer Lebenserwartung weniger auffällig – auch schon so war, ist unklar. Im Alter zwischen 65 und 75 Jahren liegt die Erkrankungswahrscheinlichkeit „nur“ bei 2 bis 6%.

Offiziellen Angaben zufolge sind in Deutschland gegenwärtig mehr als eine Million Menschen von einer Demenz betroffen. Bei 700.000 von ihnen handelt es sich um den Alzheimer-Typ. Jedes Jahr kommen etwa 120.000 Alzheimer-Diagnosen hinzu.

Schleichender Erkrankungsbeginn erschwert das Erkennen

Die Alzheimer-Demenz kann leider erst als solche erkannt werden, wenn die Hirnfunktion bereits in Mitleidenschaft gezogen worden ist und die ersten Symptome bemerkt werden. Es gibt keinen Screening-Test, der wie etwa bei manchen Krebsarten schon vorher die Gefahr erkennen könnte. Und auch das Erfassen der Symptome ist im frühen Erkrankungsstadium nicht einfach. Der Verlauf ist häufig so schleichend, dass die ersten Anzeichen selbst im engsten Umfeld des Betroffenen lange Zeit nicht erkannt werden.

Es sind keineswegs immer die Gedächtnisstörungen, die dabei als Erstes besonders auffallen. Auch deshalb, weil sie häufig aus Schamgefühl kaschiert werden. Kraft- und Energielosigkeit, Antriebsarmut, zunehmendes Desinteresse Neuem gegenüber und persönlicher Rückzug werden oft eher wahrgenommen. Typisch sind auch leichte Verwirrtheitszustände.

Andererseits tritt leichte Vergesslichkeit oder Zerstreutheit im Alter häufiger auf, ohne dass man ihnen deshalb gleich einen Krankheitswert beizumessen braucht. Es ist eher der Ausprägungsgrad und vor allem die Kombination von Veränderungen über mehrere Lebens- und Persönlichkeitsbereiche hinweg, die als Anlass zur ärztlichen Abklärung ernst genommen werden sollten. Denn trotz der immer noch begrenzten Kenntnisse und Möglichkeiten im Umgang mit der Alzheimer-Demenz gilt: Eine frühzeitige Behandlung kann den Verlauf relevant beeinflussen.

Die Demenz lässt sich verzögern, aber nicht heilen

Mit gezielten Übungen zur Konzentrations-, Gedächtnis- oder auch Rechenfähigkeit lässt sich der geistige Verfall relativ gut verzögen. Damit ist nicht das allseits beworbene und beliebte Gehirnjogging gemeint, das Menschen, die bereits dement sind, leicht frustrieren und dann in ihrer seelischen Not noch weiter beeinträchtigen kann. Vielmehr geht es um ein individuell angepasstes, nicht überforderndes Training – zuhause oder in der Gruppe, möglichst unter professioneller Anleitung.

Komplett aufhalten oder gar heilen lässt sich eine bestehende Alzheimer-Demenz mit diesem kognitiven Training leider nicht. Das gilt auch für die anderen Behandlungsmethoden, zu denen neben psycho- und soziotherapeutischen Verfahren diverse Medikamente zählen. Zum Einsatz kommen als Wirkstoffe vor allem Donepezil, Galantamin, Rivastigmin, Memantin oder pflanzliche Ginkgo-Präparate. Diese Antidementiva sollen sich günstig auf Gehirnstoffwechsel und -funktion, hemmend auf den Nervenzelluntergang und damit förderlich auf die Alltagsfähigkeiten der Patienten auswirken. Wunderdinge darf man sich davon nicht erwarten (auch wenn das in der pharmazeutischen Werbung den Ärzten gegenüber manchmal so klingt). Ob die Wirkung eventuell auftretende Nebenwirkungen rechtfertigt, ist letztlich – nach ausreichender Beobachtungsdauer – immer eine individuelle Entscheidung.

Neben den Antidementiva werden vielfach auch Mittel gegen Depressionen (Antidepressiva) und dämpfende Psychopharmaka (Neuroleptika) gegen Erregungszustände verschrieben. In beiden Fällen handelt es sich um häufige und belastende Begleiterscheinungen der Alzheimer-Demenz.

Erkrankungsverlauf kaum vorhersagbar – empathische Zuwendung von zentraler Bedeutung

Wie schwer und wie schnell eine Demenzerkrankung verläuft, lässt sich leider nicht zuverlässig abschätzen. Im Schnitt sind es etwa 7 Jahre von der Diagnosestellung bis zum Tod. Es können aber auch 20 Jahre sein. Insgesamt geht es also bei der Alzheimer-Behandlung vor allem darum, den Symptomen abmildernd oder vorbeugend entgegenzuwirken. Die Geistes- und Alltagskompetenz des Betroffenen soll, so gut es geht, gestärkt werden.

Von zentraler Bedeutung ist dabei eine verständnis- und liebevolle, aktivierende und reaktivierende Zuwendung zum Demenzkranken. Das ist auch gleichzeitig das Schwierigste und Anstrengendste. Im weiter fortgeschrittenen Erkrankungs- bzw. Pflegestadium ist damit nicht nur ein enormer Zeit- und Kraftaufwand verbunden. Der Umgang mit der dementen Person verlangt dem pflegenden Angehörigen auch ein Höchstmaß an Empathie ab – zum Einfühlen in die Defizite des Kranken und in seine noch vorhandenen Ressourcen.

Auch wenn es manchmal nicht leicht fällt: Es gilt, immer den Respekt gegenüber dem geliebten Menschen zu wahren. Auch wenn der vielfach nicht mehr so kann, wie er bzw. sie eigentlich wollte (und sollte). Ein Angehörigen-Kompetenztraining kann dabei helfen, von dieser Situation nicht überfordert zu werden.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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