Darmkrebs: Ursachen, Behandlung, Verlauf

Überblick

Darmkrebs ist eine der häufigsten Tumor- und Todesarten in den westlichen Industrienationen. Mittlerweile konnten einige Risikofaktoren identifiziert werden, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an Darmkrebs (kolorektales Karzinom) zu erkranken. Neben der genetischen Veranlagung zählen dazu unter anderem Ernährungs- und Lebensstilfaktoren.

Warnsignal: Blut im Stuhl

In den meisten Fällen verursacht Darmkrebs keine Beschwerden. Erst spät, oftmals wenn der Tumor bereits Metastasen gebildet hat, kommt es zu Leistungsabfall, Gewichtsverlust und Stuhlveränderungen. Das wohl deutlichste Warnzeichen Blut im Stuhl sollte daher besonders nach dem 55. Lebensjahr immer gründlich abgeklärt werden, da es hochgradig verdächtig ist, mit einem kolorektalen Karzinom in Verbindung zu stehen.

Die Diagnosesicherung erfolgt in der Regel durch einen Gastroenterologen, der neben einer Tastuntersuchung des Enddarms den Stuhl auf verstecktes Blut untersucht. Ergeben sich suspekte Befunde, wird eine Darmspiegelung angeschlossen, bei der eine Gewebeprobe (Biopsie) aus dem Darmgewebe gewonnen wird.

Kann ein kolorektales Karzinom nachgewiesen werden, wird zunächst die Ausdehnung des Tumors bestimmt. Anhand dieser kann anschließend entschieden werden, welche Behandlungsmethode die geeignetste ist. Im Vordergrund steht in jedem Fall die Operation, an die sich optional eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung anschließen kann. Der Therapieerfolg hängt entscheidend von dem Zeitpunkt der Diagnosestellung ab: Je früher, desto besser die Heilungschancen.

Häufigkeit & Verteilung

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 60.000 Menschen neu an Darmkrebs. Das kolorektale Karzinom ist dabei nach Prostata- und Lungenkrebs die dritthäufigste Krebsform des Mannes, die zweithäufigste Krebsform der Frau und insgesamt die zweithäufigste Krebstodesursache. Das typische Erkrankungsalter liegt nach dem 50. Lebensjahr, wobei früh auftretende Formen oftmals aggressiver verlaufen.

50% der kolorektalen Karzinome sind im Enddarm, im Bereich des Rektums, lokalisiert, die übrigen 50% verteilen sich auf die restlichen Bereiche des Dickdarms: 30% der Karzinome liegen im Kolon sigmoideum, je 10% im Querkolon bzw. im absteigenden Kolon und je 5% im aufsteigenden Kolon bzw. im Blinddarm. Die Lokalisationshäufigkeit steigt also mit der Entfernung von der Körpermitte an.

Ursachen

Die genauen Ursachen von Dick- und Enddarmkrebs sind noch nicht vollständig bekannt, es konnten jedoch eine ganze Reihe an Risikofaktoren ausfindig gemacht werden, die mit dem Auftreten von kolorektalen Karzinomen in Verbindung stehen. Die wichtigsten hierbei sind:

Genetische Erkrankungen mit Auswirkungen auf den Darm wie:

  • die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP)
  • das hereditäre nicht-polypöse Kolonkarzinom-Syndrom (HNPCC)
  • das Gardener-Syndrom
  • Familienmitglieder mit kolorektalen Karzinomen

Lebensstilfaktoren wie:

  • Rauchen
  • Alkohol
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • fleisch- und fettreiche, aber ballaststoffarme Ernährung

Andere Krankheiten, die mit einem erhöhten Risiko für kolorektale Karzinome behaftet sind, sind unter anderem:

  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn
  • Brust-, Eierstock-, oder Magenkrebs
  • Diabetes mellitus Typ 2

Alter: über 40 Jahre

Darmkrebs entsteht, wenn Zellen der Darmschleimhaut entarten und sich ungehemmt teilen. Die oben genannten Faktoren können diesen Prozess begünstigen, besonders wenn mehrere Risikofaktoren gleichzeitig vorliegen.

Dabei entsteht Darmkrebs in der Regel nicht plötzlich, sondern über einen langen Zeitraum hinweg. Meist vergehen Jahre, bis der Tumor bemerkbar wird und in andere Organe streut. Aus diesem Grunde sind Früherkennungsuntersuchungen sehr wichtig, da Vorstufen der Darmtumore erkannt und relativ unkompliziert entfernt werden können.

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Symptome

Sowohl Kolon- als auch Rektumkarzinome entstehen in den meisten Fällen schleichend über Jahre hinweg, ohne Beschwerden zu verursachen. Treten dann doch Symptome auf, sind diese oftmals sehr unspezifisch und werden anderen, eher wahrscheinlichen Ursachen zugeschoben.

Mögliche Beschwerden, die bei Darmkrebs auftreten können, sind:

1. Veränderungen des Stuhlganges:

  • Verstopfung und Durchfälle im Wechsel
  • Blutbeimengungen im Stuhl oder schleimige Blutauflagerungen
  • häufiger Stuhlgang bzw. häufig wechselnde Stuhlfrequenz
  • dünne, bleistiftartige Stühle
  • ungewollter Stuhlabgang, der oftmals im Zusammenhang mit Blähungen auftritt
  • übelriechende Stühle

2. Darmkrämpfe, die wiederholt und über einen längeren Zeitraum auftreten

 

3. Dunkel- bis Schwarzfärbung des Stuhles

 

4. allgemeine Symptome:

  • Gewichtsverlust, Fieber, Nachtschweiß
  • Leistungseinbuße
  • Müdigkeit, Blässe, Appetitlosigkeit

In der Hälfte der Fälle treten kolorektale Karzinome im Zusammenhang mit Hämorrhoiden auf. Aus diesem Grund sollten Blutabgänge mit dem Stuhl auch beim Vorliegen eines Hämorrhoidalleidens immer in einer Darmspiegelung untersucht werden. Nur so kann ein Kolonkarzinom sicher ausgeschlossen werden.

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Diagnose

Liegen Symptome wie Gewichtsverlust, Veränderungen des Stuhlganges oder Blut im Stuhl vor, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen. In einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) fragt dieser Risikofaktoren für ein kolorektales Karzinom ab und erkundigt sich nach an Darmkrebs erkrankten Familienmitgliedern.

Gründliche Untersuchung

Im Anschluss erfolgt eine vollständige körperliche Untersuchung, bei der unter anderem Ihr Bauch abgehört und abgetastet wird und zu der eine Tastuntersuchung des Enddarms (digital-rektale Untersuchung) gehört. Auch eine labordiagnostische Blutuntersuchung sollte beim ersten Arztkontakt durchgeführt werden. Einzelne veränderte Werte (wie beispielsweise eine Blutarmut) können die Verdachtsdiagnose Darmkrebs stärken.

Mithilfe eins Haemoccult-Tests® (Guajak-Test) kann Blut im Stuhl nachgewiesen werden, was ein Hinweis auf ein kolorektales Karzinom sein kann. Der Test wird in der Regel im Anschluss an den Arztbesuch selbstständig Zuhause durchgeführt: An drei aufeinander folgenden Tagen muss dabei eine kleine Menge Stuhl auf ein Filterpapier gestrichen und anschließend mit Wasserstoffperoxid betropft werden. Befindet sich im Stuhl Blut, färbt sich das Wasserstoffperoxid auf dem Filterpapier blau. Der Test kann einen Hinweis auf Darmkrebs geben, allerdings kann er auch nach dem Verzehr von rohem Fleisch oder bei Blutungen in Speiseröhre, Magen oder aus Hämorrhoiden positiv ausfallen.

Koloskopie schafft Gewissheit

Erachtet Ihr behandelnder Arzt ein kolorektales Karzinom anhand der oben aufgeführten Untersuchungen als wahrscheinlich, wird er Ihnen eine Darmspiegelung (Koloskopie) empfehlen bzw. Sie direkt zu einem Gastroenterologen überweisen, der weitere Untersuchungen vornimmt.

Die Koloskopie ist der Goldstandard der Darmkrebsdiagnostik. Mithilfe dieser Methode kann der gesamte Dickdarm auf Veränderungen untersucht werden. Eine Darmspiegelung kann ambulant in einer Arztpraxis oder Klinik durchgeführt werden, ein stationärer Aufenthalt ist in der Regel nicht notwendig.

Zur Vorbereitung ist es wichtig, dass Ihr Darm komplett leer ist. Aus diesem Grund müssen Sie am Tag vor der Untersuchung ein in Wasser gelöstes Abführmittel trinken, das den Darm reinigt und seine Entleerung beschleunigt. Am Tag der Untersuchung dürfen Sie nichts essen und nur wenig klare Flüssigkeit trinken, damit der Untersucher den Darm vollständig einsehen kann. Wenn Sie Angst vor der Untersuchung haben, wenden Sie sich im Vorgespräch an Ihren behandelnden Arzt. Er wird Ihnen kurz vor dem Eingriff ein leichtes Beruhigungsmittel verabreichen, das für Müdigkeit und Entspannung sorgt.

Reise durch den Darm

Während der Untersuchung führt der Arzt Ihnen einen biegsamen Schlauch (Koloskop) von rektal in den Darm ein. An der Spitze des Schlauches befinden sich eine kleine Lichtquelle sowie eine Kamera, die an einen Monitor im Behandlungsraum angeschlossen ist. So kann der Arzt den gesamten Dickdarm einsehen und gleichzeitig aus verschiedenen, verdächtig erscheinenden Darmabschnitten Proben entnehmen (Biopsie), um diese anschließend histologisch (unter dem Mikroskop) zu untersuchen. Weiterhin können kleine Aussackungen aus der Darmschleimhaut (Polypen) direkt entfernt werden. Polypen sind gutartig, können sich über viele Jahre jedoch zu Darmkrebs entwickeln.

Alles in allem dauert eine Darmspiegelung nicht länger als 25 Minuten. Verschiedene Komplikationen wie Verletzung der Darmwand oder Blutungen treten nur sehr selten auf. In vielen ambulanten Zentren erklärt Ihnen Ihr Arzt direkt nach der Untersuchung den erhobenen Befund.

Weiterführende Untersuchungen nach der Diagnose

Bestätigt sich während der Eingangsuntersuchungen die Diagnose Krebs in Kolon oder Rektum, müssen weitere Untersuchungen stattfinden, um das Stadium der Erkrankung zu bestimmen. Es soll dabei herausgefunden werden, an welchen Stellen der Tumor lokalisiert ist, wie tief er in die Darmwand eindringt und ob er bereits Absiedlungen (Metastasen) in anderen Organen gebildet hat. Typische Lokalisationen von Metastasen sind Leber und Lunge.

Folgende Untersuchungen können für das Staging, die Klassifizierung der Tumorausdehnung, durchgeführt werden:

  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes bzw. der Leber zur Erkennung von Lebermetastasen
  • Röntgenuntersuchung des Brustkorbes zur Erkennung von Lungenmetastasen
  • Ultraschalluntersuchung der Darmwand, um die Tumortiefe abzuschätzen
  • Bestimmung des Tumormarkers CEA (Carcinoembryonales Antigen) aus dem Blut. Der Wert ist bei Darmkrebs in vielen Fällen erhöht, kann aber auch bei anderen Erkrankungen verändert sein und stellt damit keinen Beweis für das Vorliegen der Erkrankung dar. Er kann jedoch im Verlauf immer wieder bestimmt werden, wobei ein Absinken des Wertes für einen Therapieerfolg spricht.

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Fragen und Antworten rund um Früherkennung und Diagnostik

Stadien

Die Stadieneinteilung des kolorektalen Karzinoms erfolgt nach der TNM-Klassifikation, die eine weltweit verbreitete Methode zur systematischen Einteilung von bösartigen Tumorerkrankungen ist. Die TNM-Klassifikation erlaubt dabei eine Einschätzung der Prognose des jeweiligen Krebsgeschwürs und bietet einen wichtigen Baustein bei der Wahl der geeigneten Therapie.

T, N und M stehen für:

  • T (= Tumor): die Ausdehnung und das Verhalten des Tumors
  • N (= Nodus): den Befall von regionalen (nahe am Tumor gelegenen) Lymphknoten
  • M (= Metastaste): das Vorhandensein von tumorfernen Metastasen (Fernmetastasen)

Die den Buchstaben nachstehenden Zahlen geben jeweils Aufschluss über Größe des Tumors sowie über das Befallsmuster der Lymphknoten.

TNM-Klassifikation des kolorektalen Karzinoms

Tis Der Tumor befindet sich nur an der inneren Oberfläche der Darmwand (< 1/3 der Darmwand ist vom Tumor befallen).
T1 Der Tumor ist bereits ins mittlere Drittel der Darmwand vorgedrungen.
T2 Der Tumor ist bis in das letzte Drittel der Darmwand vorgedrungen.
T3 Der Tumor überschreitet die Darmwand und hat das umgebende Fettgewebe befallen.
T4 Der Tumor hat die Darmwand überschritten und das Bauchfell (T4a) oder andere Organe (T4b) befallen.
N1 1-3 regionale Lymphknoten sind befallen.
N2a 4-6 regionale Lymphknoten sind befallen.
N2b > 7 regionale Lymphknoten sind befallen.
M1a Fernmetastasen finden sich in nur einem Organ (beispielsweise der Leber).
M1b Fernmetastasen finden sich in mehr als einem Organ (beispielsweise Lunge und Leber).

UICC-Klassifikation der Tumorstadien

Die UICC-Klassifikation fasst die unterschiedlichen Ausprägungen bzw. Kombinationsmöglichkeiten der TNM-Klassifikation zusammen und hilft bei der therapeutischen Entscheidungsfindung. Je nach dem, wie groß der Tumor ist, wie viele Lymphknoten befallen sind und ob es Fernmetastasten gibt, kann entschieden werden, welcher Therapieansatz verfolgt werden soll, welche Therapiemethoden angewendet werden und ob eine Heilung angestrebt wird (kurativer Ansatz) oder eine Lebensverlängerung bzw. eine Verbesserung der Lebensqualität durch die Therapie erreicht werden soll (palliativer Ansatz).

Stadium 0 Tis
Stadium I T1-T2 N0 M0
Stadium IIA T3 N0 M0
Stadium IIB T4a N0 M0
Stadium IIC T4b N0 M0
Stadium IIIA T1-2 N1 M0
T1 N2a M0
Stadium IIIB T3-T4a N1 M0
T2-T3 N2a M0
T1-T2 N2b M0
Stadium IIIC T4a N2a M0
T3-T4b N2b M0
T4b N1 M0
Stadium VIA jedes T jedes N M1a
Stadium VIB jedes T jedes N M1b

 

Einige Beispiele finden Sie hier:
Fragen und Antworten zu den verschiedenen Stadien von Darmkrebs

Behandlung

Individuell zugeschnittene Therapie

Die Therapie des kolorektalen Karzinoms richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung sowie nach Ihrem Allgemeinzustand. In frühen Stadien reicht es oftmals aus, den Tumor lokal zu entfernen, während in späteren Stadien Operation und Chemotherapie oftmals kombiniert eingesetzt werden müssen. Zu Beginn der Behandlung muss immer auch entschieden werden, ob eine Therapie zur Heilung (kurative Intention) führen oder die Überlebenszeit nur verlängern soll (palliative Intention).

Wichtige Parameter, die in die therapeutische Entscheidung miteinfließen, sind:

  • die Wachstumsgeschwindigkeit (Aggressivität) des Tumors
  • wie weit der Tumor sich im umliegenden Gewebe ausgebreitet hat
  • ob Metastasen gefunden wurden
  • wo der Tumor lokalisiert ist (Kolon- oder Rektumkarzinome)

1. Therapie des Rektumkarzinoms

Die folgende Tabelle liefert einen Überblick über die einzelnen Therapieformen des Rektumkarzinoms in den jeweiligen UICC-Stadien. Die genaue Erklärung der Begrifflichkeiten findet sich nachstehend.

UICC-Stadium Therapie
0 Entfernung des oberflächlich veränderten Darmgewebes nur lokal durch den Anus (transanale Lokalexzision)
I je nach Aggressivität des Tumors: transanale Lokalexzision oder teilweise bzw. vollständige Entfernung des Rektums (Rektumresektion)
II vorausgehende Bestrahlung und Chemotherapie mit anschließender Rektumresektion, gefolgt von einer weiteren Gabe Chemotherapie
III vorausgehende Bestrahlung und Chemotherapie mit anschließender Rektumresektion, gefolgt von einer weiteren Gabe Chemotherapie
VIa vorausgehende Bestrahlung und Chemotherapie mit anschließender Rektumresektion und Entfernung der einzelnen Metastase, gefolgt von einer weiteren Gabe Chemotherapie
VIb palliative Chemotherapie mit transanaler Lokalexzision zur Erleichterung des Stuhlgangs

 

Die Therapie des Rektumkarzinoms kann folgende Teilschritte umfassen:

  • neoadjuvante Chemotherapie (Chemotherapie vor der Operation zur Tumorverkleinerung)
  • Operation
  • adjuvante Radiochemotherapie (kombinierte Chemo- und Strahlentherapie im Nachgang zur Operation)

Nicht jedes Therapieschema umfasst dabei alle genannten Teilschritte. Die Therapie wird in den meisten Fällen sehr individuell gewählt und richtet sich nach den oben genannten Tumormerkmalen sowie Ihrem Allgemeinzustand.

Manchmal hilfreich: Behandlung im Vorfeld der Operation

Eine neoadjuvante Chemotherapie wird in der Regel in den UICC Stadien II und III durchgeführt. Unter der Therapie verkleinert sich der Tumor in vielen Fällen deutlich, was die Wahrscheinlichkeit für ein Wiederauftreten des Tumors nach Abschluss der Behandlung um bis zu 50% senken kann. Typische Chemotherapeutika, die zur Behandlung des Kolonkarzinoms eingesetzt werden, sind dabei:

  • Fluoruracil (5-FU)
  • Oxaliplatin
  • Folinsäure
  • Capecitabin

Bis auf Capecitabin, das auch als Tablette eingenommen werden kann, müssen die Medikamente über die Vene gegeben und damit im Krankenhaus verabreicht werden. Klassische Nebenwirkungen sind Haarausfall, Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle und Blutbildveränderungen, die bei allen der genannten Medikamente auftreten können.

Der gesamte Krebs muss raus

Im Anschluss an die neoadjuvante Chemotherapie erfolgt die Operation. Die Operation ist das wichtigste therapeutische Mittel zur Behandlung von Darmkrebs. Während in frühen Krankheitsstadien ausschließlich das Tumorgewebe abgetragen wird (transanale Lokalexzision in den UICC-Stadien 0 und I), müssen in späteren Stadien ganze Darmabschnitte (Darmresektion) mit samt umgebenden Lymphknoten, Lymphbahnen und Blutgefäßen entfernt werden.

Ziel ist dabei immer, verändertes Gewebe zu erkennen und vollständig zu entfernen, indem ein Teil des Dickdarms entfernt wird. Im selben Operationsgang können dann die offenen Darmenden miteinander vernäht werden, sodass der Darm wieder ein durchgehendes Kontinuum darstellt (sogenannte End-zu-End-Anastomose).

Erhalt der Kontinenz je nach Lage des Tumors

Beim Rektumkarzinom ist es dabei wichtig, die Funktion des Schließmuskels zu erhalten, der sich nahe am Darmausgang befindet und für die Kontinenz verantwortlich ist. Hin und wieder kommt es vor, dass der Tumor zu nah am Schließmuskel gelegen, oder dass dieser sogar mit befallen ist. Dann ist eine Entfernung zwingend erforderlich. Da eine Stuhlkontrolle ohne Schließmuskel nicht möglich ist, muss dauerhaft ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter) gelegt werden. Dabei wird der gesunde Teil des Darms, der sich vor der operierten Stelle befindet, durch die Bauchhaut nach außen verlagert und mit einem wechselbaren Beutel abgedichtet.

Ein künstlicher Darmausgang kann auch vorübergehend zur besseren Wundheilung angebracht werden. Nach Abheilung des Operationsgebietes wird der Darm dann in einer zweiten Operation wieder in den Bauch zurückverlegt und die ursprüngliche Darmpassage so wieder möglich gemacht.

Hier können Sie sich näher informieren:
Fragen und Antworten zum künstlichen Darmausgang

Im Anschluss an die Tumoroperation kann eine Bestrahlung, eine Chemotherapie oder eine Kombination beider Behandlungsmethoden (Radiochemotherapie) erfolgen. Ohne neoadjuvante Radiochemotherapie kann im UICC-Stadium II vier bis sechs Wochen nach der Operation eine Radiochemotherapie angeschlossen werden. Wurde eine neoadjuvante Radiochemotherapie durchgeführt, sollte immer eine adjuvante Chemotherapie anschlossen werden. Alle anderen möglichen Fälle müssen individuell entschieden werden und lassen sich nicht anhand eines Schemas ablesen.

2. Therapie des Kolonkarzinoms

Operation immer an erster Stelle

Im Gegensatz zum Rektumkarzinom wird am Kolon in der Regel direkt, also ohne vorhergehende Chemotherapie, operiert. Alle Tumoren, die entweder keine oder ausschließlich operable Leber- bzw. Lungenmetastasen aufweisen, werden in kurativer Intention entfernt. Dabei wird, ähnlich wie beim Rektumkarzinom, der betroffene Darmabschnitt entfernt und die beiden offenen Enden in einer End-zu-End-Anastomose miteinander verbunden, um die ursprüngliche Darmpassage wiederherzustellen.

Die Anlage eines Anus praeter erfolgt in der Regel nur vorübergehend, um das frisch operierte Darmsegment zu entlasten. Eine Rückverlagerung des Darms sowie eine Stuhlkontrolle sind in den meisten Fällen problemlos möglich. Kann der Tumor durch eine Operation nicht entfernt werden (UICC-Stadium IV), kann ein dauerhafter Anus praeter gelegt und eine palliative Chemotherapie angeschlossen werden.

Nach der Operation

Im Anschluss an die Operation wird in vielen Fällen eine Chemotherapie durchgeführt. Immer sollte sie im Stadium III nach UICC-Klassifikation erfolgen, optional bzw. nach individueller Abwägung in den Stadien IIa und IIb. In den Stadien 0 und I ist eine Chemotherapie nicht notwendig; der Krebs kann durch die Operation allein besiegt werden.

Im Stadium IV hingegen kann auch durch die Kombination von Operation und Chemotherapie keine Heilung mehr erreicht werden. In diesem Fall beschränkt sich die Behandlung auf eine Operation zur Erhaltung der Darmpassage und eine palliative Chemotherapie, die eine Verlängerung des Lebens, jedoch keine vollständige Heilung mehr erreichen kann.

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Wissenswertes zur stadienabhängigen Behandlung

Nachsorge

Nach Abschluss der Krebstherapie und Entlassung aus dem Krankenhaus müssen in regelmäßigen Abständen Nachsorgeuntersuchungen stattfinden, um ein Tumorrezidiv frühzeitig zu erkennen. Die Nachsorgetermine sollten in festgelegten Abständen erfolgen, die sich nach der Erkrankungsschwere und dem Operationserfolg richten. In der Regel liegen zu Beginn der Nachsorge nur kurze Abstände zwischen den einzelnen Terminen. Im Laufe der Zeit werden sich diese Abstände jedoch verlängern.

Ein typischer Nachsorgetermin kann einige der hier aufgeführten Bestandteile enthalten:

  • ausführliche Anamnese
  • körperliche Untersuchung mit Schwerpunkt auf das Operationsgebiet
  • regelmäßige Darmspiegelungen
  • Ultraschalluntersuchungen des Bauchraumes und insbesondere der Leber
  • bei CEA-positivem Vorbefund kann der Tumormarker zur Verlaufskontrolle eingesetzt werden
  • Röntgen oder ein CT der Lunge bei Verdacht auf Metastasen in der Lunge

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Fragen und Antworten rund um das Thema Nachsorge

Verlauf

Die meisten Darmkrebsarten entwickeln sich zunächst langsam, nehmen dann jedoch einen aggressiven Verlauf. Aus diesem Grund ist eine frühzeitige Diagnose und Therapie des kolorektalen Karzinoms sehr wichtig. Denn je früher der Krebs erkannt wird, desto besser ist die Prognose: Während frühe Formen nahezu immer geheilt werden können, besteht beim metastasierten Darmkrebs nur noch eine geringe Chance auf Heilung.

Vorsorge lohnt sich!

Gemessen an der jährlich registrierten Anzahl an neu aufgetretenen Darmkrebsfällen geht die Sterberate seit einigen Jahren kontinuierlich zurück. Grund dafür sind eingeführte Screeningmaßnahmen, die jedem Krankenversicherten ab dem 50. Lebensjahr jedes Jahr zustehen. Die Vorsorgeuntersuchung umfasst einen Tastuntersuchung des Enddarms (digital-rektale Untersuchung) sowie einen Test auf Blut im Stuhl. Alternativ kann ab dem 55. Lebensjahr auch alle 10 Jahre eine Darmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt werden. Sie sollten mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen, ob Sie eine Vorsorgeuntersuchung wünschen und welche Form die geeignete für Sie ist.

Mehr dazu finden Sie hier:
Fragen und Antworten zu Verlauf und Prognose

Prävention

Es gibt eine Reihe an Faktoren, die Sie selbst beeinflussen und so das Risiko für Darmkrebs senken können. Dazu zählen unter anderem:

  • eine gesunde, ausgewogene Ernährung, die reich an Ballaststoffen und Vollwertprodukten sowie fettreduziert ist
  • eine Verringerung des Fleisch- sowie eine Erhöhung des Gemüsekonsums
  • Rauchverzicht
  • eine Reduktion von Übergewicht
  • regelmäßige körperliche Aktivität

Andere Risikofaktoren, wie beispielsweise Verwandte ersten Grades mit Darmkrebs oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, sind nicht beeinflussbar.

Dennoch können Sie etwas tun! Achten Sie auf Stuhlveränderungen wie Blut im Stuhl, Änderungen der Stuhlgewohnheiten, Leistungsabfall, Müdigkeit oder Gewichtsabnahme. Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Ihnen etwas anders als gewöhnlich erscheint, und nehmen Sie auch die Vorsorgeuntersuchungen wahr!

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Wie Sie Darmkrebs vorbeugen können

 

Autorin: Lisa Wunsch

Quellen

S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, DKG Krebsgestellschaft, Deutsche Krebshilfe: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-007OLk_S3_KRK_2014-08_verlaengert.pdf, zuletzt aufgerufen: 10.06.17.

Zentrum für Krebsregisterdaten, RKI: http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_node.html, zuletzt aufgerufen am 10.06.2017.

J. Siewert: Chirurgie, Springer Verlag, 2006.

G. Herold: Innere Medizin, Herold Verlag, 2017.

 

Kommentar: Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Darmkrebs

Darmkrebs ist heute in vielen Fällen heilbar. Und selbst in fortgeschrittenen Fällen hat sich die Lebenserwartung deutlich verbessert. Das liegt zum einen an den Vorsorgeuntersuchungen und der gut funktionierenden Früherkennung, zum anderen an verbesserten therapeutischen Möglichkeiten.

Dritthäufigste Krebsart in Deutschland

Jedes Jahr erhalten über 60.000 Menschen in Deutschland die Diagnose Darmkrebs. Dabei geht es meistens um den Dickdarm, der damit den dritthäufigsten Entstehungsort für Tumoren im Körper ausmacht. Ein mehrheitlich bevorzugter Ort sind die unteren Darmabschnitte (Rektum und Sigma). Laut Statistik werden mehr als 6 von 100 Deutschen im Laufe ihres Lebens vom Darmkrebs in Mitleidenschaft gezogen. Die meisten von ihnen (90%) sind dann älter als 50 Jahre. Die Erstdiagnose wird durchschnittlich am häufigsten im Alter von 65 Jahren gestellt.

Viele Darmkrebsfälle könnten vermieden werden

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Das Gefährliche am Darmkrebs ist: Er macht sich lange Zeit nicht bemerkbar. Das gilt auch für andere Tumoren. Aber nicht alle sind so leicht vermeidbar wie der Darmkrebs. Die Zahl der Betroffenen könnte aller Wahrscheinlichkeit nach deutlich niedriger sein,

  • wenn mehr Menschen auf einen gesünderen Lebens- und Ernährungsstil achten würden. Unser Immunsystem ist laufend und überall im Körper mit der Eliminierung von Krebszellen und solchen, die es werden könnten, beschäftigt. Deshalb sollte es uns ein Anliegen sein, die Risikofaktoren für Entartungen der Dickdarmschleimhaut zu minimieren und die eigenen Abwehrkräfte zu fördern. Das geht, wie den meisten von uns mehr oder weniger bewusst ist, vor allem über eine gesunde, u.a. ballaststoffreiche Ernährung, Nikotinverzicht, weniger  Alkohol und dafür mehr Bewegung, guten Schlaf und einen achtsamen, stressreduzierenden Lebenswandel.
  • wenn mehr Menschen die empfohlene Darmkrebsvorsorge stärker in Anspruch nähmen. Darmkrebs kann erfreulicherweise durch ärztliches Eingreifen vermieden werden. Nämlich dann, wenn er bereits in der Vorstufe, als noch gutartiger Darmpolyp (Adenom) im Rahmen einer Darmspiegelung entfernt wird.

Sehr gute Heilungsaussichten im Frühstadium – aber meist erst später erkannt

Und selbst dann, wenn sich bereits ein Kolonkarzinom gebildet hat, ist eine vollständige Heilung möglich. Das gilt aber vor allem zu Beginn des Krankheitsverlaufs. Im Stadium I liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei etwa 95%, im Stadium IV nur noch bei 5%, immer abhängig von verschiedenen individuellen Faktoren.

Die traurige Nachricht ist: Die mittlere 5-Jahres-Überlebensrate liegt nur bei 40-60%. Warum? Weil der häufigste Befund bei Diagnosestellung dem Stadium III entspricht. Der Befund lautet im Fachjargon „T3 N+“. Das bedeutet, dass der örtliche Tumor schon recht groß ist (T3) und bereits ein Lymphknotenbefall besteht (N+). Damit ist zwar noch lange kein Todesurteil für den Betroffenen gesprochen. Mit einer bloßen Operation wie im Frühstadium ist es dann aber nicht mehr getan.

Das medizinische Vorgehen sieht in diesem Fall regelhaft eine Chemotherapie im Anschluss an die OP vor. Manchmal auch schon vorher (medizinisch: neoadjuvant), um den Tumor zu verkleinern. Die Chemotherapie wird eingesetzt, um den chirurgischen Eingriff zur kompletten Tumorentfernung (Sanierung) zu unterstützen. Das wird in fortgeschritteneren Stadien als erforderlich betrachtet, um verbliebene Krebsreste bzw. zerstreute Krebszellen unschädlich zu machen, die für den Operateur nicht als solche erkennbar sind. Unter Umständen wird der Einsatz der Krebsmedikamente mit einer Bestrahlung kombiniert (Radiochemotherapie). Geht es bei ungünstigen Heilungsaussichten vor allem um die Linderung von Beschwerden, spricht man von einer palliativen Chemotherapie.

Entscheiden Sie sich in Ruhe für das beste Behandlungsangebot

Wenn Sie die Diagnose Darmkrebs erhalten haben, ist das natürlich ein Schock, der erst einmal verdaut werden muss. Das braucht Zeit, ebenso wie das anschließende Einholen wichtiger Informationen. Die Krankenkassen unterstützen übrigens Ihren Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung, indem sie sie bezahlen.

In dieser Situation ist es für Sie wichtig zu wissen: Ein Darmkrebs wächst in aller Regel langsam und ist, bis auf wenige Ausnahmen, kein Notfall. Lassen Sie sich deshalb bei den nun anstehenden Entscheidungen nicht unter Druck setzen. Vor allem nicht bei der Auswahl eines geeigneten Krankenhauses. Es ist wissenschaftlich belegt, dass der Heilungserfolg mit der Qualität und Erfahrung des Chirurgen steigt.

Die größte Behandlungserfahrung und die höchsten Qualitätsstandards finden Sie normalerweise in einem zertifizierten Darmkrebszentrum. Die gebündelte Kompetenz ist auch notwendig, wenn Ihr Darmkrebs bereits Metastasen ausgebildet hat. Eine Heilung ist dann zwar erschwert, aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Die besten therapeutischen Möglichkeiten sollten zumindest als Option verfügbar sein.

Wie geht es ohne Dickdarm?  Und mit künstlichem Darmausgang?

Natürlich steht bei der Operation neben der Krebsentfernung das Ziel im Vordergrund, möglichst viel vom Darm und den normalen Verdauungsabläufen zu erhalten. Das gelingt aber nicht immer. Mitunter muss mehr oder weniger der komplette Dickdarm entfernt und manchmal auch ein künstlicher Darmausgang gelegt werden. Das geht und wird in vielen Fällen nach erfolgter Eingewöhnung weniger dramatisch empfunden als zunächst befürchtet. Natürlich stellen sich aber auch hier viele Fragen. Kann man nach Entfernung des Dickdarms noch "normal" leben? Kann ein künstlicher Darmausgang auch wieder rückgängig gemacht werden?

Antworten auf diese und viele weitere Fragen rund um den Darmkrebs, seine Behandlung und Nachsorge und natürlich zur empfehlenswerten Vorsorge finden Sie auf diesem Portal. Wir hoffen, Ihnen damit weiterhelfen zu können und freuen uns auf Ihre Kommentare und ggf. weitere Fragen.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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