COPD und Lungenfibrose: die wichtigsten Fragen und Antworten

Die Erkrankung COPD war bis vor wenigen Jahren noch praktisch unbekannt. Dabei gibt es die COPD schon lange, sie lief nur früher eher unter den Bezeichnungen "chronische Bronchitis" oder "Raucherlunge".

COPD ist das Kürzel für „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“ (englisch: chronic obstructive pulmonary disease). Im medizinischen Fachjargon bedeutet das zunächst einmal, dass es um ein langwieriges bis lebenslanges Krankheitsgeschehen geht, bei dem vor allem die Atemwege eingeengt sind. COPD umfasst als Sammelbegriff eine Gruppe von Krankheiten, die typischerweise Auswurf,  Husten und Atemnot verursachen. Im Vordergrund stehen dabei die chronisch-obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem. Bei beiden ist vor allem die Ausatmung beeinträchtigt.

Im Volksmund wird die COPD häufig gleichgesetzt mit der „Raucherlunge“ oder dem „Raucherhusten“ als deren Hauptsymptom. Das trifft es allerdings nicht ganz. Die COPD wird oft durch den Zigarettengenuss (inklusive Passivrauchen) verursacht, aber nicht immer – etwa 20% der Betroffenen sind Nichtraucher. Möglicherweise spielt in Entwicklungsländern sogar die Umweltverschmutzung eine noch größere Rolle. Als weitere mögliche Ursachen gelten vor allem akute sowie ständig wiederkehrende Atemwegsinfekte, ferner berufliche Belastung, Vererbung und Ernährung.

Risikofaktoren vermeiden: Weg mit der Kippe!

Wenn Sie Raucher sind oder andere von den oben genannten Risikofaktoren aufweisen, ist es ratsam, frühzeitig einen Lungenfunktionstest durchführen zu lassen, wenn Atemprobleme und Husten auftreten. Denn umso früher diese Erkrankung entdeckt wird, umso größer die Chancen auf Heilung.

Am Anfang aller Maßnahmen steht das Vermeiden bekannter Risikofaktoren – also weg mit der Kippe! Die hauptsächlichen Therapieziele bestehen dann in einer Linderung der Beschwerden, einem Aufhalten bzw. Verlangsamen des Krankheitsgeschehens und einer Vermeidung plötzlicher Verschlimmerungen (akuter Exazerbationen). Zudem sollen die Belastbarkeit und die Lebensqualität verbessert werden. Basis der Behandlung sind Medikamente zur Weitstellung der Bronchien (meist in Spray-Form) und gegen Entzündungsprozesse (v.a. Kortison-Sprays, auch PDE-4-Hemmer).

Neben verschiedenen atemunterstützenden Maßnahmen gehören auch operative Eingriffe zur Verkleinerung des Lungenvolumens zum Behandlungsspektrum. In  den  letzten  Jahren  hat es einige pharmazeutische und endoskopisch-operative Fortschritte in der COPD-Therapie gegeben. Für den Erfolg eines frühzeitigen Eingreifens mehren sich die Hinweise.

Letzter Ausweg und einzige Chance auf Heilung: die Lungentransplantation

Die letzte therapeutische Option bei COPD ist die Lungentransplantation. Wenn alles gut geht, ist damit eine echte Heilung möglich. Der in Frage kommende Patientenkreis ist allerdings sehr klein. Man darf dafür nicht zu alt und nicht mit weiteren Erkrankungen belastet sein. Das Aufkommen an Spenderorganen ist gering, der Eingriff schwierig.

Ähnlich, aber anders: die Lungenfibrose

Das gilt in gleicher Weise bei der idiopathischen Lungenfibrose. Deren Ursache ist unbekannt (dafür steht das medizinische Wort „idiopathisch“). Im Gegensatz zu Lungenfibrosen in Folge bekannter Auslöser, wie z.B. dem Einatmen von

  • Quarzstaub
  • Asbeststaub
  • Gase
  • Dämpfe
  • Haarspray
  • Tabakrauch

Weitere bekannte Ursachen der Lungenfibrose sind Pflanzenschutzmittel, bestimmte Arzneimittel, Lungenschäden durch Herz-Kreislauf-Krankheiten oder andere Systemerkrankungen.

Bei einer Lungenfibrose besteht keine Einengung der Atemwege (Obstruktion) wie bei der COPD. Sondern eine Vernarbung der Lunge durch Veränderungen an den Lungenbläschen und im Zwischenraumgewebe. Der Bindegewebsvermehrung liegen wohl eher überschießende Reparaturvorgänge zugrunde als entzündliche oder immunologische Prozesse. Folglich helfen hier Kortison & Co auch nicht wirklich.

Bis vor kurzem war deshalb die Sauerstofftherapie mit tragbaren Beatmungsgeräten die einzige erfolgversprechende Maßnahme zur Beschwerdelinderung. Mittlerweile stehen seit 2011 bzw. 2015 mit Pirfenidon (Esbriet®) und Nintedanib (Ofev®) zwei neuentwickelte Medikamente zur Verfügung. Sie können zwar wie die Sauerstofftherapie keine Heilung herbeiführen, aber durch den direkten Eingriff in den Vernarbungsvorgang möglicherweise dessen Fortschreiten bremsen.

Nikotinverzicht, körperliches Training und Impfungen

Wie bei allen Lungenerkrankungen werden den Patienten ärztlicherseits drei Maßnahmen besonders ans Herz gelegt: der Abschied vom Rauchen (z.B. in einer Raucherambulanz), körperliches Training (z.B. in einer Lungensportgruppe) und regelmäßige Impfungen (gegen Grippeviren und Pneumokokken).

Übrigens: Glaubt man den Schätzungen, handelt es sich bei der COPD um eine Volkskrankheit: mit bis zu 6 Millionen Erkrankten in Deutschland, 16 Millionen in den USA und 600 Millionen weltweit. Das wären dann fast 10% der menschlichen Erdenbewohner. Weltweit rangiert COPD unter den Todesursachen nach Herzinfarkt und Schlaganfall ganz oben. Im Unterschied zu den anderen Top Ten der tödlichen Krankheiten nimmt sie als einzige an Häufigkeit zu.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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