Muss eine Borderline-Störung immer stationär behandelt werden?

Nein, Menschen mit Borderline-Störung können häufig ambulant behandelt werden. Das hängt auch davon ab, wie schwer die aktuellen Probleme und Beschwerden wiegen.

Wenn möglich: Ambulant vor stationär

Da die Therapie einer Borderline-Persönlichkeitsstörung meist über einen längeren Zeitraum von Monaten bis Jahren verläuft, findet ein Großteil der Behandlung oder auch die gesamte Therapie in der Regel im ambulanten Bereich statt.

Das ist auch deshalb sinnvoll, weil es bei der Behandlung vor allem darum geht, Probleme im Alltag zu bewältigen und das theoretisch Erlernte unter ganz normalen Bedingungen einzuüben. Im stationären Rahmen ist das nur bedingt möglich.

Daher ist eine ambulante Versorgung grundsätzlich vorzuziehen und sollten Aufenthalte in psychiatrischen Einrichtungen möglichst kurz gehalten werden.

Bei Suizidalität immer stationär

Manchmal lassen sie sich jedoch nicht vermeiden. Bei drohender Suizidalität oder anderen, nicht mehr beherrschbaren Krisen, die zur Selbstgefährdung des Betroffenen führen können, ist eine stationäre Behandlung unumgänglich. Möglicherweise kann es auch sinnvoll sein, zur Entlastung vorübergehend Medikamente einzusetzen. Auch das ist im stationären Setting leichter und kann besser kontrolliert werden.

Und schließlich können auch zusätzliche Begleiterkrankungen wie Alkohol- oder Drogenabhängigkeit oder eine Essstörung eine stationäre Aufnahme erforderlich machen.

Der Vorteil einer stationären Versorgung liegt neben den besseren Möglichkeiten zur Krisenintervention auch in den multimodalen Behandlungskonzepten und den hochspezialisierten Behandlungsteams. In einer psychiatrischen Klinik werden Betroffene umgehend betreut, erhalten regelmäßig therapeutische Gespräche und haben eine vielfältige Auswahl an sportlichen Aktivitäten und künstlerischen Angeboten. Ein Sozialarbeiter steht für berufliche und sonstige Belange im Umfeld der Betroffenen zur Verfügung.

Außerdem kann man sich mit anderen Menschen austauschen, die unter derselben oder einer anderen Erkrankung leiden. Das kann sehr entlastend sein. Oft entwickeln sich in einer Klinik Kontakte, die über den stationären Aufenthalt hinaus bestehen bleiben.

Ambulante Versorgung oft unzureichend

Wenn sich ein Mensch mit einer Borderline-Störung nach einer Krisenintervention im stationären Umfeld stabilisiert hat, wird eine mögliche ambulante Weiterführung der Behandlung geplant.

Leider ist die derzeitige ambulante Versorgungssituation jedoch nicht ganz zufriedenstellend, da Versorgungsstrukturen für "Borderliner" nicht bundesweit und flächendeckend verfügbar sind. Noch sind zu wenige der ambulant arbeitenden Therapeuten spezialisiert, um eine fachgerechte Versorgung anbieten zu können. Dabei gibt es gute Konzepte, die eigens für die Störung entwickelt wurden und sich auch ambulant sehr gut umsetzen lassen.

Noch gehört aber etwas Glück dazu, den richtigen Therapeuten zu finden, der einen über einen längeren Zeitraum begleitet und bei der Bewältigung der Alltagsprobleme unterstützt.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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