Welche Risiken und Nebenwirkungen hat die Operation bei Grauem Star?

Hinterkammerlinse Hinterkammerlinse Die gute Nachricht vorneweg: Die Star-Operation zählt zu den am häufigsten durchgeführten Operationen deutschlandweit. Dementsprechend hoch sind normalerweise die Standards. Die Komplikationsrate beträgt weniger als 2%.

Die gravierendste, aber auch äußerst seltene Komplikation ist eine schwere Blutung oder Infektion im Inneren des operierten Auges. Außerdem gibt es, wie bei jeder Operation, noch einige weitere Risiken und Komplikationsmöglichkeiten.

Zu unterscheiden sind dabei solche, die während der Operation auftreten, und solche, die sich erst danach bemerkbar machen.

Komplikationen, die während der Operation auftreten können:

  • Am gefährlichsten ist die erwähnte Infektion mit nachfolgender Entzündung des Augeninneren (Endophthalmitis), die zum Verlust der Sehfähigkeit oder sogar des Auges führen kann. Sie ist zum Glück sehr selten. Die Angaben zur Häufigkeit stammen aus verschiedenen Ländern, sind unterschiedlich alt und reichen von 0,02 bis 0,15%.
  • Es kann, vor allem beim Entfernen harter Linsenkerne, zu einer Flüssigkeitsansammlung im Inneren der Hornhaut kommen, die in der Regel nach wenigen Tagen wieder verschwunden ist.
  • Manchmal wird die oberste Hornhautschicht abgeschürft, was normalerweise nach 2-3 Tagen wieder verheilt.
  • Manchmal tritt eine Bindehautblutung auf, die harmlos ist. Sehr selten ereignet sich eine leichte Blutung in die vordere Augenkammer, die meistens nach wenigen Tagen durch körpereigene Mechanismen aufgesaugt wird.
  • Bei einem Einriss der hinteren Linsenkapsel ist gelegentlich das Einsetzen einer Vorderkammerlinse erforderlich oder es ist, sehr selten, gar keine Linseneinpflanzung (mehr) möglich. Wenn die Kapsel einreißt, kann es auch zu einem Vorfall des Glaskörpers kommen.
  • Seltene Komplikationen nach dem Einsatz einer Betäubungsspritze sind eine Blutung hinter das Auge, Blutdruckanstieg bzw. Blutdruckabfall oder Herzrasen (vor allem bei Herzkranken). Auch zu einer allergischen Reaktion gegen das Betäubungsmittel kann es in Einzelfällen kommen.
  • Extrem selten geschieht es, dass versehentlich in den Augapfel gestochen wird  oder das zentrale Nervensystem Probleme verursacht. Zur Sicherheit ist deshalb die Anwesenheit eines Narkosearztes erforderlich.

Komplikationen, die nach der Operation auftreten können:

  • Vor allem jüngere Menschen klagen nach der Operation gelegentlich über eine erhöhte Blendempfindlichkeit.
  • Wenn ein Teil der getrübten Linse im Auge verblieben ist, kann ein zweiter Eingriff nötig werden. Das geschieht äußerst selten.
  • Ein Anstieg des Augendrucks nach der Operation wird heute nur noch selten beobachtet und ist  medikamentös meist leicht zu beherrschen.
  • Die instrumentelle Spreizung einer engen Pupille, die nicht medikamentös erweiterbar ist, kann in selten Fällen eine dauerhaft erweiterte oder verzogene Pupille zur Folge haben.
  • Ebenfalls selten wird der Austausch der implantierten Kunstlinse gegen eine neue Linse erforderlich, etwa wegen Verlagerung der Linse oder nicht exakter Linsenstärkenberechnung.
  • Außerdem gibt es noch zwei Komplikationen, die heutzutage sehr selten sind:  die Netzhautablösung, die eine Operation in einer Spezialklinik erforderlich macht, und eine, meist vorübergehende, Flüssigkeitsansammlung in der zentralen Netzhaut (Makulaödem).

Häufigste „Nebenwirkung“: der Nachstar

Schließlich ist noch der Nachstar zu nennen, der häufiger als die genannten Komplikationen auftritt und zwar umso häufiger und stärker, je jünger man ist. Dieses Phänomen wird Monate oder Jahre nach einer komplikationslosen Staroperation beobachtet. Seine Häufigkeit wird mit weniger als 3% innerhalb der ersten drei Jahre nach der Operation angegeben.

Dabei trübt sich die hintere Linsenkapsel, die zur Abstützung der Kunstlinse im Auge verbleibt, durch eine dahinter einwachsende dünne Zellschicht. Das ist an sich harmlos, kann aber das Sehen verschlechtern und eine Laserbehandlung erforderlich machen.

Aufklärung ja, Abschreckung nein

Aufklärung ist wichtig, gutes Patientenrecht und ärztlich geboten. Nur wer gut informiert ist, kann sich optimal auf einen Eingriff und die anschließende Nachsorge vorbereiten. Von einer gut begründeten Operation sollten Sie sich dadurch aber natürlich nicht abschrecken lassen. Schließlich ist die Staroperation bis heute die einzige nachgewiesenermaßen erfolgreiche Behandlung bei fortgeschrittenem Grauen Star und hat schon Millionen von Menschen wieder zu gutem Sehen und besserer Lebensqualität verholfen.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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