Welche Betäubungsmöglichkeiten gibt es bei der Star-Operation?

Falls Sie sich vor der Narkose fürchten sollten, sind Sie nicht allein. Vielen Menschen bereitet der Gedanke an die Betäubungsspritze große Sorgen. Das ist beim Zahnarzt so und beim Augenchirurgen nicht anders.

Die gute Nachricht: Es stehen verschiedene Methoden zur Verfügung und mit der modernen Tropf-Anästhesie sogar eine, bei der es gar keine Spritze braucht. Die Wahl des Betäubungsverfahrens hängt auch stark von Ihrer Präferenz ab, die Sie im Vorgespräch mit dem behandelnden Augenchirurgen bzw. dem Narkosearzt zum Ausdruck bringen sollten.

Es gibt folgende drei Möglichkeiten:

  • örtliche Betäubung mit Tropfen oder Gel
  • örtliche Betäubung mit der Spritze
  • Vollnarkose

Bei der modernen Tropf-Anästhesie wird das Narkosemittel zur örtlichen Betäubung in Tropfen- oder Gelform direkt auf das zu operierende Auge aufgebracht. Dieses sogenannte Oberflächen-Anästhetikum wird neben den üblichen Tropfen zur Weitstellung der Pupille eingesetzt und ermöglicht eine sichere und schmerzfreie Operation. Das betäubte Auge bleibt dabei beweglich, was Ihnen eine gewisse Kooperationsbereitschaft während des Eingriffs ermöglicht – oder auch abverlangt, je nach Sichtweise. Entsprechendes gilt für den Operateur.

Als weiterer Vorteil wird eine schnellere Erholung der Sehfunktion nach dem Eingriff beschrieben. Für die normale Operation des Grauen Stars ist die Tropf-Anästhesie in der Regel ausreichend und heute die erste Wahl.

Alle Betäubungsverfahren haben Vor- und Nachteile

Die ältere, „klassische“ Methode ist die örtliche Betäubung mit der Spritze, die auch größere chirurgische Eingriffe am Auge ermöglicht. Dabei wird das Narkosemittel nach dem Einstich unter dem Auge entweder neben oder hinter den Augapfel gespritzt. Das nennt sich dann Peri- oder Retrobulbär-Anästhesie – und klingt schlimmer als es ist. Vorher werden Sie normalerweise mit einer Injektion in die Armvene in einen Kurzschlaf versetzt und bekommen das Prozedere gar nicht mit.

Allerdings sind mit dem Einsatz einer Injektionskanüle in der Augenhöhle ein paar Risiken verbunden, die mit der Tropf-Anästhesie vermieden werden können. Ein Vorteil dieses Verfahrens ist die Ruhigstellung des Augapfels, die dem Operateur das sichere Arbeiten unter dem Mikroskop etwas erleichtert.

In beiden Fällen der örtlichen Betäubung ist es üblich, dass Sie vorher noch ein Beruhigungsmittel erhalten, entweder als Tablette oder als Injektion in die Armvene. Der dafür nötige venöse Zugang gehört ebenso zur Operationsroutine wie die Überwachung von Blutdruck, Herzfrequenz und Atmung, um im Falle des Falles eine Vollnarkose einleiten zu können.

Vollnarkose nur selten notwendig

Nur unter besonderen medizinischen Bedingungen wird die Operation in Vollnarkose durchgeführt. Ein weiterer Grund ist, dass Sie es ausdrücklich wünschen, weil Ihnen schon die Vorstellung einer Manipulation am Auge unerträglich ist. Oder weil Sie vor lauter Nervosität Schwierigkeiten dabei haben, den Kopf für längere Zeit ruhig zu halten. Dank moderner Betäubungsmittel, die in die Vene gegeben werden und binnen weniger Minuten nach der Operation vollständig abgebaut sind, hat sich die Dauer der Erholungsphase nach der Operation heute deutlich verringert.

Übrigens:  Eine Umfrage unter deutschen Augenchirurgen im Jahr 2006 ergab, dass die Betäubung zum damaligen Zeitpunkt noch in 70% der Fälle bevorzugt mit der Injektionsnadel durchgeführt wurde und nur bei 22% mit Tropfen oder Gel. Die verbliebenen 8% entfielen auf die Vollnarkose. Im Gegensatz dazu gaben die amerikanischen und die europäischen Augenärzte im gleichen Jahr wesentlich höhere Anwendungsraten der Tropf-Anästhesie an (63% bzw. 56%). Angesichts der oben beschriebenen Vorteile des Verfahrens bei gleichzeitig erhöhter Anforderung an Operateur und Patient ein interessanter Befund.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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