Ist der Graue Star eine Berufskrankheit?

Ein Grauer Star, der durch Wärmestrahlung verursacht wurde, ist explizit als Berufskrankheit anerkannt (BK Nr. 2401: „Grauer Star durch Wärmestrahlung“). Diese Sonderform des Grauen Stars wird auch als Wärmestar, Infrarotstar, Feuerstar oder auch Glasbläserstar bezeichnet.

Gefahr in Glashütten und in der Metallverarbeitung

Die schädigenden Infrarotstrahlen werden von hellrot-, gelb- und weißglühendem Material ausgesandt. Typische Gefahrenquellen sind der Umgang mit schmelzendem Glas in Glashütten oder mit glühenden Schmelzmassen in Eisenhütten, Metallschmelzereien, bei der Weißblechherstellung oder in Karbid-Fabriken.

Mittlerweile ist bekannt, dass offenbar auch die anderen Strahlungsarten, die typischer Weise von einem unter hohen Temperaturen glühenden Material ausgehen, Trübungen der Augenlinse verursachen können. Deshalb kann ein Grauer Star (medizinisch: Katarakt), der auf UV-Strahlen zurückzuführen ist, im Einzelfall wie eine Berufskrankheit entschädigt werden. Die Berufskrankheit Nr. 2402 „Erkrankungen durch ionisierende Strahlen“ deckt auch Katarakte ab, die auf Strahlenspätschäden zurückzuführen sind.

Teil-Ursache genügt

Arbeitnehmerfreundliche Rechtsanwälte weisen übrigens darauf hin, dass eine Abgrenzung des normalen Grauen Stars (Altersstar) und Wärmestar nicht statthaft ist, auch wenn sie in der berufsgenossenschaftlichen Fachliteratur gerne gefordert wird. Wenn Sie also Jahre oder gar Jahrzehnte lang bei Ihrer Arbeit einer Gefährdung ausgesetzt waren und nun der Verdacht auf Altersstar besteht, ist die Grundlage für eine berufsgenossenschaftliche Anerkennung gegeben. Ob es sich um einen Wärmestar oder einen davon unabhängigen, reinen Altersstar handelt, kann so von der Berufsgenossenschaft nicht bewiesen werden, lautet der Juristentipp.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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