Wirklich allergisch?

KatzeEtwa jeder fünfte Erwachsene in Deutschland reagiert Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge allergisch auf Pollen, Hausstaub und Co.

Aber: Nicht alles, was juckt oder auf die Verdauung drückt, ist gleich eine Allergie. US-Experte Dr. David Stukus hat nun gängige Mythen gesammelt, die längst wissenschaftlich widerlegt sind.

Circa 72 Prozent der Menschen in den USA holen sich ihre Informationen zum Thema Gesundheit aus dem Internet. Bedenklich, findet Dr. David Stukus vom American College of Allergy, Asthma and Immunology (ACAAI). Denn im weltweiten Netz halten sich Irrtümer und Mythen besonders hartnäckig – auch wenn sie wissenschaftlich längst widerlegt sind. Bei der Jahrestagung der ACAAI in Baltimore/USA Ende vergangenen Jahres präsentierte der Allergie-Experte deshalb eine Sammlung der im Internet kursierenden Irrtümer zum Thema Allergie.

Allergie-Mythen: Eine Auswahl

  • Mythos 1: Ich darf kein Brot essen, weil ich gegen Gluten allergisch bin.
    Man kann eine Gluten-Unverträglichkeit haben. Aber eine richtige Allergie gegen dieses Eiweiß-Gemisch in bestimmten Getreidesorten ist extrem selten. Meist ist es das Weizenmehl in diesen Lebensmitteln, das Probleme macht. Viele Menschen glauben deshalb, sie hätten eine Gluten-Allergie, ohne dass ein Arzt diese je diagnostiziert hätte.
  • Mythos 2: Babys unter zwölf Monaten sollten möglichst keine hochallergenen Lebensmittel bekommen.
    Für die meisten Kinder ab dem vierten bis sechsten Lebensmonat gibt es keinen wissenschaftlich nachgewiesenen Grund, warum sie diese Lebensmittel nicht bekommen sollten. Neue Untersuchungen legen im Gegenteil nahe, dass der frühe Kontakt mit hochallergenen Lebensmitteln die Verträglichkeit sogar noch fördert.
  • Mythos 3: Ich reagiere zwar allergisch auf Katzen und Hunde, aber ich könnte mir eine allergenfreie Rasse zulegen.
    Es gibt keine allergenfreien Katzen und Hunde. Die Allergie-auslösenden Stoffe befinden sich nicht in den Tierhaaren – wie der Ausdruck „Tierhaar-Allergie“ suggeriert –, sondern im Speichel und in den Talgdrüsen der Tiere. In der Tat gibt es aber bestimmte Rassen, die für Allergiker besonders unangenehm sind.
  • Mythos 4: Ich reagiere allergisch auf Hühnereiweiß. Deshalb darf ich mich generell nicht impfen lassen.
    Tatsächlich gibt es Impfstoffe, die auf Hühnerembryonen angezüchtet werden. Das sind beispielsweise Impfstoffe gegen Tollwut, Gelbfieber oder Grippe. Allerdings gibt es auch Vakzine, die synthetisch hergestellt werden. Seit einigen Jahren ist auch ein auf diese Weise produzierter Grippe-Impfstoff auf dem Markt, der für Menschen mit Hühnereiweiß-Allergie unbedenklich ist.
  • Mythos 5: Mit einem Test für Zuhause kann ich selbst feststellen, worauf ich allergisch bin.
  • Diese Tests mögen in der Lage sein, Überempfindlichkeiten aufzudecken. Eine Überempfindlichkeit bedeutet aber noch nicht, dass eine Allergie besteht. Die Selbsttests sind nicht zuverlässig genug und könnten deshalb zu einer falschen Eigendiagnose und  – bei einer vermuteten Lebensmittelallergie – zu unnötigem Verzicht führen. Sinnvoller ist es, beim Allergologen einen entsprechenden Test durchführen zu lassen und bei einem positiven Ergebnis die richtige Therapie zu erhalten. Denn eine falsche Diagnose und Behandlung könnten gefährlich sein.

Zusammenfassung: Cornelia Weber
Patienten Journal Reise & Gesundheit 1/2014
Quelle: American College of Allergy, Asthma and Immunology

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