Warum sollte man mit kortisonhaltigen Augentropfen zurückhaltend sein?

Bei einer allergischen Bindehautentzündung können Kortison-haltige Augentropfen die Beschwerden häufig sehr effektiv lindern. Trotzdem sind sie nicht die Nummer 1 auf der ärztlichen Empfehlungsliste, im Gegenteil. Denn der guten Wirksamkeit stehen leider auch einige Nachteile gegenüber.

Infektionsgefahr steigt

Bei kurzfristigem Einsatz von Kortison-Augentropfen (einige Tage) ist die Gefahr von Nebenwirkungen noch relativ gering. Allerdings muss man auch hier schon mit einer verminderten Immunabwehr im Auge rechnen. Denn Kortison unterdrückt nicht nur die allergische Reaktion, sondern das gesamte Immunabwehrsystem am Auge (und bei Tabletteneinnahme im ganzen Körper). Das heißt, Bakterien und andere Erreger, die sich in der Gegend herumtreiben, jubeln auf, denn eine Ansiedlung im Augenbereich ist jetzt viel einfacher. So sind denn auch Infektionen eine der häufigsten Komplikationen von zu viel Kortison am Auge.

Bei längerer oder gar dauerhafter Anwendung von Kortison-Tropfen kann es außerdem zu einem Grünen Star (Glaukom, erhöhter Augeninnendruck) oder auch zu einem Grauen Star (Katarakt, Linsentrübung) kommen. Zumindest nimmt das Risiko dafür zu.

Deswegen gelten unterm Strich bei allergischer Konjunktivitis Augentropfen mit Cromoglicinsäure oder Antihistaminika als erste Wahl. Cromoglicinsäure wirkt allerdings erst nach ein paar Wochen, ist also eher etwas für die vorsorgliche "Saison-Therapie" bei Heuschnupfen.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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