Heuschnupfen: Hyposensibilisierung per Pflaster?

Wer Heuschnupfen hat, klagt über eine laufende Nase und tränende Augen. Bisher lässt sich diese Allergie mit dauerhaftem Erfolg nur mit einer allergen-spezifischen Immuntherapie – die sogenannte Hyposensibilisierung – behandeln. Doch jetzt scheint es eine Alternative zu geben: ein Pflaster, das die Allergene von sechs verschiedenen Gräserpollen enthält und über die Haut wirkt.

Studie zeigt Erfolgsquote von 70%

Hyposensibilisierung bedeutet, dass der Körper gegen die allergieauslösenden Stoffe quasi trainiert wird, um die übermäßige Abwehrreaktion des Immunsystems zu normalisieren. Dazu ist allerdings einige Geduld notwendig: Die Behandlung verlangt dutzende Injektionen und dauert meist mehrere Jahre.

Vielleicht geht das in naher Zukunft leichter. Am Universitätsspital Zürich haben Ärzte ein Pflaster getestet, das die Allergene zur Hyposensibilisierung über die Haut zuführt. Dazu sind sechs eintägige Anwendungen am Oberarm, verteilt über einen Zeitraum von zwei Monaten notwendig. In einer Studie mit 132 Allergikern wurden die Heuschnupfensymptome mit dieser Methode um durchschnittlich 70% gelindert, schreiben die Wissenschaftler. Die Wirkung trat nicht nur zügig ein, sie hielt auch noch im Folgejahr an.

Bis zur Einführung muss noch das "Problem mit dem Klebeband" behoben werden

Warum die Therapie mit dem Pflaster funktioniert, liegt nach Ansicht der Ärzte an den besonderen Eigenschaften der Haut. So befinden sich in der Haut spezielle Immunzellen, die ganz rasch auf krankheitsauslösende Angriffe reagieren. Diese Zellen lassen sehr gut trainieren. Außerdem sind die äußeren Hautschichten frei von Blutgefäßen, weshalb die Allergene nicht in den Blutkreislauf gelangen.

Bis das Heuschnupfen-Pflaster allerdings angewendet werden kann, muss noch ein kleines Hinderniss überwunden werden. Damit die Pollenallergene von der Haut aufgenommen werden können, muss die äußere Hornhautschicht abgetragen werden. Bisher geschieht das mit einem Klebeband. Doch die Ärzte sehen hier Verbesserungsbedarf, weil der Erfolg noch von Patient zu Patient sehr unterschiedlich ausfällt.

WANC 19.04.2012
Quelle: Journal of Allergy and Clinical Immunology, doi: 10.1016/j.jaci.2011.08.036

Anzeigen