Was sind Keloide und wodurch entstehen sie?

Vorhandene Narben oder Hautverletzungen können in einigen wenigen Fällen zu sogenannten Keloiden heranwachsen. Dabei bildet sich neues, wulstiges Narbengewebe, welches mehr oder weniger deutlich über die ursprüngliche Wundfläche hinausragt und – wie ein gutartiger Tumor – anderes Körpergewebe verdrängen kann. Keloide sind also meist erhaben und derb-weich. Ihre Färbung ist oft intensiv und dunkler als die umliegende, gesunde Haut.

Ältere Keloide können aber auch stark verblassen. Gelegentlich können auch Juckreiz oder Schmerzen auftreten. Man vermutet, dass den Keloiden eine exzessive Entzündungsreaktion zugrunde liegt, allerdings muss eine entsprechende erbliche Veranlagung vorhanden sein.

Junge Menschen häufiger betroffen

Bestimmte Körperregionen neigen deutlich häufiger zu dieser Art Wundheilungsstörung als andere. Dazu gehören:

  • die Ohren,
  • der Kieferbereich,
  • der Nacken,
  • der Bereich unterhalb des Schlüsselbeins
  • sowie die Region des Brustbeins.

Hier können bei entsprechender Veranlagung schon kleinste Verletzungen kosmetisch störende Keloide zur Folge haben.

Überdurchschnittlich häufig neigen junge Leute zwischen 10 und 30 Jahren sowie dunkelhäutige Menschen zu Narbenwucherungen. In einigen Kulturen Afrikas wird diese Neigung sogar explizit zur Körperverzierung genutzt. Dabei werden durch Ritzen oder Schneiden Muster in die Haut eingefügt, welche durch die anschließende Wucherung erst richtig prominent und sichtbar werden. In Europa neigt etwa jeder Hundertste zu Keloiden. Die exzessive Narbenwucherung wird in westlichen Breiten meist als großes ästhetisches Problem gesehen.

Wichtige Unterscheidung zur sogenannten „hypertrophen Narbe“

Ein Keloid entsteht häufig erst längere Zeit nach der Wundheilung einer Narbe. Dadurch unterscheidet er sich auch von der sogenannten hypertrophen Narbe, welche sich nur wenige Wochen nach der OP oder Verletzung etc. bildet, einige Zeit besteht und schließlich meist wieder abflacht und verblasst. Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen diesen beiden Arten von Narbenwucherungen ist, dass die hypertrophe Narbe strikt innerhalb der Narbengrenzen bleibt, während ein Keloid diese Grenzen verlässt und die ursprüngliche Wundfläche sogar um ein Vielfaches übertreffen kann. Wenn man Keloide ein- oder mehrfach chirurgisch entfernt und keine weitere Behandlung anwendet, kann die Narbenwucherung immer wiederkommen und vor allem sogar immer größer werden.

Keloide können sich ausschließlich auf der äußeren Haut bilden. Schleimhäute oder andere innere Körpergewebe sind niemals betroffen. Keloid-Neigung gibt es übrigens nur beim Menschen. Im Tierreich – selbst bei hochentwickelten Säugetieren – existiert diese Neigung nicht.

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

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