Welche Ursache kann Haarausfall bei Männern haben?

Der Mensch besitzt – abhängig von Haarfarbe, Alter und Herkunft – bis zu 150.000 Kopfhaare. Monatlich wächst das Haupthaar um etwa einen Zentimeter, wobei sich der Lebenszyklus in eine mehrjährige Wachstumsphase, eine kurze Rückbildungs- und eine etwa 3-monatige Ruhephase gliedert. Täglich verlieren wir natürlicherweise bis zu 100 Haare.

Von einem eventuell abklärungsbedürftigen Haarausfall spricht man erst, wenn diese Anzahl deutlich überschritten wird – was man meist schon subjektiv an vermehrt ausgefallenen Haaren an der Kleidung oder in Kamm/ Bürste feststellen kann. Wenn auch noch sichtbar lichte oder gar kahle Stellen auftreten, spricht der Fachmann von einer sogenannten Alopezie.

Krankhafte Ursachen ausschließen

Bei Männern mit entsprechend familiärer Häufung und dem typisch männlichen Lichtungsmuster an Stirn und Scheitel ist der Fall meist klar. Hier handelt es sich um die androgenetische Alopezie, die im Zusammenspiel von Genen und Hormonen bei einem großen Teil der männlichen Bevölkerung auftritt. Sie hat in der Regel keinerlei krankhafte Ursache und Bedeutung – und bedarf bei fehlendem Leidensdruck auch keinerlei Behandlung.

Da es aber daneben noch viele, jeweils seltenere Ursachen von Haarausfall gibt, sollte im Zweifel und vor allem bei plötzlich auftretendem Haarausfall lieber ein Arzt aufgesucht werden. Bei Männern ist in der Regel der Hausarzt, ein Dermatologe oder auch ein Androloge, also ein Spezialist auf dem Gebiet der Männerheilkunde, der richtige Ansprechpartner.

Haarwachstum ist vielfältig angreifbar

Dort kann schon die Abfrage der Lebensführung erste Erkenntnisse liefern: Denn sowohl starker Stress, Nikotin als auch spezielle Ernährungsgewohnheiten wie fleischlose Kost – und damit eventueller Eisenmangel – können die Haarstabilität mindern. Auch manche Medikamente haben Einfluss auf das Haar und können im Einzelfall durchaus Haarminderung bedingen. Dieses könnte beispielsweise der Fall sein bei: Heparin, Betablocker, ACE-Hemmer, Antiepileptika oder Anabolika. Ferner sollten medizinische Ursachen ausgeschlossen werden, wie Schilddrüsenerkrankungen, Herpes Zoster, diverse Autoimmunleiden sowie weitere hormonelle Störungen.

Von einfachsten Mitteln zu komplexen Untersuchungen

Der Umfang der diagnostischen Maßnahmen richtet sich danach, wie schnell man einer eventuell behandlungsbedürftigen Ursache auf die Schliche kommt. Oft genügt schon eine sorgfältige ärztliche Befragung inklusive Inspektion und Zugtest (also eine einfache Prüfung des Ausziehgrades einzelner Haare). Ein Bluttest kann Hinweise auf Mangelerscheinungen und hormonelle Veränderungen geben. Nur im Bedarfsfall wird mit spezielleren Mitteln weitergeforscht: mit einer Trichodermatoskopie, also der Untersuchung von Haar und Kopfhaut mithilfe eines sogenannten Auflichtmikroskopes, oder mit einem Trichogramm, also einer mikroskopischen Haarwurzelanalyse.

Autorin: Dr. med.Monika Steiner

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